„Filmdramaturgie“
– Dein dramaturgischer Baukasten –

„Geschichtenerzählen ist die wirkungsvollste Methode, um Ideen in die Welt zu setzen“
Robert McKee, Professor und Autor
Die Dramaturgie beschreibt, wie eine Geschichte so strukturiert werden kann, dass das Publikum in eine dramatische Erzählung eingebunden und gefesselt wird – in unserem Fall eine Filmgeschichte. Das Publikum muss die Geschichte also verstehen (die Struktur erkennen) und sich mit ihr identifizieren können (der Inhalt muss für den einzelnen Zuschauer Sinn ergeben).
Geschichten sind als kreative Konstruktionen zu verstehen, ähnlich wie ein komponiertes Musikstück, bei dem das Einzigartige aus der Mischung zwischen der ursprünglichen Idee und bekannten Elementen entsteht. Die Struktur ist somit das Gerüst, an dem du deine Geschichte aufhängen kannst, und selbst die größten Filmemacher bedienen sich meist der dramaturgischen Grundprinzipien, die wir in diesem Lehrgang durchgehen.
„Freiheit tötet die Kunst“ ist ein Mantra, das viele Künstler aktiv in ihrem kreativen Prozess verwenden. Dramaturgische Strukturen können beim ersten Blick etwas starr und restriktiv wirken, aber du solltest die Einschränkungen eher als Hilfe betrachten, um deine Geschichte auf Kurs zu halten. Innerhalb dieser Grenzen kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen, um deine eigene einzigartige und individuelle Filmgeschichte zu bauen.
Der Einfachheit halber konzentrieren wir uns in diesem Lehrgang auf kurze fiktionale Geschichten, deren Handlung von einem Konflikt vorangetrieben wird. Diese Art von Geschichte ist weit verbreitet, sodass du viele der dramaturgischen Elemente wiedererkennen wirst, wenn du selbst Filme oder Serien ansiehst. Der Lehrgang baut auf eigenen Erfahrungen, Story-Workshops unter anderem mit Netflix sowie Fachliteratur wie „Story“ von Robert McKee und „Save the Cat“ von Blake Snyder.
In den folgenden Kapiteln bekommst du einen Einblick in den Maschienenraum des filmischen Erzählens und lernst, dramaturgische Werkzeuge wie Konflikt, Wendepunkt und Call to Adventure anzuwenden. Du wirst dich unter anderem mit folgenden Themen beschäftigen:
HINWEIS: Eine alternative Arbeitsweise besteht darin, deine Geschichte so zu schreiben, wie es dir am besten gefällt, ohne dir allzu viele Gedanken über die Struktur zu machen.
Anschließend kannst du sie anhand der folgenden Modelle überprüfen und korrigieren – diese Vorgehensweise eignet sich am besten, wenn dir das Schreiben ohnehin leicht fällt.
Kapitel 1: Dramaturgische Modelle – die dramatische Struktur
“Ob zum Guten oder Schlechten, ein Ereignis bringt das Leben einer Figur aus dem Gleichgewicht und weckt in ihr das bewusste und/oder unbewusste Verlangen nach dem, was ihrer Meinung nach das Gleichgewicht wiederherstellen wird, und schickt sie auf die Suche nach ihrem Objekt des Verlangens, wobei sie sich den Kräften des Antagonismus (innerlich, persönlich, außerpersönlich) entgegenstellen muss. Sie kann ihr Ziel erreichen oder auch nicht. Das ist Geschichtenerzählen in aller Kürze.”
Robert McKee, Professor und Autor
Film ist ein relativ junges Medium für Erzählungen, weshalb sich seine Dramaturgie auch an Erzählmodellen orientiert, die seit vielen Jahrtausenden verwendet werden und die du
beispielsweise aus der Literatur bereits kennst.
Dramaturgische Modelle können uns beim Aufbau unserer Erzählungen helfen und als Leitfaden dienen, wenn wir im Entwicklungsprozess unserer Geschichten nicht weiterkommen. Du kannst mehrere Modelle gleichzeitig verwenden, da sie sich eher ergänzen als miteinander konkurrieren.
Du kennst vielleicht schon einige dramaturgische Modelle, wie das Aktantenmodell zum Beispiel. Diese Modelle sind hervorragende Modelle um fertige Geschichten zu analysieren, zum Geschichtenbauen sind diese Modelle allerdings weniger gut geeignet. Deshalb werden wir in diesem Lehrgang nicht näher darauf eingehen, aber du kannst hier mehr darüber lesen:
Darüber hinaus gibt es andere, mehr experimentelle Formen von Erzählstrukturen:
Die dramaturgische Spirale (zirkuläre Erzählung):
Hier drehen sich der Konflikt und die Figuren in immer engeren Kreisen umeinander, bis sie schließlich aufeinanderprallen. Dieses Modell wurde ursprünglich für die Bühnendramaturgie entwickelt, wird heute aber auch von bestimmten TV-Serienformaten verwendet, insbesondere von Sitcoms wie beispielsweise „Friends“.
Nichtlineare Erzählung:
Die Erzählung wird in einer unzusammenhängenden Reihenfolge präsentiert, wobei die Ereignisse nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge erfolgen. Dies kann verwendet werden, um Spannung und Mystik zu erzeugen oder bestimmte Themen hervorzuheben, wie beispielsweise in „Pulp Fiction“ oder „Memento“.
Parallele Geschichten:
Mehrere Geschichten werden nebeneinander erzählt, oft mit gegenseitigen Einflüssen oder thematischen Verbindungen. Dies kann verwendet werden, um verschiedene Perspektiven auf dasselbe Ereignis zu zeigen oder um Kontraste zu schaffen. Der Filmregisseur Robert Altman hat diese Erzählweise beispielsweise mit dem Film „Shortcuts“ populär gemacht.
In unserem Lehrgang gehen wir jedoch von einem eher klassischen Verständnis von Dramaturgie aus, nämlich dass eine Geschichte eine bewusste Konstruktion ist mit einem Anfang, einem auslösenden Ereignis, einem Hindernis, das dem Willen oder Wunsch der Hauptfigur im Weg steht, und einem Ende, das den Konflikt oder das Problem auflöst.
Im folgenden Abschnitt gehen wir die gängigsten dramaturgischen Modelle durch, und wie du sehen wirst, haben sie viele Gemeinsamkeiten. Wir gehen die wichtigsten Story Events (wichtige Ereignisse in einer Geschichte) durch und schlagen schließlich eine einfache Struktur vor, die Elemente aus den verschiedenen Modellen kombiniert und sich gut für kürzere Filmgeschichten eignet.
Struktur & Wendepunkte:
„Die Struktur ist wie ein Glas Wasser – wichtig ist nicht das Glas, sondern was man hineinfüllt. Aber ohne das Glas kann man den Inhalt nicht festhalten. Die Struktur hält die Geschichte zusammen.“
Pia Tafdrup, Autorin
Wie du dem obigen Zitat von Pia Tafdrup entnehmen kannst, ist das Wichtigste an einer Filmgeschichte der Inhalt, also das, was du erzählen möchtest. Die Struktur ist wie ein Skelett, an der du deine Geschichte festmachen kannst – dadurch hilft dir die Struktur, deine Geschichte zu erzählen.
Dem Glas ist es egal, ob du Wasser, Kaffee oder Apfelsaft reinfüllst – es hält die Flüssigkeit auf jeden Fall fest. Genauso ist es auch mit einer guten dramatischen Struktur:
Es ist ihr „egal“, ob es sich um eine lustige oder traurige Geschichte, ein episches Drama oder einen kleinen Thriller handelt, den du erzählen möchtest. Die Struktur hilft dir dabei, die Reihenfolge der einzelnen Handlungen zu finden und die wichtigen Momente deiner Erzählung (Story Events) zu identifizieren.
Story-Events sind Ereignisse, in denen etwas Neues für die Handlung oder die wichtigsten Figuren passiert (meistens für beides) – das kann sein, dass die Hauptfigur neue Informationen erhält, die sie zum Handeln oder zu einer Strategieänderung veranlassen, oder es kann etwas Neues in unsere Welt eindringen – zum Beispiel ein UFO mit gefährlichen Außerirdischen. Oftmals geben diese Ereignisse der Geschichte eine neue Richtung – dann nennt man sie auch Wendepunkte.
Wendepunkte sind eines der wichtigsten Prinzipien einer Erzählung – wenn in einer Geschichte nichts passiert, ist sie langweilig. Wendepunkte werden überall verwendet,
sowohl im großen Erzählbogen als auch in den einzelnen Szenen, die je nach Länge der Szene einen oder mehrere Wendepunkte enthalten sollten.
Einer der bekanntesten Wendepunkte ist der sogenannte Point of no Return (Punkt ohne Wiederkehr oder Mittpunkt) – er liegt immer in der Mitte der Geschichte, wo ein entscheidendes Ereignis
für die Hauptfigur stattfindet, und wo die Handlung der Geschichte eine neue Richtung nimmt.
Sieh dir den Kurzfilm „Signs” von Patrick Hughes an und achte auf die verschiedenen Wendepunkte, an denen etwas Neues für die Hauptfigur passiert. Wenn du den Film gesehen hast, schreibe eine kurze Zusammenfassung der Handlung und beschreibe die verschiedenen Wendepunkte, wo sich die Handlung der Geschichte verändert.
Die großen Wendepunkte im Kurzfilm „Signs“ lassen sich anhand einer Zeitleiste veranschaulichen:
Illustration:
Neben den großen Wendepunkten gibt es im Film auch ständig kleinere Wendepunkte. Ganz am Anfang, als Jason auf einer Bank sitzt und eine junge Frau sieht, die auf ihn zukommt zum Beispiel – hier „wendet“ sich die Szene, weil die junge Frau nicht zu Jason will, sondern etwas Müll in den Mülleimer wirft. Wendepunkte können sehr groß oder sehr klein sein.
Wendepunkte machen deine Geschichte spannend und interessant, weil etwas Neues passiert, und dadurch das Publikum überrascht wird. Auf diese Weise kann man sagen, dass Wendepunkte den Rhythmus deiner Erzählung bestimmen – gibt es viele Wendepunkte in kurzer Zeit (zum Beispiel in Actionszenen), dann geht es schnell, und wenn es wenige oder keine Wendepunkte gibt, ist die Erzählung langsam und ruhig.
