„Bau deine Geschichte“
– Eine dramaturgische Anleitung für deinen Kurzfilm –

Dieser Lehrgang richtet sich an alle, die einen Kurzfilm von 4 bis 6 Minuten Laufzeit drehen möchten und nach einer einfachen Anleitung suchen, um ihre Geschichte zu bauen. Der Lehrgang kann auch für längere Erzählungen verwendet werden, allerdings musst du ihn dann entsprechend anpassen, indem du mehrere Szenen in deine Geschichte einarbeitest.
Die folgenden Kapitel sind eine konkrete Anleitung zum Bauen einer wirksamen Geschichte mit einer Hauptfigur und einem klaren Konflikt als Motor. Der Lehrgang ist also ein Leitfaden, in dem wir einen ganz konkreten Weg aufzeigen, wie du deine Geschichte entwickeln kannst. Wir gehen also nicht näher auf dramaturgische Erklärungen oder alternative Möglichkeiten ein.
Wenn du dich intensiver mit der filmischen Dramaturgie beschäftigen willst, und mehr darüber erfahren möchtest, wie man eine Geschichte erzählt, solltest du zu unserem ausführlicheren Lehrgang für fortgeschrittene wechseln:
Du wirst deine Geschichte anhand der folgenden Schritte aufbauen:
HINWEIS: Eine alternative Arbeitsweise besteht darin, deine Geschichte so zu schreiben, wie du sie gerne erzählen möchtest, ohne dir allzu viele Gedanken über die Struktur zu machen. Anschließend kannst du sie anhand der folgenden Anleitung überprüfen und korrigieren – diese Vorgehensweise eignet sich am besten, wenn dir das Schreiben von vornherein leicht fällt.
Kapitel 1: Die gute (Kurz-) Geschichte
Eine gute Geschichte kann aus allem Möglichen entstehen, daher ist es wichtig, offen für originelle und ungewöhnliche Ansätze zu sein. Sei dir jedoch gleichzeitig bewusst, dass manche Geschichten besser funktionieren als andere.
In der folgenden Übersicht findest du einen Leitfaden mit einigen für Kurzfilme typischen Eigenschaften.
HINWEIS: Wenn du eine gute Idee hast, an die du glaubst, ist es wichtiger, daran festzuhalten und sie auszuprobieren, auch wenn sie nicht in die folgenden Richtlinien passt – oft sind es gerade diese Filme und Geschichten, an die wir uns am besten erinnern.
Kapitel 2: Thema & Richtung
Thema:
Wenn du eine Geschichte entwickeln möchtest, solltest du zunächst das Thema der Geschichte festlegen.
Worüber möchtest du etwas erzählen? Hier ist es wichtig, dass du dir ein grundlegendes und allgemeingültiges Thema überlegst. Das können weit gefasste Themen wie Liebe oder Einsamkeit sein, aber auch spezifischere Themen, zum Beispiel Spielsucht oder Arachnophobie (die Angst vor Spinnen).
Da die Arbeit an einem Film sehr anspruchsvoll sein kann, ist es eine gute Idee, ein Thema zu wählen, das dich interessiert oder das für dich relevant ist. Du kannst auch ein Thema wählen, zu dem du eine Meinung hast oder über das du mehr erfahren möchtest.
Betrachte das Thema als die große Überschrift für deine Erzählung – es sollte sich mit möglichst wenigen Worten beschreiben lassen.
Schau dir folgendes Beispiel an und achte dabei darauf, wie das Thema dauernd im Spiel ist.
Ist dir aufgefallen, dass sich das Thema durch die gesamte Handlung zieht? Schon von Anfang an beginnen die kleinen Vögel zu streiten, bevor der große Vogel auftaucht. Am Ende dient der grosse, tolerante Vogel als Schutz für die kleinen, intoleranten Vögel. Dein Thema sollte also der rote Faden deiner Geschichte sein.
Da du zu jedem beliebigen Thema eine Geschichte aufbauen kannst, ist es besser, sich schnell für ein Thema zu entscheiden und systematisch damit zu arbeiten, anstatt viel Zeit damit zu verbringen, das „richtige” Thema zu finden.
Wenn du Schwierigkeiten hast, ein Thema zu finden, kannst du dich hier inspirieren lassen.
Übung – Finde dein Thema


Lad die Übung auf dein Handy!
Bildet eure Filmteams aus 4–6 Personen, falls ihr das noch nicht getan habt.
Nimm dir individuell zehn Minuten Zeit und schreibe drei bis vier Themen auf, über die du gerne einen Film drehen würdest. Denk darüber nach, warum du dich für diese Themen entschieden hast.
HINWEIS: Es muss keine tiefgründige Erklärung sein – manchmal reicht es zu sagen, dass man sich das gut vorstellen kann.
Setz dich dann mit deinem Filmteam zusammen und stell jeweils eines oder maximal zwei der Themen vor, die du aufgeschrieben hast. Auf diese Weise hast du bereits ausgewählt, welches von deinen Themen dir am besten gefällt.
Wenn ihr euch im Team auf eines der vorgestellten Themen einigen könnt, ist das gut. Wenn nicht, könnt ihr entweder in der Gruppe darüber abstimmen oder eine Münze oder einen Würfel werfen.
Das Wichtigste ist nicht, welches Thema ihr wählt, sondern dass ihr schnell damit beginnt, eure Geschichte zu entwickeln.
Nachdem ihr euer Thema gefunden habt, ist es eine gute Idee, 10 bis 15 Minuten lang darüber zu sprechen und euch dabei die folgenden Fragen zu stellen:
Richtung oder Grundstimmung:
Nachdem du nun dein Thema gefunden hast, müssen wir deiner Geschichte eine Richtung oder Grundstimmung geben.
Du bist sicher schon einmal auf den Begriff „Filmgenres“ gestoßen und kennst sicherlich auch einige davon: Western, Horror, Komödie und viele mehr. In unserem Zusammenhang ist es jedoch sinnvoller, von Richtungen und Grundstimmungen auszugehen. Hier hast du die Wahl zwischen:
Grundlegende Gefühle:
In einer Geschichte kannst du durchaus verschiedene grundlegende Gefühle miteinander vermischen oder die Geschichte kann sich von einem Gefühl zum nächsten entwickeln. Eine sehr beliebte Mischung ist die Horrorkomödie, wie sie beispielsweise in „Fluch der Karibik“ oder „Scream“ zu sehen ist. Dabei solltest du jedoch darauf achten, das Publikum nicht zu verwirren.
Richtung:
Es ist von großem Vorteil, das Ende bereits früh im Entwicklungsprozess zu kennen, da es deiner Geschichte eine Richtung vorgibt, auf die du hinarbeiten kannst.
Wenn du mehr wissen willst, kannst du hier unser Kapitel über die Richtung lesen:
Übung – Szenarienspiel


Lad die Übung auf dein Handy!
Arbeitet zusammen in eurem Filmteam.
Sucht euch eines der folgenden Themen aus:
Nun sollt ihr zu dem von euch gewählten Thema verschiedene Szenarien entwerfen. Wie könnte die Geschichte aussehen, wenn sie ernst, lustig oder gruselig wäre? Und wie würde sie enden – gut oder schlecht?
Geht alle sechs mögliche Szenarien in der Gruppe durch und besprecht, mit welchem Szenario es am besten passte, mit welchem es schwierig war zu arbeiten und welches am interessantesten war.
Hinweis: Nicht immer ist das Szenario, das sich auf den ersten Blick am natürlichsten anfühlt, dasjenige, das die Geschichte am interessantesten macht. Im Gegenteil: Es kann etwas zu offensichtlich und langweilig wirken. Versucht, das Publikum zu überraschen.
Macht nun dasselbe für das Thema, das ihr in der Übung „Finde dein Thema“ ausgewählt habt. Schreibt jedes Szenario auf drei bis vier Zeilen auf.
Je früher du diese Entscheidungen triffst, desto schneller kannst du mit dem Bau der eigentlichen Geschichte beginnen. Diese Entscheidungen geben dir einen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung deiner Geschichte.