Die Drei-Akt-Struktur:

Akt 1:
Du bringst deine Figur dazu, auf einen Baum zu klettern.
Akt 2:
Du wirfst Steine nach ihr.
Akt 3:
Du bekommst die Figur wieder vom Baum herunter.
Das Ende
Diese Vereinfachung der 3-Akt-Struktur wird auch als „Zuhause-Weg-Zuhause-Modell” oder „Reise und Rückkehr“ bezeichnet und ist wahrscheinlich eine der einfachsten Strukturen, die du beim Aufbau deiner Geschichte verwenden kannst. Hier wird die gesamte Reise der Hauptfigur beschrieben, die zunächst in ihrer gewohnten/sicheren Umgebung (Zuhause) beginnt. Die Hauptperson wird dann in ihrem Alltag gestört, entweder durch etwas, das sie selbst erreichen möchte (Wille), oder durch etwas Äußeres, das sie zwingt, in die Welt hinauszuziehen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Am Ende der Geschichte kehrt die Hauptfigur wieder nach Hause zurück, in die Geborgenheit, aber sie hat dennoch etwas aus ihrer Reise gelernt (das neue Zuhause).
Die eigentliche 3-Akt-Struktur ist etwas komplizierter (gilt für längere Erzählungen):
Illustration:
Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, wobei jeder Aktwechsel auch einen Wendepunkt (Story Event) in der Geschichte darstellt:
1. Akt:
Einführung in die Geschichte, einschließlich der Fragen, mit wem wir mitfiebern sollen (Hauptfigur), worum es in der Geschichte geht (Thema) und in welchem Universum die Geschichte spielt (Welt). Das wichtigste Ereignis im ersten Akt ist das auslösende Ereignis (inciting incident), der die Hauptfigur in Bewegung setzt. Traditionell wurde relativ viel Zeit für den Aufbau der Figur und des Universums aufgewendet, aber mit der Entwicklung der Filmsprache und der neuen Welle von Serien liegt der auslösende Vorfall immer früher im Verlauf, und es wird weniger Zeit für den Aufbau aufgewendet.
2. Akt:
Der zweite Akt ist wiederum in zwei Hälften unterteilt, mit dem Mittelpunkt (Point of no Return) in der Mitte. Der erste Teil dient dazu, den Konflikt oder das Problem zu eskalieren. Der amerikanische Dramaturg Blake Snyder nennt diese Phase in seinem bekannten Buch „Save the Cat“ sehr treffend „Fun & Games“. Im Kurzfilm „Signs” entspricht dies der Montage-Sequenz, in der Jason und Stacy miteinander „spielen”.
Nach dem Mittelpunkt, an dem die Geschichte eine neue Wendung nimmt, wird die letzte große Konfrontation vorbereitet. In einem klassischen Western wäre dies der Moment, in dem sich das Dorf darauf vorbereitet, dass die Bösewichte in die Stadt kommen, um den Sheriff zu töten.
3. Akt:
Im dritten Akt kommt es zum großen Höhepunkt (Klimax)der Geschichte – der Sheriff tötet den Bösewicht in einem Western, oder die beiden Verliebten bekommen endlich einander und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage in einer romantischen Komödie. Nach der Auflösung endet die Geschichte entweder mit einem geschlossenen oder einem offenen Ende. Jetzt ist es auch an der Zeit, alle losen Fäden der Geschichte zusammenzuführen, damit das Publikum nach dem Ende des Films nicht zu viele Fragen hat.
Die Heldenreise:
Das Konzept der Heldenreise wurde von Joseph Campbell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt, indem er beliebte Volksmärchen aus aller Welt verglich, um zu sehen, ob es Gemeinsamkeiten zwischen ihnen gibt – und die gibt es.
1949 schrieb Campbell das bahnbrechende Buch „Der Held mit den tausend Gesichtern“, in dem er seine Entdeckungen in ein dramaturgisches System einordnet. Heute ist die Heldenreise eines der am häufigsten verwendeten dramaturgischen Modelle in der populären Filmproduktion. Von „Star Wars“ über Marvels Superheldenfilme bis hin zu „Harry Potter“ nutzen fast alle epischen Erzählungen die Grundprinzipien des Helden, der
sich auf eine Reise begibt.
In Campbells ursprünglichem Modell für die Heldenreise gab es 17 Story-Events, bei denen etwas Entscheidendes passiert, das Einfluss darauf hat, wie die Hauptfigur ihre Reise durch die Geschichte fortsetzt. Diese 17 Punkte wurden später auf die 12 Punkte reduziert, die wir in der heutigen Filmdramaturgie verwenden.
Illustration:
Ein Merkmal der Heldenreise ist das, was Campbell als „Crossing the Threshold” (die Schwelle überschreiten) bezeichnet, bei dem der Protagonist seine bekannte Welt
verlässt und in eine besondere Welt eintritt. In vielen Erzählungen, die auf der Heldenreise basieren, wird dieser Moment ziemlich wörtlich genommen – Luke Skywalker verlässt seinen Heimatplaneten in „Star Wars IV“, Harry Potter geht durch eine Wand am Bahnhof um den Zug nach Hogwarts zu erreichen, die Kinder gehen durch den Schrank in „Narnia“ und in „Der Herr der Ringe“ verlassen Frodo und seine Freunde das Shire mit den Worten: „Noch einen Schritt weiter, dann sind wir weiter weg von Zuhause wie noch nie.“
In einer kürzeren Erzählung wie dem Kurzfilm, gibt es in der Regel weder Bedarf noch Platz für alle Story-Events in der Heldenreise. Daher ist es sinnvoller, das Modell auf die wichtigsten Wendepunkte zu reduzieren: Auftakt/Beginn, Call to Adventure (entspricht der auslösenden Handlung oder dem inciting incident), das Überschreiten der Schwelle in die unbekannte Welt, Mittelpunkt (point of no return) und Auflösung/Ende.
Illustration:
Obwohl es Ähnlichkeiten zur 3-Akt-Struktur gibt (auslösende Handlung und Mittelpunkt), besteht der große Unterschied darin, dass die Welt der Geschichte (The Story Universe)
ein integraler Bestandteil der Heldenreise ist, während es bei der 3-Akt-Struktur ausschließlich um die Hauptfigur der Geschichte geht.
Kurze Zusammenfassung der Heldenreise:
Zu Beginn lernt man die normale Welt unseres Protagonisten kennen (die bekannte Welt). Diese Normalität wird durch die auslösende Handlung (innerer Wille oder äußerer Einfluss) gestört, und der Protagonist gelangt in die unbekannte Welt (Überschreiten der Schwelle). Hier versucht der Protagonist, die Störung zu beheben, wobei der Mittelpunkt einen weiteren Wandel markiert. In der Auflösung/dem Ende kehrt unser Held in die bekannte Welt zurück, allerdings hat sich diese Welt und/oder der Protagonist ein wenig verändert und ist somit zur neuen (bekannten) Welt geworden.
Wenn du mehr über die Heldenreise erfahren möchtest, schau dir das folgende Video an:
Dan Harmon’s Erzählkreis:
Der amerikanische Autor Dan Harmon (bekannt als Mitbegründer der Zeichentrickserie „Rick & Morty“) hat eine vereinfachte Version von der Heldenreise entwickelt, die als Dan Harmons Story Circle bekannt ist. Das Modell konzentriert sich insbesondere auf die innere Entwicklung der Hauptfigur und wird häufig in Fernsehserien und Filmen mit
charakterorientierten Erzählungen verwendet, da es eine klare und emotional fesselnde Struktur schafft.
Es beginnt damit, dass sich die Hauptfigur in einer vertrauten Situation befindet (1), aber etwas vermisst oder sich etwas wünscht (2). Um dies zu erreichen, muss sich die Figur ins
Unbekannte begeben (3) und sich an die neue Umgebung anpassen (4). Danach findet die Figur, was sie sucht (5), aber das hat einen Preis – oft emotional oder moralisch (6).
Die Figur kehrt zu ihrem Ausgangspunkt zurück (7), ist aber nun durch die Reise verändert (8).
Illustration:
Wie du in der Abbildung oben sehen kannst, hat Dan Harmon auch die bekannte 3-Akt-Struktur in sein Modell aufgenommen, einschließlich Aktwechsel und Mittelpunkt. Die bekannte und unbekannte Welt aus der Heldenreise wurde durch Ordnung und Chaos ersetzt, was dem Modell auch eine eher charakterorientierte Richtung gibt.
Blake Snyder’s Beat Sheet:
Der Vollständigkeit halber sollten wir auch Blake Snyders „Beat Sheet“ erwähnen. Blake Snyder ist ein US-amerikanischer Drehbuchautor, der vor allem für sein Buch „Save the Cat!“ („Rettet die Katze!“)bekannt ist, wo er sich mit der Dramaturgie von Mainstream-Spielfilmen befasst.
Das „Beat Sheet“ besteht aus 15 sogenannte „Beats“ – wichtigen Punkten in einer Erzählung, die die Handlung strukturieren und für Dynamik und die emotionale Beteiligung der Zuschauer sorgen. Es beginnt mit dem Eröffnungsbild, das den Ton der Geschichte angibt, gefolgt vom Set-Up, in dem die Hauptfigur und ihre Welt vorgestellt wird. Danach kommt der Catalyst (die auslösende Handlung) – ein Ereignis, das das Leben der Hauptfigur auf den Kopf stellt. In der Debatte zögert die Hauptfigur, bevor sie in Break into Two (2. Akt) in den Hauptteil der Geschichte eintritt. Der Mittelpunkt (Point of no Return) markiert einen Wendepunkt, an dem sich alles ändert, und Bad Guys Close In erzeugt Druck. All Is Lost ist der Tiefpunkt der Geschichte, gefolgt von Break into Three (3. Akt), wo sich die Lösung abzeichnet. Am Ende folgt das Finale, in dem der Konflikt gelöst wird, und das Abschlussbild, das die Veränderung zeigt.