Hinweis: Du kannst deine Entscheidungen während des Entwicklungsprozesses jederzeit ändern, wenn du feststellst, dass eine andere Option besser ist. Das ist in einem organischen Prozess völlig normal.
Du kannst Thema, Grundstimmung und Richtung frei kombinieren. Es macht Sinn, das du im laufe der Entwicklung deiner Geschichte verschiedene Szenarien ausprobierst.
Kapitel 3: Hauptfigur, Konflikt & das Universum des Films
“I choose to run towards my problems, and not away from them. Because that’s what heroes do.”
Chris Hemsworth, Thor (2011)
Die absolut wichtigste Figur in deiner Geschichte ist die Hauptfigur (Protagonist). Das ist die Person, durch die wir normalerweise die Geschichte erleben und mit der wir uns identifizieren. Schon früh in der Geschichte muss der Protagonist erkennen, dass er/sie ein Problem hat, das gelöst werden muss. Und je schwieriger es ist, das Problem zu lösen, desto mehr wird das Publikum dem Protagonisten die Daumen drücken, und desto besser ist die Geschichte.
Eine Geschichte kann auch als Versuch definiert werden, Lösungen für ein Problem zu finden. In einer dramatischen Geschichte ist es jedoch wichtig, dass die Lösung nicht sofort eintrift: Der Protagonist muss auf die Lösung hinarbeiten, und je schwieriger es für ihn/sie ist, desto besser.
Beispiel:
Jetzt sollst du selbst weiter an dieser Geschichte schreiben, um zu sehen, wie sie endet. Aber denk daran, dass es genauso wichtig ist, dass die Hauptfigur ein Problem hat, wie dass sie aktiv versucht, das Problem zu lösen – niemand anderes kann das für sie tun. Versuche, der Hauptfigur viele Hindernisse in den Weg zu legen.
Das Problem oder der Konflikt, den die Hauptfigur im Laufe der Geschichte lösen muss, sollte mit dem Thema zusammenhängen, das du für deinen Film gewählt hast. Gleichzeitig ist es ratsam, dass das Problem bzw. der Konflikt für das Publikum klar und deutlich erkennbar ist. Mit anderen Worten:
Das Thema des Films soll universell sein, während der zentrale Konflikt des Films für die Hauptfigur persönlich und konkret sein sollte.
Der Konflikt sollte also eine der vielen Möglichkeiten sein, wie sich das Thema manifestieren kann.
Oft hängt der Konflikt mit dem Willen oder Wunsch der Hauptfigur zusammen – er steht dem im Weg, was die Hauptfigur erreichen will. Im unteren Beispiel ist das Thema „Übergewicht“ und die gesundheitlichen Konsequenzen. Der Wille der Hauptperson ist es, nach Hause zu gehen – kannst du sehen wie Thema und Konflikt zusammenhängen?
Schau dir den Kurzfilm „Unten Durch“ von Friedrich Tiedtke an:
Das letzte Element, das du benötigst, um deine Geschichte bauen zu können, ist das Universum des Films. Das heißt: Zeit und Ort, an dem sich die Geschichte abspielt. Es ist eine gute Idee, das Universum des Films (Story World) so stark wie möglich zu begrenzen, da es dem Publikum so leichter fällt, sich zurechtzufinden. Verwende ruhig einige deiner Drehorte im Film mehrfach, anstatt jede Szene an einem neuen Ort spielen zu lassen – das schafft Zusammenhang zwischen Welt und Geschichte.
Zur Welt deines Films gehört auch ein Regelwerk. Wenn deine Geschichte beispielsweise an einer Schule spielt, musst du erzählen, wie genau diese Schule funktioniert. Welche Normen gelten an genau dieser Schule? Wer hat das Sagen? Wer nicht? Was ist das Besondere an gerade dieser Schule?
HINWEIS: Lege nur Regeln fest, die für deine Geschichte relevant sind.
Wenn du tiefer in die Figuren, den Konflikt oder das Universum eintauchen möchtest, kannst du das hier tun:
Übung – Hauptperson, Konflikt & Welt der Geschichte


Lad die Übung auf dein Handy!
Setzt euch mit eurem Filmteam zusammen.