Als Besonderheit verwendet Blake Snyder Filmbilder am Anfang und am Ende der Erzählung, wodurch die Struktur bereits mit den visuellen Elementen der Filmhandlung arbeitet. Sieh dir den folgenden Videoclip an, in dem das erste und das letzte Bild bekannter Spielfilme zusammengeschnitten wurden. Achte darauf, wie oft diese beiden Bilder zusammenpassen, da bereits in der Entwicklungsphase sowohl das Eröffnungs- als auch das Schlussbild einbezogen wurden.
Wenn du mehr über Blake Snyders Beat Sheet erfahren möchtest, findest du es hier:
Das Beat-Sheet-Modell wurde für Mainstream-Hollywoodfilme entwickelt, weshalb es für uns sinnvoller ist, die 15 Story-Ereignisse auf 5 Punkte zu reduzieren, die für einen Kurzfilm wichtig sind:
Illustration:
Jetzt sind wir die wichtigsten dramaturgischen Modelle durchgegangen, die in der internationalen Filmindustrie zur Entwicklung und Produktion von Filmen und Serien – also
den Langformaten – verwendet werden. Im nächsten Abschnitt reduzieren und verdichten wir die relevanten Elemente aus den verschiedenen Modellen zu einem einfachen Modell, das für die Entwicklung von Kurzfilmgeschichten geeignet ist.
Kapitel 2: Dramaturgische Werkzeuge
Genau wie bei den langen Filmformaten, also Spielfilmen und Fernsehserien, muss ein Kurzfilm eine komplette Geschichte erzählen, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Aber wie der französische Filmregisseur Jean-Luc Godard sagen würde: „Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge“ (frei nach Godard – er war dafür bekannt, mit klassischen Erzählformen zu brechen und mit der Struktur des Films zu experimentieren – dieses Zitat spiegelt genau seine Herangehensweise wider: Filme müssen keiner linearen Chronologie folgen, um eine starke Geschichte zu erzählen.)
Im folgenden Kapitel beschäftigen wir uns mit einigen ganz konkreten Werkzeugen, die du zur Strukturierung deiner Geschichte verwenden kannst. Die Werkzeuge sind als Hilfsmittel zu verstehen und nicht als allgemeingültige Wahrheiten. Nicht alle genannten Werkzeuge sind für alle Arten von Geschichten geeignet – wenn du beispielsweise einen sehr experimentellen Kunstfilm drehen möchtest, benötigst du möglicherweise eine andere Struktur und andere Werkzeuge, um deine Erzählung aufzubauen. Diese Werkzeuge gehören jedoch zum Grundwissen der Filmdramaturgie.
Wenn du lieber erst mal deine ganze Geschichte oder nur Teile davon aufschreiben möchtest, kannst du diese Werkzeuge später nutzen, um die Struktur deiner Geschichte zu verfeinern – es gibt keine Regeln dafür, wie und in welchem Umfang du die Werkzeuge einsetzt, sie können dir aber beim Aufbau deiner Geschichte viel helfen. Es gibt jedoch eine goldene Faustregel, die in den meisten Fällen beachtet werden sollte:
Im Allgemeinen gilt für einen Kurzfilm, dass er sich über einen relativ kurzen Zeitraum in einem begrenzten Universum und mit wenigen Charakteren abspielt.
Natürlich gibt es Ausnahmen von dieser Faustregel, aber in den meisten Fällen ist es sinnvoll, Zeit, Ort und die Anzahl der Personen in einem Kurzfilm zu begrenzen, damit sich die Geschichte entfalten kann. Es gibt einfach nicht genug Zeit, ständig neue Elemente einzuführen.
Die vertraute Welt – der Anfang:
Der Anfang einer Geschichte erfüllt zwei Zwecke:
Wer?
Um wen geht es in der Geschichte? Wem folgen wir? Mit wem sollen wir emotional mitfühlen? Mit anderen Worten: Wer ist die Hauptfigur? Wenn wir die Hauptperson zum ersten Mal vorstellen, ist es nicht wichtig, viele Fakten wie Name, Alter, Beruf usw. zu nennen. Wichtig ist, dass wir eine emotionale Verbindung zu dieser Person herstellen – wir müssen etwas von ihr zeigen, das uns sofort ermöglicht, uns mit ihr zu identifizieren und mit ihr mitzufühlen.
Eine gute Möglichkeit, jemanden schnell kennenzulernen, besteht darin, zu beobachten, wie er/sie in einer stressigen Situation reagiert – viele Alltagsdramen beginnen beispielsweise mit einer hektischen Morgenszene, in der alle aus dem Haus müssen. Das ist ein guter Zeitpunkt, um schnell die Persönlichkeit der Hauptfigur zu zeigen.
Was?
Worum geht es in der Geschichte? Um welches Genre handelt es sich? Wenn es sich um eine Komödie handelt, können wir gleich zu Beginn etwas Lustiges zeigen. Was ist das Problem? Die meisten Geschichten haben einen Hauptkonflikt, den sie zu lösen versuchen – oft handelt es sich um ein Problem, das für die Hauptfigur auftritt und den Dreh- und Angelpunkt des Konflikts bildet. Zum Beispiel könnte unser Held einsam sein und sich nach einem Partner sehnen – der Film zeigt uns dann eine Reihe von Dates, die schiefgehen, aber am Ende findet er/sie die große Liebe seines/ihres Lebens. Aber ganz am Anfang unserer Geschichte müssen wir sehen, wie unsere Hauptperson mit dem Thema des Films konfrontiert wird – in diesem Fall Einsamkeit. Wie können wir zeigen, dass er/sie einsam ist? Oder wenn es sich um einen Krimi handelt, könnte man vielleicht ganz am Anfang der Geschichte ein Verbrechen zeigen. Wichtig ist, dass das Publikum eine Vorstellung davon bekommt, um was für eine Geschichte es sich handelt. Hier kann man mit Vorteil die bekannten Genremerkmale nutzen, wenn man mit einer Genreerzählung arbeitet.
Wo?
Wo befinden wir uns? Wie sieht unsere Story-World (die Welt, in der die Geschichte spielt) aus? Manchmal wird es auch als „Arena“ bezeichnet. Handelt es sich beispielsweise um einen Film über eine Schule, müssen wir wissen, um welche Schule es sich handelt. Damit sind nicht viele Fakten über die Schule gemeint, sondern die für unsere Hauptfigur wichtigen Dinge – wer hat das Sagen? Wo steht unsere Hauptfigur in der Hierarchie? Wer sind die Guten und wer sind die Bösen?
Mit anderen Worten: Zu Beginn muss man dem Publikum erklären, wie die filmische Welt dieser speziellen Geschichte aussieht, denn jeder Film hat seine ganz eigene, einzigartige Welt. Und in der Regel ist diese Welt sehr begrenzt, insbesondere in einem Kurzfilm.
Zum Universum gehört auch, wann die Geschichte spielt, insbesondere wenn sie in der Vergangenheit oder Zukunft passiert – oft wird beispielsweise zu Beginn des Films das Jahr angegeben, damit sich das Publikum orientieren kann.
Findet ein paar Eröffnungsszenen von euren Lieblingsfilmen oder -Serien und seht die gemeinsam mit der Klasse an. Findet gerne verschiedene Genres, damit ein wenig Abwechslung dabei ist. Schaut euch gerne 4-5 Szenen hintereinander an, und versucht ein Muster zu erkennen.
HINWEIS: Eine Szene wird als eine kontinuierliche Handlung definiert, die am selben Ort und zur selben Zeit stattfindet – das heißt, wenn wir entweder den Ort und/oder die Zeit wechseln, ergibt sich eine neue Szene.
Denke über die drei Fragen nach: Wer, Was, Wo? Bespreche dies gerne in der Klasse nach jeder Eröffnungsszene.
Manchmal besteht der Anfang eines Films aus einer Sequenz von Szenen und nicht nur aus einer einzelnen Szene. Eine Sequenz bedeutet, dass man eine Reihe von Szenen hat, die nacheinander kommen, aber dasselbe Thema/denselben Zweck haben – zum Beispiel die Geschichte zu beginnen. Das könnte beispielsweise der hektische Morgen sein, der im Schlafzimmer beginnt, wo der Wecker nicht geklingelt hat, dann im Badezimmer, wo keine Zahnpasta mehr da ist, und schließlich in der Küche, wo das Toastbrot angebrannt ist, während die kleine Schwester Milch überall verschüttet hat. Hier hätten wir eine Sequenz mit drei Szenen, die zusammenhängen (Schlafzimmer, Badezimmer und Küche).
Übung – Schreibe eine Eröffnungsszene


Lad die Übung auf dein Handy!
Dies ist eine individuelle Übung.
Wähle nun eines der folgenden Beispiele für eine Geschichte aus und schreibe eine kurze Beschreibung einer passenden Eröffnungsszene/Sequenz dazu – wie würde diese Geschichte beginnen?
1. Unsere Hauptperson soll während des Urlaubs seines Nachbarn auf dessen geliebten Hamster aufpassen. Der Hamster stirbt einen Tag bevor der Nachbar nach Hause kommt – wie soll er/sie dem Nachbarn erzählen, was passiert ist?
2. Unsere Hauptperson zieht in eine alte Wohnung und erhält Briefe von einem früheren Bewohner – geschrieben nach seinem Tod. Die Briefe warnen ihn/sie vor einem Schatten, der jede Nacht näher kommt.
3. Unsere Hauptperson ist in eine andere Person verliebt, die einen festen Partner hat. Wie kann er/sie seine/ihre Liebe gegenüber der anderen Person zeigen?
Deine Beschreibung der Sequenz/Szene darf keinen Dialog enthalten, aber du kannst gerne schreiben, wenn es wichtige Töne gibt, die wir beachten sollten.
Im Laufe der Beschreibung musst du die drei Fragen beantworten:
Wer ist die Hauptperson (gib der Figur gerne einige menschliche Eigenschaften)?
Was ist das Problem/Thema der Geschichte?
Wo spielt sich die Geschichte ab (je detaillierter du die Story-World beschreiben kannst, desto besser)?
Überlege dir, wie du die Figur, das Universum und das Thema so effektiv wie möglich darstellen kannst.
Die Szene/Sequenz sollte enden, wenn du die drei Fragen beantwortet hast – wir sind nur an der Eröffnung der Geschichte interessiert.