Besprecht nun gemeinsam in der Gruppe, welches Problem oder welcher Konflikt euer Thema widerspiegeln und gleichzeitig zu der Grundstimmung passen könnte, die ihr für euren Film gewählt habt. Es muss kein großes Problem sein; im Gegenteil, oft ist es eine gute Idee, wenn das Problem klar abgegrenzt ist.
Stellt euch folgende Fragen:
Als Nächstes müsst ihr eine Hauptfigur für eure Geschichte finden. Nutzt dazu das von euch ausgewählte Thema, die Grundstimmung und den Konflikt und stellt euch in Bezug auf eure Hauptfigur folgende Fragen:
Zuletzt musst du entscheiden, wo und wann deine Geschichte spielen soll. Am einfachsten ist es, wenn die Geschichte in der Gegenwart spielt, da es kostspielig und aufwendig ist, die Vergangenheit oder Zukunft zu inszenieren. Die Entscheidung liegt jedoch ganz bei dir.
Wenn du das Universum des Films erschaffst, solltest du dir folgende Fragen stellen:
Es ist oft hilfreich, verschiedene Szenarien durchzuspielen, wie wir es bei der letzten Übung „Szenarienspiel“ getan haben.
HINWEIS: Du kannst die Reihenfolge gerne ändern, sodass du mit dem Universum des Films beginnst, wenn du einen besonderen oder interessanten Drehort hast oder eine spannende Hauptfigur, über die du gerne einen Film drehen möchtest.
Besprecht gegebenenfalls einige Beispiele in der Klasse.
Kapitel 4: Zeitleiste & Pitch Deck
In Kapitel drei wurden alle Elemente aufgezeigt, die du zum Bau deiner Geschichte benötigst: Du hast ein Thema und einen dazugehörigen Konflikt bzw. eine Problemstellung, die deine Hauptfigur in der Welt der Geschichte lösen soll.
Der nächste Schritt besteht darin, herauszufinden, was in deiner Geschichte eigentlich passieren wird. Du musst nun den eigentlichen Handlungsverlauf deines Films erfinden. Beginne damit, eine Zeitleiste zu erstellen, in die du die Szenen der Geschichte in der richtigen Reihenfolge einfügen kannst. Ohne eine Zeitleiste kann es schwierig sein, den Überblick über deine Erzählung zu behalten.
Lasst uns den Kurzfilm „Signs“ als Beispiel nehemen.
Und hier die Zeitleiste für den Kurzfilm „Signs„:
Illustration:
Ein Film von 4–6 Minuten Länge umfasst in der Regel 3–5 Szenen/Sequenzen (eine Sequenz ist eine Reihe von Szenen, die thematisch zusammengehören). Das kann allerdings variieren, und kommt ganz auf deine Geschichte an. Der Kurzfilm „Signs“ ist auch länger als 6 Minuten, hat aber trotzdem nur wenige Szenen/Sequenzen.
Die oberen drei blauen Kästchen der Zeitleiste stellen die wichtigen Ereignisse der Handlung dar: Anfang, Mitte und Ende, an denen die Geschichte entscheidende Wendungen nimmt. Das rote Feld ist die auslösende Handlung, die die Geschichte in Gang setzt.
Die beiden unteren blauen Kästchen kennzeichnen vertiefende Szenen/Sequenzen, in denen wir die Motivation der Hauptfigur wirklich verstehen sollen. Diese Szenen/Sequenzen haben typischerweise eine größere emotionale Dimension, in der wir uns als Publikum mit der Hauptfigur identifizieren. Das längliche graue Kästchen in der Mitte kennzeichnet den Konflikt/das Thema des Films in Verbindung mit dem Willen der Hauptfigur.
Illustration:
HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Etappen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente problemlos ändern könnt, sobald ihr neue Ideen habt und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.
Je gründlicher eure Zeitleiste ausgearbeitet ist, desto einfacher wird es, das eigentliche Drehbuch für den Film zu schreiben.
Übung – Zeitleiste


Lad die Übung auf dein Handy!
Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Lade hier unsere Vorlage für die Zeitleiste herunter (PowerPoint-Datei):
Erstellt nun gemeinsam in der Gruppe die Zeitleiste für euren eigenen Film unter Verwendung der Elemente, die ihr euch bisher ausgedacht habt. Wir empfehlen euch dabei in folgender Reihenfolge vorzugehen:
In dem länglichen grauen Feld unterhalb der Zeitleiste sollt ihr eintragen, was das Ziel der Hauptfigur während des gesamten Films ist – dies sollte den zentralen Konflikt und das Thema des Films widerspiegeln.
Wenn ihr die einzelnen Szenen ausfüllt, ist es eine gute Idee, mit dem Ende zu beginnen – ihr habt ja bereits entschieden, ob eure Geschichte glücklich oder tragisch enden soll. Während ihr euch eure Schlussszene ausdenkt, denkt über folgende Fragen nach:
Schreibt eure Idee für eine Schlussszene in das letzte blaue Feld auf eurer Zeitleiste (nur ein kurzer und präziser Satz).
Lest gegebenenfalls das Kapitel über die letzte Szene:
Als Nächstes solltet ihr euch überlegen, wie euer Film beginnen soll – dabei kann es von Vorteil sein, wenn euer Film im Gegensatz zum Ende (diametral) oder auf die gleiche Weise (zirkulär) beginnt. Beide Formen verbinden eure Geschichte zu einem Ganzen. Folgende Elemente solltet ihr berücksichtigen, wenn ihr über eure Eröffnungsszene nachdenkt:
Schreibt noch einmal einen sehr kurzen und präzisen Satz in das blaue Feld am Anfang eurer Zeitleiste.
Lest gegebenenfalls das Kapitel über den Anfang:
Als Nächstes müsst ihr herausfinden, was die ganze Geschichte in Gang setzt (das rote Kästchen nach der Eröffnungsszene). Es muss ja etwas passieren, sonst wird es langweilig, und das Erste, was unserem Protagonisten widerfährt und ihn/sie zum Handeln treibt, wird daher auch als auslösendes Ereignis (inciting incident oder call to adventure) bezeichnet.
Denkt über die folgenden Fragen nach, wenn ihr mit dem „inciting incident“ arbeitet:
Lest gegebenenfalls das Kapitel über das auslösende Ereignis:
Ihr habt sicher schon einmal den Ausdruck „Punkt ohne Wiederkehr“ (Point of no Return) gehört – diesen müsst ihr nun finden. Es handelt sich um einen Moment in der Geschichte, in dem etwas Drastisches geschieht, das die gesamte Geschichte für unsere Hauptfigur um 180° wendet – es ist immer eine große Veränderung, und sie findet immer in der Mitte der Geschichte statt, weshalb man sie auch als Mittelpunkt bezeichnet.
Wenn ihr mit dem Mittelpunkt arbeitet, solltet ihr Folgendes beachten:
Lest gegebenenfalls das Kapitel über den Mittelpunkt:
Zuletzt sollt ihr die Szenen/Sequenzen finden, die zwischen Anfang, Mitte und Ende liegen. Diese Szenen/Sequenzen sollen dem Publikum einen tieferen Einblick in die Figuren und ihre Beziehungen untereinander geben und/oder das Thema und den Konflikt vertiefen.
Bei der Arbeit an den Zwischenszenen/Sequenzen solltet ihr Folgendes beachten:
Wenn du nicht mindestens einen dieser Punkte mit „Ja“ beantworten kannst, solltest du dir überlegen, ob diese Szene/Sequenz in deinen Film aufgenommen werden soll.
Trage die dazwischenliegenden Szenen/Sequenzen in die entsprechenden Felder unterhalb der Zeitleiste ein – nun hast du einen Überblick über alle Szenen/Sequenzen deiner Filmgeschichte.
Wenn du mehr über die Zeitleiste wissen willst, kannst du das hier tun:
Pitch Deck:
Bisher haben wir alles in Worten formuliert, aber Film ist ein visuelles Medium, und deshalb müssen wir uns Gedanken über den visuellen Stil und den ästhetischen Ausdruck unseres Films machen. In diesem Zusammenhang ist es eine gute Idee, ein sogenanntes Pitch Deck (eine visuelle Präsentation für unser Filmprojekt) zu erstellen. Da wir einen Kurzfilm drehen, reicht es aus, ein Mini-Pitch-Deck zu erstellen.
Der Vorteil eines Pitch Decks für deinen Kurzfilm besteht darin, dass es dir die Möglichkeit gibt, deine Geschichte für dich selbst und die anderen Mitglieder deines Filmteams zu präzisieren.
Hier ist ein Beispiel für ein simples Pitch Deck:
Pitch Deck – „Das letzte Stück“:
Wie du an unserem Beispiel sehen kannst, ist die visuelle Gestaltung des gesamten Dokuments ein wichtiger Bestandteil deines Pitch Decks, die einheitlich sein und zur Ästhetik deiner Filmgeschichte passen sollte.
Ein Pitch Deck besteht aus folgenden Abschnitten:
Titelseite:
Gibt den Titel des Films an und vermittelt einen ersten visuellen Eindruck vom Film.
Log Line:
Eine kurze und präzise Beschreibung des Themas und der Problematik des Films.
Zusammenfassung:
Ein kurzer Überblick über den Handlungsverlauf des Films.
Zeitleiste:
Eine visuelle Darstellung der Schlüsselmomente sowie der Abfolge der wichtigsten Szenen/Sequenzen.
Charakterbeschreibung:
Eine kurze Beschreibung des Aussehens und der Charaktereigenschaften der wichtigsten Figuren.
Moodboard:
Beispiele für den visuellen Stil des Films sowie Beispiele für Drehorte.
Der Ton des Films:
Eine kurze Beschreibung der Stimmung des Films.
Zielgruppe & Marketing:
Eine kurze Beschreibung der Zielgruppe, an die sich der Film richtet, und wie man diese Zielgruppe erreichen will.
HINWEIS: Falls diese Folie für dich nicht relevant ist, kannst du sie einfach ignorieren.
Kontakt:
Kontaktdaten der Filmemacher.
Wenn du mehr über Pitch Decks erfahren und weitere Beispiele sehen möchtest, kannst du das hier tun (dazu benötigst du den Zugang zum Lehrgang „Produziere deinen Film“)
HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Durchgängen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente jederzeit ändern könnt, sobald euch neue Ideen kommen und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.
Ihr könnt die verschiedenen Aufgaben gerne aufteilen, sodass einige von euch an bestimmten Folien arbeiten und die anderen an anderen Folien.
Übung – Pitch Deck


Lad die Übung auf dein Handy!
Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Lade dir unsere Vorlage für ein Pitch Deck herunter (PowerPoint-Datei):
In der Gruppe sollt ihr nun euer Pitch Deck für euren eigenen Film ausarbeiten und dabei die Elemente einbeziehen, die ihr euch bisher ausgedacht habt. Ihr könnt gerne organisch vorgehen, das heißt, ihr müsst nicht mit der ersten Folie beginnen – fangt mit den Folien an, über die ihr bereits etwas wisst.
Bei der Arbeit an eurem Pitch Deck solltet ihr Folgendes beachten:
Kapitel 5: Die Dramatische Szene & Das Drehbuch
Das Drehbuch ist das „Rezept“ für deinen Film – es enthält alle notwendigen Zutaten (Charaktere, Requisiten, Drehorte usw.) und gibt dir eine Anleitung, wie du diese Zutaten miteinander verweben solltest (Dialoge, Regieanweisungen, Szenenabfolge usw.).
Je besser du das Drehbuch schreibst, desto besser und vor allem einfacher werden deine Dreharbeiten – es lohnt sich also, etwas Zeit in das Schreiben des Drehbuchs zu investieren.
Das Drehbuch ist in Szenen unterteilt. Jedes Mal, wenn man den Handlungsort und/oder den Zeitpunkt für die Handlung wechselt, beginnt eine neue Szene. Wir könnten zum Beispiel eine Szene schreiben, in der ein Auto vor einem Hotel vorfährt, das wir von außen sehen. Dann schneiden wir in das Auto hinein, um zu hören, was die Darsteller sagen – das ist dann eine neue Szene, weil wir uns im Inneren des Autos befinden. Wenn wir dann wieder außerhalb des Autos schneiden, um zu sehen, wie die Personen aus dem Auto steigen, ist das eine neue Szene – also insgesamt 3 Szenen.