Du solltest die Szene/Sequenz auf etwa einer halben A4-Seite beschreiben.
Besprecht gegebenenfalls einige eurer Beispiele zusammen in der Klasse.
Call to Adventure – Das auslösende Ereignis:
Das auslösende Ereignis (inciting incident) ist der erste große Wendepunkt in einer Erzählung. Hier beginnt die eigentliche Geschichte, nachdem das Publikum in die normale Welt unserer Hauptfigur eingeführt wurde.
Mit dem auslösenden Ereignis wird die Normalität gestört, und die Hauptfigur muss nun handeln, um die Normalität wiederherzustellen. Man könnte auch sagen, dass durch die auslösende Handlung das Leben aus dem Gleichgewicht gerät und der Rest der Geschichte damit verbracht wird, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen – ob dies gelingt ist eine andere Frage.
Im Zuge der Entwicklung der filmischen Dramaturgie, in der die Etablierung (Eröffnungsszene/Sequenz)einer Geschichte kürzer geworden ist (insbesondere in Serienformaten), sollte das auslösende Ereignis auch so früh wie möglich stattfinden, am besten unmittelbar nachdem man dem Publikum die Normalität vermittelt hat.
Die auslösende Handlung ist somit der Katalysator für die gesamte Geschichte – ohne sie müsste unsere Hauptfigur nicht handeln, und die Geschichte würde somit nie stattfinden. Daher ist die auslösende Handlung auch eines der wichtigsten Story-Events in einer Geschichte.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für die auslösende Handlung, wie der russische Schriftsteller Leo Tolstoi bereits vor über hundert Jahren behauptete:
Illustration:
In Bezug auf die auslösende Handlung kann das obenstehende Zitat wie folgt verstanden werden:
Entweder kann unsere Hauptfigur die Geschichte selbst in Gang setzen, indem sie etwas will und dann versucht, dies zu erreichen (a man goes on a journey), oder es kann etwas Äußeres im Leben der Hauptfigur geschehen, das sie zum Handeln zwingt (a stranger comes to town).
Schau dir den kurzen Animationsfilm „For the Birds“ an – hier wird ganz deutlich, um welche der beiden Möglichkeiten es sich handelt:
Zuerst sehen wir, wie die kleinen Vögel auf der Stromleitung ankommen. Sie zanken und necken sich gegenseitig, und wir bekommen den Eindruck, dass dies jeden Tag so geschieht (die bekannte Welt). Doch plötzlich hören wir ein unbekanntes Geräusch, und ein großer Vogel stört unsere Idylle (ein Fremder kommt in die Stadt) – und damit beginnt die Geschichte. Zuerst machen sich die kleinen Vögel über den großen Vogel lustig, entfernen sich aber auch ein wenig von ihm (Verweigerung des Rufs), doch dann setzt sich der große Vogel auf die Leitung und stört die bekannte Welt so sehr, dass die kleinen Vögel auf diese Störung reagieren müssen (die Schwelle überschriten) – Übergang in die besondere/unbekannte Welt.
Denk an deine Lieblingsfilme oder -Serien – welche Geschichte ist es? Ein Fremder kommt in die Stadt, oder jemand geht auf eine Reise? Beschreibe kurz das auslösende Ereignis. Teilt ein paar Beispiele in eurer Klasse und diskutiert die sie.
Denk dran: Eine starke auslösende Handlung trägt dazu bei, dass deine das wir als Publikum die Hauptfigur anhand ihrer Motivation verstehen, nämlich die Störung ihres normalen Lebens zu beheben, und damit ihren Willen zu bekommen.
Aschenputtel & Der Königsfall:
Das Aschenputtel/Königsfall-Modell basiert in all seiner Einfachheit auf der Erkenntnis, dass in einer Geschichte etwas passieren muss. Eine Geschichte ist ja eine Reise, entweder eine innere oder eine äußere Reise, meistens jedoch beides. Wenn dann auf dieser Reise etwas passiert, kann dies entweder einen positiven oder einen negativen Effekt auf die Hauptfigur oder die Handlung (der Plot) haben.
Nehmen wir zum Beispiel die Geschichte von Aschenputtel: Die Geschichte beginnt damit, dass Aschenputtel bei ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern lebt, die sie nicht besonders gut behandeln. Aschenputtel lebt zunächst im Keller (weit unten), aber im Laufe der Geschichte kommt sie aus dem Keller heraus und wird schließlich Prinzessin und lebt im Schloss (weit oben). Mit anderen Worten, die Geschichte entwickelt sich vom Schlechten zum Guten – ein Happy End.
Illustration:
Umgekehrt ist Shakespeares „Macbeth“ ein gutes Beispiel für eine Figur, die von Machtgier getrieben ist und am Ende alles verliert – sogar ihr eigenes Leben. Mit anderen Worten: Die Geschichte entwickelt sich vom Guten zum Schlechten – mit tragischem Ende.
Illustration:
Eine Geschichte und ihre Figuren müssen sich entwickeln, um interessant zu sein. Jede Entwicklung hat dann entweder einen positiven oder einen negativen Einfluss auf die Geschichte und ihre Hauptfigur.
Vereinfacht gesagt gibt es somit nur zwei Arten von Geschichten – Aschenputtel und den Königsfall.
Illustration:
Mit Ausgangspunkt in diesem Modell ist es ratsam, sich frühzeitig zu überlegen, wie du deine Geschichte beenden möchtest – so fällt es leichter, den Anfang zu finden. Wenn du beispielsweise weißt, dass deine Hauptfigur am Ende Prinzessin im Schloss wird, ist es sinnvoll, umgekehrt zu beginnen – beispielsweise im Keller. Auf diese Weise erreichst du eine große Entwicklung sowohl der Handlung als auch der Figur.
Eine Geschichte verläuft natürlich nicht nur positiv oder negativ, sondern wechselt ständig zwischen diesen beiden Bewegungen. Man spricht auch von einer „Achterbahnfahrt der Gefühle”, die oft die Richtung wechselt und das Publikum zum Lachen und dann zum Weinen bringt, ihm ein Gefühl der Sicherheit vermittelt und es dann wieder in Angst versetzt.
Siehe das Beispiel der Aschenputtel-Geschichte:
Illustration:
Dieses Modell kann dir dabei helfen, deiner Geschichte und den einzelnen Szenen eine Richtung zu geben – entweder von schlecht zu gut oder von gut zu schlecht. Wenn du beispielsweise in deinem Drehbuch feststellst, dass du viele „Tiefpunkte” hintereinander hast, ist es vielleicht eine gute Idee, zwischendurch einige „Höhepunkte” einzubauen.
Das Modell kann auch auf einzelne Teile der Geschichte angewendet werden, sodass in einer einzelnen Szene mit zwei Personen eine Figur eine Aschenputtel– und die andere eine Königsfall-Entwicklung durchläuft – hier findet dann ein Wechsel innerhalb der Szene statt, in dem sich diese beiden Bewegungen kreuzen. Manchmal nennen wir dies auch den Wendepunkt der Szene. Eine kurze Szene (bis zu einer Seite im Drehbuch) hat in der Regel nur einen Wendepunkt, während längere Szenen durchaus zwei oder mehr Wendepunkte haben können.
Schau dir den ganzen Kurzfilm „Signs“ an, und achte auf die Richtungswechsel im Laufe der Geschichte:
Kurze Analyse des Films:
Nach der Eröffnungssequenz, wo wir etablieren das unser Held Jason einsam ist und sich eine Freundin wünscht, machen wir den ersten Richtungswechsel – während er in einer Pause auf einer Parkbank sitzt nähert sich eine junge Frau – aber die will nichts von ihm, sondern nur etwas in den Abfalleimer werfen. Wäre ja auch eine langweilige Geschichte, wenn es so schnell ginge eine Freundin zu finden.
Nach diesem ersten, kurzen Auf- und Ab entdeckt Jason im Nachbargebäude eine Büroangestellte (Stacy)- ihre Blicke treffen sich, und Jason ist verliebt. Allerdings wird er auch erstmals kurz abgewiesen – was sich aber kurz darauf als Spass erweisst – wieder ein kleines Auf- und Ab.
Jetzt folgt eine sogenannte Montagesequenz, wo wir sehen wie Jason immer mehr in Stacy verliebt wird. Hier geht die Geschichte für längere Zeit in eine ausschliesslich positive Richtung.
Aber je höher der Flug, desto tiefer der Fall – gerade wie Jason sich den Mut nimmt Stacy um ein Treffen zu bitten, wird Stacy aus ihrem Büro geholt. Am nächsten Tag übernimmt ein neuer Angestellter ihren Arbeitsplatz – Jason ist am Boden zerstört.
Jason durchlebt die gleiche verzweiflung wie am Anfang der Geschichte – jetzt nur nocht trauriger. Aber gerade wie alles verlohren scheint, taucht Stacy wieder im Nebengebäude auf, allerdings einige Etagen höher – sie ist Befördert worden.
Zum Abschluss fragt Jason endlich Stacy um ein Treffen, und die beiden leben glücklich bis zu ihrem Lebensende.
Unten kannst du sehen, wie es aussieht, wenn wir ein Diagramm mit den Richtungen dieser Geschichte erstellen:
Illustration:
Punkt ohne Wiederkehr – Der Mittelpunkt:
Oft definiert man den Mittelpunkt als eine entscheidende Wahl, die der Protagonist trifft und die es ihm unmöglich macht, in die normale Welt zurückzukehren – daher kommt auch der Ausdruck „Punkt ohne Wiederkehr“ (Point of no Return).
Der Mittelpunkt muss jedoch nicht unbedingt eine aktive Entscheidung des Protagonisten sein. Nehmen wir zum Beispiel den Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: Im Mittelpunkt des Films findet die Hauptfigur heraus, dass ihr großer Feind, der Sheriff, sich das Leben genommen hat. Die Entscheidung des Sheriffs hat nichts mit der Hauptfigur zu tun, aber von diesem Zeitpunkt an und für den Rest des Films ist die Hauptfigur gezwungen, sich der Realität zu stellen, anstatt dem Sheriff die Schuld für alles zu geben.