Wenn du eine Szene für deinen Kurzfilm schreibst, solltest du die Szene als eine kleine Geschichte für sich betrachten – das heißt, die Szene muss eigenständig funktionieren, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, genau wie die große Geschichte.
Neben Dialogszenen gibt es auch andere Szenen, wie zum Beispiel Actionszenen und insbesondere Transportszenen (Szenen, in denen sich eine Person von A nach B bewegt) – hier gilt genau dasselbe:
Eine Szene muss sich entwickeln, das heißt, es muss etwas Wichtiges in der Szene passieren – sonst ist sie langweilig und gehört nicht in den Film.
Überlege dir daher, ob wir wirklich sehen müssen, wie LISELOTTE vom Bahnhof zu LUCAS’ Wohnung geht – es sei denn, sie sieht, wie seine Freundin weinend aus seinem Haus rennt?
Formatierung:
Wenn man eine Szene schreibt, verwendet man eine bestimmte Formatierung, damit man sofort einen Überblick darüber bekommt, wo und wann die Szene spielt, was die Schauspieler tun sollen und welche Dialoge sie führen sollen.
Alles in einer Szene wird in der Gegenwartsform geschrieben – genau wie im Film soll die Geschichte im Drehbuch hier und jetzt erlebt werden.
Die Formatierung einer Szene besteht aus drei Teilen:
1. Titelzeile:
Wird in GROßBUCHSTABEN geschrieben. Hier findest du einige praktische Informationen, die unter anderem im Produktionskontext nützlich sind:
SZENENNUMMER:
Gibt jeder Szene eine fortlaufende Nummer, beginnend mit 1.
EXT. oder INT. (INNEN/AUSSEN):
Gibt an, ob die Szene im Außenbereich (EXT.) oder im Innenbereich (INT.) spielt.
Diese Information ist unter anderem wichtig, um zu entscheiden, ob das Wetter bei den Dreharbeiten eine Rolle spielt oder nicht.
SCHAUPLATZ:
Der Ort, an dem die Szene in der Geschichte spielt. Wie detailliert diese Angabe sein soll, hängt davon ab, was für dein Drehbuch sinnvoll ist – finden beispielsweise mehrere Szenen in einem Haus in verschiedenen Räumen statt, dann gib hier die verschiedenen Räume an:
LISELOTTES HAUS – KÜCHE
TAG oder NACHT:
Gibt an, ob die Szene am Tag oder in der Nacht spielt. Wenn es wirklich wichtig ist, kann man zusätzlich zu „TAG“ oder „NACHT“ weitere Angaben machen, wie zum Beispiel: „FRÜH AM MORGEN“ oder „SONNENSCHEIN“
2. Regieanweisung:
Hier wird die Handlungen der Figuren erklärt oder was sonst gerade in dieser Szene passiert (man schreibt NICHT, was gleich passieren wird – das schreibt man erst, wenn es tatsächlich geschieht).
Wenn man eine Figur in der Regieanweisung erwähnt, schreibt man den Namen in GROSSBUCHSTABEN. Wenn man eine Person zum ersten Mal in einer Regieanweisung erwähnt, schreibt man ihr Alter in Klammern – LISELOTTE (23).
Es ist verboten, Gefühle oder Gedanken in eine Regieanweisung zu schreiben – wir können nur Personen und ihre Handlungen filmen, nicht was sie denken oder fühlen. Anstatt zu schreiben, dass die Person traurig ist, kannst du schreiben, dass sie Tränen in den Augen hat.
Als Faustregel gilt: Alles, was in der Regieanweisung steht, muss zu sehen oder zu hören sein.
Sei konkret in Bezug auf das Geschehen. Anstelle von: „LISELOTTE sucht etwas“ kann man schreiben: „LISELOTTE öffnet die Schublade des Schreibtisches und wirft deren Inhalt wütend auf den Boden“. Je konkreter du die Regieanweisung formulierst, desto besser kann der Schauspieler die Szene spielen.