Wie genau ein Mittelpunkt konstruiert werden soll, hängt stark von deiner Geschichte ab, und wie du sie erzählen möchtest. Es gibt jedoch eine Reihe von Elementen, die du berücksichtigen solltest, wenn du an deinem Mittelpunkt arbeitest.
Der Mittelpunkt ist also nicht nur einer von vielen Wendepunkten, sondern der Wendepunkt, der die ganze Welt für unseren Protagonisten um 180° dreht, sodass er/sie reagieren muss – und zwar möglichst stark. Wenn man das Modell der Heldenreise verwendet, könnte man auch sagen, dass die besondere Welt nach dem Mittelpunkt zur neuen besonderen Welt geworden ist. Und als Folge davon ist auch die normale Welt, in die unser Held zurückkehrt, zu einer neuen normalen Welt geworden – das heißt, nach dem Mittelpunkt kann man nicht mehr in die alte Welt zurückkehren: Punkt ohne Wiederkehr.
Illustration:
Sehen wir uns einige Beispiele für wirkungsvolle Mittelpunkte an:
Im Kurzfilm „Signs“ liegt der Mittelpunkt wo Stacy zugibt Jason zuerst beobachtet zu haben – dies ändert die Welt von Jason, da er jetzt versteht, das Stacy auch in ihn verliebt ist. Deswegen möchte er die Beziehung jetzt zur nächsten Ebene bringen, und Stacy fragen ob sie sich mit ihm treffen will. Aber Jason zögert…
Schaue dir die Szene noch einmal an, sie beginnt bei Minute 6:30:
Deutlicher wird dies im Mittelpunkt des kurzen Animationsfilms „For the Birds“, in dem sich der große Vogel auf die Stromleitung setzt und damit die Welt der kleinen Vögel verändert – sie wird dadurch zu einer besonderen Welt. Der Mittelpunkt ist dann, wenn sich der große Vogel auf den Kopf stellt (die neue besondere Welt) und die kleinen Vögel die Chance nutzen, den großen Vogel loszuwerden.
Schaue dir die Szene noch einmal an, sie beginnt bei Minute 1:20:
Übung – Beschriebe einen Mittelpunkt


Lad die Übung auf dein Handy!
Dies ist eine individuelle Übung.
Finde einen Spielfilm, den du schon gesehen hast, gerne eine klassische Erzählung mit einer klaren Hauptfigur.
Schau dir nochmal die Szenen an, die um den Mittelpunkt herum liegen, so ca. 5 Minuten vor dem Mittelpunkt bis zu 5-10 Minuten nach dem Mittelpunkt.
Probiere den genauen Augenblick zu finden, wo etwas neues, vielleicht auch unerwartetes für die Hauptperson des Filmes passiert, und beschreibe den Augenblick, und dessen Konsequenzen für die Hauptperson.
Beschreibe auch, wie die neue besondere Welt jetzt aussieht, und wie sie sich verändert hat.
Geht einige dieser Beschreibungen mit der ganzen Klasse durch, und diskutiert eure Mittelpunkte und deren Konsequenz für die Erzählung.
Das Ende:
Das Ende deines Films ist für das Publikum besonders wichtig – es ist das Gefühl, das sie mitnehmen, wenn der Film zu Ende ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass du dir etwas Zeit nimmst, um herauszufinden, wie du deine Filmgeschichte beenden möchtest. Am besten solltest du das Ende schon recht früh im Prozess der Konstruktion deiner Geschichte kennen, damit du auf das Ende hinarbeiten kannst. Wenn du das Ende kennst, zumindest in groben Zügen, gibt das deiner Geschichte eine Richtung. Wir empfehlen daher, dass das Ende eines der ersten Story-Ereignisse ist, über die du nachdenken solltest, wenn du die Geschichte für deinen Film schreibst.
Auch wenn es viele Möglichkeiten gibt, eine Geschichte zu beenden, solltest du dir bei der Konzeptierung deines Endes die folgenden Fragen stellen:
Wir alle kennen den Begriff „Happy End“, der für den typischen Mainstream- oder Hollywood-film steht, eine Geschichte zu beenden: Die Hauptfigur hat ihr Ziel erreicht, alle Bösewichte und Feinde sind aus dem Weg geräumt und es gibt keinen Widerstand mehr – Aschenputtel ist Prinzessin geworden.
Das Gegenteil davon ist das tragische Ende, bei dem die Hauptfigur gescheitert ist und alles verloren hat. Aber es gibt auch eine Mischung aus beidem – die Hauptperson hat ihr Ziel erreicht, aber dafür einen sehr hohen Preis bezahlt. Nehmen wir zum Beispiel den Film „Gladiator“ von Ridley Scott: Der Film handelt von einem Mann (Maximus), der zu seiner Familie zurückkehren möchte. In der Mitte des Films (Punkt ohne Wiederkehr)findet er heraus, dass seine Familie von seinem Erzrivalen (Commodus) ermordet wurde – am Ende rächt sich Maximus, indem er Commodus in Rom tötet, und er somit durch seinen Tod mit seiner Familie wiedervereint (spirituell gesehen). Der Preis für die Erfüllung seines Willens ist somit sein eigenes Leben.
Neben der Entscheidung, ob du deinen Film positiv oder negativ (oder eine Mischung aus beidem) beenden möchtest, kannst du auch ein offenes oder ein geschlossenes Ende gestalten.
„Sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“
Dies ist ein geschlossenes Ende, weil nichts mehr passiert, was interessant wäre zu erzählen – wir wissen alles, was es zu wissen gibt.
„Sie halten Händchen, während sie dem Sonnenaufgang entgegengehen.“
Es ist ein offenes Ende, weil es darauf hindeutet, dass in Zukunft noch mehr passieren wird – unsere Fantasie beginnt sofort, sich ihr zukünftiges Leben vorzustellen.
„Während unsere Helden erschöpft zum Hubschrauber gehen, sehen wir den Kopf des toten Tyrannosaurus Rex im Schlamm liegen. Plötzlich öffnet sich ein Auge – Schnitt zu Schwarz.“ (Jurassic Park)
Hier haben wir die Geschichte damit beendet, dass die Helden das Monster getötet haben, aber dann kommt doch noch eine Wendung ganz am Ende. Dieses Ende ist typisch für Fortsetzungen und Horrorgeschichten.
Film ist ein visuelles Medium, und auch wenn du den Film wahrscheinlich erst schreibst, bevor du ihn drehst, ist es eine gute Idee, schon beim Schreiben des Drehbuchs über das Schlussbild nachzudenken. Denke daran, dass das Schlussbild das Letzte ist, was das Publikum von deinem Film sieht, und dass es daher wichtig für die Gefühle und das Verständnis der gesamten Geschichte ist. Vielleicht kannst du das Schlussbild sogar nutzen, um dein Startbild zu finden, oder umgekehrt? Auf diese Weise schaffst du einen Zusammenhang zwischen Anfang und Ende, der deine gesamte Geschichte zusammenhält.
Zeitleiste:
Das Aufzeichnen der einzelnen Szenen oder Sequenzen deiner Geschichte auf einer Zeitleiste kann ein hervorragendes Hilfsmittel sein, um deine Geschichte sowohl zu visualisieren als auch zu strukturieren.
Eine Sequenz wird hier als eine Reihe aufeinanderfolgender Szenen mit demselben Thema oder Absicht verstanden – eine Person, die aus einem Auto aussteigt, dann den Bahnhof betritt und auf den Bahnsteig hinuntergeht, um in einen Zug einzusteigen, wäre typischerweise eine Sequenz von 3-4 kurzen Szenen. Denk daran, dass es sich jedes Mal um eine neue Szene handelt, wenn wir die Zeit und/oder den Ort wechseln. Alle Szenen in dieser Sequenz haben die Aufgabe, die Person vom Auto zum Zug zu transportieren, und bilden somit eine Sequenz.
Es empfiehlt sich, die Zeitleiste als Hilfsmittel zu verwenden, während du deine Geschichte baust, und diese ständig aktualisierst, während du deine Erzählung weiterentwickelst.
Die folgende Abbildung zeigt, wie eine solche Zeitleiste für eine kurze Erzählung von 4–6 Minuten aussehen kann:
Illustration:
Hier sind die wichtigsten Story-Events auf einer Zeitleiste eingezeichnet, zusammen mit einer kurzen Beschreibung der Szene/Sequenz. So erhältst du einen einfachen und übersichtlichen Überblick über deine gesamte Erzählung – du kannst die Reihenfolge der Szenen/Sequenzen sehen und gleichzeitig sehen, wo in der Geschichte sie sind.
Die wichtigen Wendepunkte stehen oben, die ergänzenden Szenen unten. Gleichzeitig wird die Motivation oder der Wille der Hauptfigur deutlich hervorgehoben, sodass du jederzeit sehen kannst, ob der Inhalt der Szenen mit dem Grundthema und dem Hauptkonflikt des Films zusammenhängt.
Lasst uns den Kurzfilm „Signs“ als Beispiel nehemen.
Und hier die Zeitleiste für den Kurzfilm „Signs„:
Illustration:
Ein Film von 4–6 Minuten hat in der Regel 3–5 Szenen/Sequenzen, sodass nicht viel Platz für Nebengeschichten bleibt. Wenn du einen etwas anderen Film mit viel mehr Szenen oder vielleicht auch nur einer einzigen Szene machen möchtest, kannst du trotzdem eine Zeitleiste verwenden, um deine Wendepunkte zu markieren und zu sehen, ob ihre Reihenfolge in deiner Erzählung Sinn ergibt. Denke daran, dass es sich um ein Werkzeug handelt, das du an deine Bedürfnisse anpassen kannst. Der Kurzfilm „Signs“ ist auch länger als 6 Minuten, hat aber trotzdem nur wenige Szenen/Sequenzen.
Wenn du einen Film drehst, der länger als 4-6 Minuten ist, wird deine Zeitleiste entsprechend etwas komplizierter. Nehmen wir das folgende Beispiel für eine Geschichte:
Der 15-jährige Per kommt aus armen Verhältnissen und wird deswegen oft gemobbt. Er glaubt, dass er das Mobben vermeiden kann, indem er teure Markenkleidung kauft. Nachdem seine Pläne Pfandflaschen zu sammeln gescheitert sind, wird Per Zeuge eines Raubes im örtlichen Süßwarenladen. Er folgt den Räubern und bekommt das Geld zurück. Der Ladenbesitzer ist so froh, das Geld zurückzubekommen, dass er Per einen Job im Süßwarenladen anbietet. Per hat durch seine Arbeit im Süßwarenladen und weil er die Räuber gefasst hat, einen hohen Status erlangt – er wird daher nicht mehr gemobbt.
Die Zeitleiste für dieses Beispiel sieht wie folgt aus (die Zeitleiste ist noch nicht fertig, aber hier kannst du den Prozess der Arbeit mit einer Zeitleiste sehen):
Illustration:
Hier gibt es mehrere Szenen/Sequenzen zwischen Anfang, Mitte und Ende, und wir haben die Motivation der Hauptfigur im Laufe der Geschichte vertieft. Außerdem haben wir die drei Akte angegeben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was bei den beiden Aktwechseln passiert, die zusammen mit dem Mittelpunkt wichtige Wendepunkte in deiner Geschichte darstellen.
Unabhängig davon, ob du eine kurze oder eine lange Geschichte baust, gilt beim Arbeiten mit der Zeitleiste als Werkzeug dasselbe Prinzip:
Hier kannst du sowohl unsere Vorlage für die Zeitleiste als auch die Beispiele als PowerPoint-Dokument herunterladen:
Übung – Zeitleiste für „Unten Durch“


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Dies ist eine Individuelle Aufgabe.
Seh den Kurzfilm „Unten Durch“ (4 ½ Minuten):
Du sollst jetzt die verschiedenen Wendepunkte, Story-Events und Szenen auf der Zeitleiste angeben, so gut du dich nach dem ersten Durchsehen des Films daran erinnern kannst. Verwende eine der PowerPoint-Folien im Vorlagendokument oder erstelle deine eigene Zeitleiste von Grund auf neu.
Download: Zeitleiste Vorlagen
Wenn du die Zeitleiste so gut wie möglich ausgefüllt hast, schau dir den Film noch einmal an und ergänze/korrigiere deine Zeitleiste, damit sie zum Film passt, während du ihn dir ansiehst.
Achte besonders auf den Anfang, die auslösende Handlung, den Mittelpunkt und das Ende.
Überlege dir auch, was das Hauptthema des Films ist. Was ist der Hauptkonflikt und wie wird er am Ende des Films gelöst? Wie verändert sich die Motivation der Hauptfigur im Laufe des Films?
Denke daran: Die Zeitleiste ist ein Werkzeug, das dir helfen soll, deine Geschichte während der Entwicklung besser überschauen zu können. Du kannst die Zeitleiste daher so einrichten, wie es zu deiner Geschichte und deiner Arbeitsweise passt – du kannst Teile nach Belieben hinzufügen oder entfernen.
Kapitel 3: Die drei Grundelemente einer Geschichte
Wenn man über sein eigenes Leben nachdenkt und darüber, welche Elemente für einen wichtig sind, würden die meisten wohl sagen, dass es die Menschen um einen herum sind, sowohl diejenigen, die man liebt, als auch diejenigen, die das eigene Leben zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen.
Dann ist es auch wichtig, dass man die Träume und Ziele verfolgen kann, die man für sein Leben hat, sei es persönlich oder beruflich, und dabei stößt man gelegentlich auf Widerstand und Konflikte – vielleicht ist man nicht gut genug, um in die Handballmannschaft für das nächste Turnier aufgenommen zu werden, oder man kann sich die coolen Sneakers, die man gerne hätte, nicht leisten.
Und schließlich spielt auch das Umfeld eine Rolle im Leben – wenn man in einer Großstadt aufgewachsen ist, hatte man wahrscheinlich eine andere Kindheit als jemand, der auf einer kleinen Insel geboren wurde. Das Umfeld prägt einen, wie man auf seine eigene Welt reagiert.
Mit anderen Worten, es gibt drei Elemente, die für das eigene Leben wichtig sind – die Menschen um einen herum, wie man seine Träume und Ambitionen verwirklicht und das Umfeld, in dem man sich befindet.
Und genau so ist es auch mit Geschichten, auch wenn Geschichten nur einen kleinen Ausschnitt und eine vereinfachte Version der Komplexität des Menschlichen Lebens zeigen können.
Eine Filmhandlung besteht aus drei Elementen:
Hauptperson & andere Figuren
Die Hauptperson (Protagonist) ist die Figur, der wir folgen und durch welche wir die Geschichte erleben. Es ist der Charakter, mit dem wir uns emotional verbinden und den wir verstehen müssen – daher ist es wichtig, dass die Handlungen der Hauptperson klar motiviert sind.
Die anderen wichtigen Figuren in einer Filmgeschichte sind die sogenannten Nebenfiguren, die entweder für oder gegen unsere Hauptperson sind: Helfer/Vertraute oder Gegner (Antagonist). In einem Kurzfilm gibt es in der Regel nur eine begrenzte Anzahl von Nebenfiguren.
Kernproblem oder Zentraler Konflikt
Geschichten haben in der Regel ein Kernproblem (zentraler Konflikt), um das sich die gesamte Erzählung dreht. Lange und komplexe Geschichten können durchaus mehrere Probleme oder Themen haben, aber in kurzen Erzählungen ist selten Platz für mehr als ein Problem, das von unserer Hauptfigur auf die eine oder andere Weise gelöst werden muss.
Es ist wichtig, diesen Konflikt oder dieses Problem dem Publikum klar und deutlich zu vermitteln, da es sonst schwierig ist, die Handlungen der Hauptperson nachzuvollziehen.
Das Universum/die Welt des Films (Story-World)
Das Universum des Films bildet den Rahmen und den Ton für die Welt, in der sich die Geschichte entfaltet. Alle Filme haben nämlich ihre ganz eigene und einzigartige Welt, und in der Regel ist diese Welt sehr begrenzt – insbesondere in einem Kurzfilm.
Ein gutes filmisches Universum unterstützt auch das Thema und die Symbolik des Films, wobei visuelle und auditive Elemente tiefere Botschaften und Stimmungen widerspiegeln können.
Verschiedene Filmemacher und Theoretiker haben unterschiedliche Wege gefunden, diese drei Elemente darzustellen. Allen Modellen gemeinsam ist jedoch, dass sie sich auf die eine oder andere Weise mit Charakteren, Konflikten/Themen und dem Universum der Geschichte befassen.
Wenn dein Film fertig ist, sollten diese drei Elemente möglichst als eine Einheit erscheinen, in der ein natürlicher Zusammenhang zwischen den Figuren der Geschichte, ihren großen und kleinen Problemen und der Welt, in der sie sich befinden, besteht. Du solltest jedoch die Freiheit haben, mit diesen Elementen während der Konstruktion deiner Geschichte spielerisch und kreativ umzugehen.
In Ridley Scotts Film „Gladiator“ geht es zum Beispiel um einen Mann (protagonist), der nach Hause will (sein Wille) und der vor etwa 2000 Jahren im alten Römischen Reich spielt (die Welt der Geschichte). Aber was wäre, wenn man das Universum ändern würde? Wenn die Geschichte plötzlich in Hamburg des 19. Jahrhunderts spielen würde? Oder wenn es eine Frau statt eines Mannes wäre? Das würde zweifellos die gesamte Erzählung verändern und zu einem ganz anderen Film führen – indem wir mit den drei Säulen einer Erzählung spielen, können wir unendlich viele Variationen von Geschichten über uns als Menschen und die Welt, in der wir leben, schaffen.
Wenn du eine Idee für eine Geschichte hast, basiert diese in der Regel auf einem der drei Elemente – vielleicht möchtest du eine Geschichte darüber erzählen, wie schwierig es sein kann, neue Freunde zu finden? Oder möchtest du von einer starken Hauptfigur erzählen, die für ihre Rechte kämpft? Oder findest du deinen örtlichen Reitverein unglaublich faszinierend und möchtest einen Film drehen, der dort spielt? Ob du von einer Figur, einem Problem/Thema oder einer Welt ausgehst, ist nicht so wichtig – aber du musst die anderen Elemente so integrieren, dass die Geschichte zusammenhängend ist und sich natürlich anfühlt.
Die Figuren:
Es sind in der Regel die Figuren in deiner Geschichte, zu denen das Publikum eine emotionale Verbindung aufbaut. Grundsätzlich sollten alle Figuren in deinem Film eine Funktion in der Geschichte erfüllen, sonst gibt es keinen Grund, sie einzubauen – insbesondere in kürzeren Erzählungen sollte man darauf achten, nicht zu viele Figuren einzubauen, zu denen das Publikum eine Beziehung aufbauen muss.
Die absolut wichtigste Figur in deiner Erzählung ist die Hauptperson (Protagonist). Das ist die Person, durch die wir die Erzählung in der Regel erleben und mit der wir uns identifizieren.
Es gibt Erzählformen, die mehr als eine Hauptfigur haben, beispielsweise Ensemblefilme oder sogenannte „Buddy-Filme“ („Thelma & Louise„), aber in Kurzfilmen ist dies eher die Ausnahme – es bleibt einfach nicht genug Zeit, um mehr als eine Hauptfigur kennen zulernen. Dennoch kann es durchaus bedeutende Nebenfiguren in einem Kurzfilm geben.
Es gibt zwei Arten von Hauptfiguren – die aktive Hauptperson, die die Geschichte durch ihre Gefühle, ihren Willen und die Entscheidungen, die sie trifft, vorantreibt (Charakterorientierung), und eine eher passive Hauptfigur, die eher auf das reagiert, was um sie herum geschieht, als selbst die Entwicklung voranzutreiben (handlungsorientiert). Typischerweise sind Dramen und Liebeskomödien eher charakterorientiert, während Actionfilme und Horrorfilme eher handlungsorientiert sind. Die Hauptfigur kann im Laufe der Geschichte auch von einem passiven zu einem aktiven Charakter werden (umgekehrt ist dies selten der Fall).
In einer handlungsorientierten Erzählung treibt die Handlung die Figur voran, während in einer charakterorientierten Erzählung die Figur die Handlung vorantreibt.