Regieanweisungen können Anweisungen an Schauspieler geben, ein Ereignis beschreiben („vor dem Fenster ist ein lauter Knall zu hören“) oder einen Hinweis auf die Stimmung geben („schwaches Mondlicht wirft einen bläulichen Schimmer auf die Gestalt am Fenster“).
3. Dialog:
Dialoge sind die Worte, die die Schauspieler in einer Szene sprechen. Vor dem Dialog steht der Name der Figur, die den Dialog spricht. Der Name wird in GROSSBUCHSTABEN geschrieben, und Name und Dialog stehen in der Mitter auf der Seite:
LISELOTTE
Kommst du heute Abend zur Party?
Dialoge sollten in Umgangssprache geschrieben werden und zur Figur passen. Versuche, so wenige Dialogzeilen wie möglich zu schreiben, und frage dich, ob du etwas zeigen könntest, anstatt es zu sagen.
Anstatt zu schreiben:
LISELOTTE
Ich liebe dich!
könntest du in der Regieanweisung schreiben:
Liselotte schaut ihm tief in die Augen und lächelt, während sie seine Hand in ihre nimmt.
Illustration:
Wie du in der Illustration oben sehen kannst, gibt es eine gute Abwechslung zwischen Regieanweisungen und Dialogen. Wenn du nur Dialoge ohne Regieanweisungen schreibst, ist es für die Schauspieler schwierig, die Szene zu spielen, denn sie sehen zwar, was sie sagen sollen, erhalten aber keine Informationen darüber, wie sie die Szene spielen sollen.
Als Faustregel gilt, dass pro drei Dialoge eine Regieanweisung stehen sollte, um sicher zu sein, das auch genügend Handlung zwischen den Repliken passieren.
Wenn du dein Drehbuch schreibst, ist es wichtig den Übergang von einer Szene zur nächsten zu berücksichtigen, damit wir als Zuschauer den Wechsel von Zeit und Ort spüren können.
Es kann im Schnitt auch manchmal schwierig sein, direkt von einer Person zu schneiden, die sich an einem Ort befindet, und dann zu derselben Person zu schneiden, die einige Stunden später an einem anderen Ort ist. Versuche, dazwischen etwas einzufügen, das Sinn ergibt und vielleicht bestimmte Gefühle und Stimmungen unterstreichen kann.
HINWEIS: Sogenannte Transportszenen wirken oft langweilig, speziell wenn auf dem Wege nichts passiert – versuche etwas in solche Szenen einzubauen, was relevant für die Geschichte oder die Figuren ist.
Eine Szene wird auf eine besondere Weise geschrieben, und auch wenn du die richtige Formatierung der Szene in einem Textverarbeitungsprogramm machen kannst, ist es viel einfacher, dein Drehbuch in einem Drehbuchprogramm zu schreiben.
Es gibt eine Reihe verschiedener Optionen: Celtx, WriterDuet, Fade In, Final Draft usw. In der Regel handelt es sich dabei um kostenpflichtige Programme, aber einige bieten kostenlose Testversionen an, die mit Einschränkungen genutzt werden können. Wenn du gemeinsam mit anderen schreibst, ist es ratsam, ein Programm zu wählen, bei dem du das Projekt mit anderen teilen kannst.
Wir empfehlen ein Programm namens Celtx, mit dem du ein kostenloses Projekt erstellen kannst, das du mit anderen teilen kannst.
Haftungsausschluss: Wir stehen in keiner Verbindung zu Celtx oder einem seiner Partner und ziehen keinerlei finanziellen oder sonstigen Vorteil daraus, Celtx zu empfehlen.
Übung – Schreibe dein Drehbuch


Lad die Übung auf dein Handy!
HINWEIS: Diese Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und sollte in mehreren Etappen durchgeführt werden.
Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Erstelle für jede Person im Filmteam einen Benutzer bei Celtx (oder einem anderen Drehbuchprogramm):
Schreibt nun gemeinsam in der Gruppe euer Drehbuch. Nutzt dabei gerne alle Informationen aus eurer Zeitleiste und eurem Pitch-Deck.