Unabhängig davon, ob du mit einer aktiven oder einer passiven Hauptfigur arbeitest, solltest du die folgenden Fragen beantworten:
Ob die Hauptperson ihr Ziel erreicht, ist natürlich wichtig, aber laut dem Drehbuchtheoretiker John Truby ist es für den Zuschauer am wichtigsten, zu sehen, wie der Hauptcharakter seine innere Schwäche (great internal weakness) überwindet.
Ein Beispiel für einen Kurzfilm, der zeigt, wie eine Hauptfigur ihre innere Schwäche überwindet, ist der Kurzfilm „A Thousand Words” von Ted Cheung.
In gewisser Weise handelt „A Thousand Words“ von einem jungen Mann, der versucht, den Besitzer einer in einem Zug vergessenen Kamera zu finden. Auf einer tieferen Ebene erzählt der Film jedoch eher die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Schüchternheit (great internal weakness) überwindet, indem er Kontakt zu einer jungen Frau aufnimmt, die er im Zug gesehen hat. Und genau dieser Versuch des Hauptcharakters, dieses vertraute Gefühl der Schüchternheit zu überwinden, sorgt dafür, dass sich der Zuschauer mit ihm identifizieren kann und von ihm fasziniert ist.
Es ist wichtig, dass der Zuschauer schon früh im Film etwas über die grundlegende Schwäche der Hauptfigur erfährt. In „A Thousand Words“ wird die Schüchternheit in der ersten Szene des Films gezeigt, in der die Hauptfigur beim Treffen mit der jungen Frau den Blick senkt. Ein Blickkontakt. So einfach lässt sich die Aufmerksamkeit des Zuschauers fesseln.
Neben der Hauptfigur gibt es in den meisten Geschichten auch sogenannte Nebenfiguren.
HINWEIS: Nebenfiguren müssen nicht immer Menschen sein – in einer Gruselgeschichte kann beispielsweise auch das Spukhaus eine Art Figur in der Erzählung sein. Das Gleiche gilt für Tiere. Wenn man mit Gegenständen oder Tieren als Figuren arbeitet, ist es wichtig, ihnen menschliche Eigenschaften zu verleihen.
Grundsätzlich sollten alle Nebenfiguren eine Funktion in der Erzählung haben, insbesondere in Kurzfilmen. Die genaue Funktion der einzelnen Figuren hängt von der jeweiligen Geschichte ab, jedoch lassen sich Nebenfiguren in zwei Kategorien einteilen – entweder stehen sie auf der Seite der Hauptfigur oder sie sind gegen sie (es gibt auch neutrale Figuren, die vielleicht nur einem bestimmten Zweck dienen – aber für diese ist in einem Kurzfilm selten Platz):
HINWEIS: Nicht alle Nebenfiguren kommen in allen Geschichten vor – manchmal kann man sogar ganz auf Nebenfiguren verzichten.
Der Gegner (Antagonist)
Die Rolle des Gegners besteht darin, Konflikte und Herausforderungen zu schaffen, die den Protagonisten dazu zwingen, zu handeln, sich zu verändern oder schwierige Entscheidungen zu treffen. In einem Kurzfilm ist die Zeit begrenzt, daher sollte der Gegner klar definiert und direkt mit den Zielen des Protagonisten verbunden sein.
Der Gegenspieler ist oft der Grund für den zentralen Konflikt der Geschichte, der die Handlung vorantreibt. Durch Gegensätze in Werten, Zielen oder Handlungen spiegelt der Gegenspieler oft das zugrunde liegende Thema des Films wider.
Oft ist es der Gegenspieler, der dem Willen der Hauptfigur Hindernisse in den Weg legt und sie dadurch zum Handeln und zur Weiterentwicklung zwingt.
Ein Gegner muss nicht immer eine Person sein, sondern kann auch ein System, die Natur oder die inneren Dämonen der Hauptfigur sein.
Widerstand kann auch durch Abwesenheit entstehen – in dem Kurzfilm „Signs” ist es die Abwesenheit einer Frau, die den Widerstand darstellt.
Der Helfer/Vertraute des Protagonisten
Der Helfer/Vertraute ist in einem Kurzfilm in der Regel dieselbe Person, da wir nur über eine relativ kleine Auswahl an Figuren verfügen. In größeren und längeren Erzählungen kann es mehrere Vertraute und Helfer geben, aber ihre Funktion ist dieselbe, unabhängig davon, ob es sich um eine Person handelt oder um mehrere Charaktere.
Der Helfer/Vertraute hat entweder das gleiche Ziel wie die Hauptfigur oder sympathisiert mit diesem Ziel. Manchmal kann der Helfer/Vertraute auch dadurch motiviert sein, dass er denselben Gegner hat wie die Hauptfigur – in Superheldenfilmen beispielsweise verbindet ein gemeinsamer Feind die verschiedenen Superhelden miteinander.
Der Helfer/Vertraute hilft der Hauptfigur, ihr Problem zu lösen oder ihren Willen durchzusetzen. Wie bei der Hauptfigur muss das Publikum die Motivation des Helfers/Vertrauten, der Hauptfigur zu helfen, verstehen können.
Der Helfer/Vertraute hilft nicht nur dem Protagonisten, sondern hört ihm auch zu – und dadurch erhält das Publikum Einblick in das Gefühlsleben des Protagonisten.
Der Helfer/Vertraute des Gegners
Der Helfer/Vertraute des Gegners spielt dieselbe Rolle, nur für den Gegner.
Der Unterschied liegt in ihrer Motivation, die oft durch eigene Interessen oder durch den Zwang des Gegners bestimmt wird.
„The funny sidekick“
The funny Sidekick ist eine Figur, deren Hauptaufgabe darin besteht, für Unterhaltung, Spaß und Ironie zu sorgen. Sie kann entweder neutral sein oder mit der Hauptfigur oder dem Gegenspieler verbündet sein.
Manchmal übernimmt the funny Sidekick auch die Rolle des „Hofnarren“, der es sich erlauben kann, auf naive Weise die Wahrheit zu sagen oder sowohl dem Hauptcharakter als auch dem Gegner „dumme“ Fragen zu stellen, wodurch the funny Sidekick zum Spiegel und moralischen Kompass des Publikums werden kann.
Seht den Kurzfilm „Signs“ zusammen in der Klasse an.
Beginnen wir mit der Hauptfigur Jason und beantworten wir die Fragen zur Hauptfigur:
Schauen wir uns nun die Nebenfiguren an:
Der Gegner (Antagonist)
In „Signs“ haben wir zwei Gegner, einen äußeren und einen inneren (oftmals hat man zusätzlich zum äußeren Gegner auch einen inneren, insbesondere in eher psychologischen Dramen. Meistens hängt der innere Gegner mit der „inneren Schwäche“ der Figur zusammen).
Äußerer Gegner: Es ist eine Strasse zwischen den beiden Büros, die überwunden werden muss.
Innerer Gegner: Jason selbst und sein Mangel an Initiative – er ist schüchtern.
Der Helfer/Vertraute des Protagonisten
In diesem falle ist Stacy die Vertraute und Helfer für Jason – sie hilft ihm seine Schüchternheit zu überwinden.
Übung – Die Hauptfigur


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Dies ist eine individuelle Aufgabe.
Sieh dir den Kurzfilm „Alte Schule“ von Ilker Çatak an:
Beantworte die folgenden Fragen in Bezug auf die Hauptfigur (schreibe ein bis zwei Zeilen zu jeder Frage):
HINWEIS: Es ist nicht sicher, dass der Film Antworten auf alle Fragen liefert.
Welche weiteren Nebenfiguren gibt es? Mach eine kurze Beschreibung zu jeder Nebenfigur.
Such jetzt selbstständig einen Kurzfilm im Internet, und beantworte dieselben Fragen nochmals für den Film den du gefunden hast.
HINWEIS: Du kannst gerne auch einen längeren Film/Serie nehmen, denn du schon kennst – versuche dann diese Fragen aus deinem Gedächtnis zu beantworten.
Der zentrale Konflikt:
Der zentrale Konflikt (central conflict) ist der Kern der Erzählung – es ist das Spannungsfeld, in dem das Ziel oder der Wille der Hauptfigur auf ein Hindernis oder Widerstand stößt.
Dieses Hindernis kann ein Gegner (ein Mensch), ein System (Nazismus in Kriegsfilmen), die Natur (Katastrophenfilme) oder ein innerer Konflikt (Zweifel, Angst, Scham) sein. Oft handelt es sich um eine Kombination – ein Kriegsfilm über Nazi-Deutschland beispielsweise personifiziert das System häufig durch einen Menschen, beispielsweise den General einer Militäreinheit.
Der zentrale Konflikt ist das, was Spannung, Entwicklung und schließlich eine Auflösung erzeugt. Ohne ihn gibt es keine Geschichte, nur eine Situation. Mit anderen Worten:
Der zentrale Konflikt ist der Motor der Geschichte, der die Erzählung vorantreibt – ohne Motor gibt es keine Entwicklung.
In einem Kurzfilm ist die Zeit begrenzt, daher muss der Konflikt von Anfang an klar, konkret und emotional fesselnd sein – der Rest der Geschichte dient dann dazu, den Konflikt auf die eine oder andere Weise zu lösen. Deshalb ist es wichtig, dass die Lösung nicht sofort eintritt: Die Hauptfigur muss sich die Lösung erarbeiten; je schwieriger dies für sie ist, desto besser.
Beispiel:
Jetzt sollst du selbst weiter an der Geschichte schreiben, um zu sehen, wie sie endet. Aber denk daran, dass es genauso wichtig ist, dass die Hauptfigur ein Problem hat, wie dass sie aktiv versucht, das Problem zu lösen – niemand anderes kann das für sie tun. Versuche, der Hauptfigur viele Hindernisse in den Weg zu legen.
Der zentrale Konflikt muss mit dem Willen oder Ziel der Hauptfigur zusammenhängen. Daher ist es wichtig, das Ziel der Hauptfigur klar und deutlich zu definieren, damit du herausfinden kannst, wie du diesem Ziel am besten entgegenwirken kannst.
Der zentrale Konflikt muss aber auch für das Publikum nachvollziehbar sein – hier sind einige gute Tipps, worauf du achten solltest, wenn du mit dem zentralen Konflikt in deiner Geschichte arbeitest:
Mache den Konflikt persönlich und konkret
Lass den Konflikt der Hauptfigur aus etwas Persönlichem entstehen – z. B. einem inneren Dilemma, einem starken Wunsch oder einem emotionalen Bedürfnis. Je näher der Konflikt am Willen oder Wunsch der Hauptfigur ist, desto mehr fühlen wir uns davon angesprochen.
Der Hauptkonflikt des Films muss mit dem Thema des Films zusammenhängen (siehe später im Verlauf), aber:
Das Thema des Films soll universell sein, während der zentrale Konflikt des Films für die Hauptfigur persönlich und konkret sein sollte.
Beispielsweise möchtest du vielleicht einen Film darüber drehen, dass es viele junge Menschen gibt, die sich einsam in einer Großstadt fühlen (Thema).
Konkret suchst du dir dann eine Hauptfigur, die sich eine Freundin wünscht (der zentrale Konflikt), wie im Kurzfilm „Signs” (Einsamkeit).
Präsentiere den Konflikt frühzeitig und lasse ihn wachsen
In Kurzfilmen ist die Zeit knapp, daher sollte der Kern des Konflikts innerhalb der ersten ein bis zwei Szenen deutlich werden. Das Publikum muss schnell verstehen, worum es geht. Zur Einführung des Konflikts gehört auch, zu erzählen, was die Konsequenzen sind, wenn der Konflikt nicht gelöst wird – die Konsequenzen müssen zum Konflikt passen – je mehr auf dem Spiel steht, desto besser ist es für die Geschichte und unsere Sympathie für die Hauptfigur.
Der Konflikt muss im Laufe der Geschichte größer/dringlicher werden, während auch die Konsequenzen immer schwerwiegender werden (raising the stakes). In dem Film „Unten Durch” muss die Hauptfigur erst mit dem kleinen Mädchen streiten, dann mit ihrer Mutter, und am Ende kommt auch noch der Vater dazu – eine deutliche Eskalation seines Problems.
Jede Lösung des Problems muss zu einer neuen Hürde führen, die größer ist als die vorherige Herausforderung.
Nutze Dilemmas statt einfacher Lösungen
Nutze gerne Dilemmas, also Probleme, für die es keine klaren Lösungen gibt oder bei denen es nur schlechte Optionen gibt – die Hauptfigur im Film „Alte Schule“ kann zwischen die Sachen behalten und die junge Frau niewieder sehen oder die Sachen zurückgeben, und damit seinen Diebstahl zugeben wählen. Was ist richtig und was ist falsch (für die Hauptfigur, nicht unbedingt im „richtigen Leben“)? Wie würdest du dich entscheiden?
In diesem Fall handelt es sich um ein sogenanntes moralisches Dilemma, da das Dilemma auch eine ethische Perspektive hat. Diese Dilemma sind besonders stark, weil sie das Publikum dazu bringen, sich zu fragen, was es in derselben Situation tun würden, und somit eine große Identifikation beim Publikum hervorrufen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, den moralischen Kompass der Hauptfigur herauszufordern.
Wir verstehen die Hauptfigur anhand ihrer Handlungen und Entscheidungen und reflektieren dadurch über uns selbst.
Je schwieriger es ist, das Problem/Dilemma zu lösen, desto mehr wird das Publikum die Hauptfigur anfeuern.
Ein sehr gutes Beispiel für ein großes Dilemma ist der deutsche Kurzfilm „Sommersonntag”:
Kurzfilm „Sommersonntag“

Keep it simple
Die Welt ist voller Probleme und Konflikte, aber es ist schwierig, sie alle in einem Kurzfilm zu lösen. Du kannst das Thema des Films nutzen, um die großen und universellen Themen zu behandeln – der Konflikt muss dann die Manifestation oder Konkretisierung des Themas sein.
Wähle daher einen Konflikt, der für dich als Erzähler überschaubar und für deine Hauptfigur relevant ist. Der Konflikt muss in die Welt passen, die du geschaffen hast, sonst riskierst du, dass deine Geschichte sich konstruiert und unnatürlich anfühlt. Damit ist nicht unsere wirkliche, realistische Welt gemeint, sondern das Universum der Geschichte. Ein Harry Potter, der Voldemort mit einem Zauberstab bekämpfen muss, ist nicht realistisch, passt aber in die Welt seiner Geschichte.
Meistens eignet sich ein kleiner, konkreter und begrenzter Konflikt viel besser für eine Kurzgeschichte, da er am Ende auch auf zufriedenstellende Weise aufgelöst werden kann.
Übung – Hindernisse & Lösungen


Lad die Übung auf dein!
Dies ist eine individuelle Aufgabe.
Denke an ein alltägliches Problem und schreiben es auf (nutze gerne dein eigenes Leben für diese Übung – was war das letzte alltägliche Problem, das du lösen musstest? Es sollte ein realistisches Problem sein, das innerhalb kurzer Zeit gelöst werden kann.
Schreibe 2-3 mögliche Lösungen für das Problem auf.
Für jede deiner möglichen Lösungen musst du zwei Hindernisse finden, die die Umsetzung der Lösung schwierig machen.
Beispiel:
Problem: Ich brauche Tomaten.
Lösung 1: Ich muss zum Gemüsehändler, um Tomaten zu kaufen.
Hindernis 1: Ich stelle fest, dass ich kein Geld habe.
Lösung 2: …..
Siehst du, dass Hindernis 1 ein neues Problem aufwirft, das gelöst werden muss? In diesem Beispiel muss ich Geld auftreiben, um weiterzukommen. Wenn die Lösung (ich besorge das Geld) ein neues Hindernis mit sich bringt, haben wir ein neues Problem – und jetzt sind wir dabei, eine Geschichte mit dem zentralen Konflikt aufzubauen: Ich brauche Tomaten.
Variation:
Wenn du dein Problem aufgeschrieben hast, tausche es mit einem Klassenkameraden aus, sodass du Lösungen für das Problem deines Klassenkameraden finden musst und umgekehrt.
Schau dir an, welche Lösungen dein Partner gefunden hat – kannst du darauf weiter aufbauen?
Die Story World – Das Universum des Films:
Die Story World ist die Welt, in der unsere Geschichte spielt – das kann ein sehr kleines Universum sein, wie beispielsweise ein in der Erde vergrabener Sarg, wie im Film „Buried“ aus dem Jahr 2010, in dem der gesamte Film nur an einem einzigen kleinen Ort spielt. Es kann jedoch auch eine ganze Galaxie sein, wie in Star Wars. Aber alle Geschichten spielen in einer klar definierten Welt – die Fernsehserie „ER“ spielt in einem Krankenhaus, „Friends“ in einem Wohnblock und der Animationsfilm „For the Birds“ auf einer Stromleitung.
Neben der geografischen Welt etabliert die Story World die Geschichte auch zeitlich. Wann spielt die Geschichte? Hier können Kleidung und Requisiten eine gute Möglichkeit sein, die Zeit zu vermitteln – wenn wir eine Person in Kleidung aus dem letzten Jahrhundert sehen, platzieren wir die gesamte Geschichte in dieser Zeit. Das Gleiche gilt für neue Technologien, die es noch gar nicht gibt – dann befinden wir uns in der Zukunft. Nutze gerne visuelle Elemente, um die Geografie und die Zeit deiner Geschichte zu definieren.
Das Universum des Films enthält auch die Regeln und Möglichkeiten, die in der Story World existieren – in der Welt von „Harry Potter“ ist es ganz normal, dass man mit einem Zauberstab zaubern kann, aber es ist den Schülern verboten, nachts in den Gängen von Hogwarts herumzulaufen.
Je klarer und besser definiert der Rahmen ist, in dem die Geschichte spielt, desto leichter fällt es dem Publikum, sich im Universum des Films zurechtzufinden.
In einem Kurzfilm muss das Publikum schnell verstehen, wo und wann die Geschichte spielt und welche Regeln gelten. Das muss nicht komplex sein – wichtig ist vor allem, dass es glaubwürdig wirkt. Wir müssen beispielsweise sofort wissen, ob wir uns in einem realistischen Alltag, einer futuristischen Dystopie oder einem übernatürlichen Horrorfilm befinden.
Im Zuge der technologischen Entwicklung und des stetig wachsenden Einflusses von Computerspielen auf Filmgeschichten, hat die Story World mehr Aufmerksamkeit erhalten – sowohl vom Publikum als auch von den Filmemachern selbst. Wir sehen immer mehr Filmproduktionen, die Welt-getrieben sind und sich darauf konzentrieren, wie ein einzigartiges und komplexes Universum mit seinen eigenen Regeln, Konflikten und Strukturen den Verlauf der Geschichte und das Schicksal der Figuren prägt. Dies wird im Star Wars-Universum deutlich, das seine Fantasie-Welt für fast endlose Spin-Offs und neue Erzählungen nutzt.
In einem Kurzfilm hast du jedoch in der Regel nicht die gleichen Möglichkeiten, ein allzu komplexes Universum für deine Geschichte zu entwickeln – hier solltest du Folgendes beachten:
Kapitel 4: Idee & Entwicklung
Bisher haben wir uns mit der dramaturgischen Struktur und den Elementen einer Geschichte befasst – also mit der Form. Nun wollen wir uns damit beschäftigen, was in diese Form gefüllt werden soll – der Inhalt, also die Geschichte die wir erzählen wollen.
Die Geschichte ist der Ausgangspunkt für deinen Film. Egal, ob es sich um eine fiktive Geschichte, einen Dokumentarfilm, einen Werbe- oder Kampagnen-film handelt, der Empfänger, also das Publikum, wird immer versuchen, das, was es sieht und hört, zu verstehen. Mit anderen Worten: Das Publikum konstruiert aus den Teilen, die wir ihm präsentieren, eine sinnvolle Erzählung.
Seht euch das folgende Experiment von Heider und Simmel aus dem Jahr 1944 an und sprecht anschließend darüber, was ihr gesehen habt:
Die meisten von euch werden wohl behaupten, dass ihr eine Geschichte über ein großes Dreieck gesehen habt, das einen Kreis bedroht oder gemobbt hat, und dass das kleinere Dreieck den Kreis gerettet hat. In Wirklichkeit habt ihr nur einige geometrische Formen gesehen, die sich ein wenig auf einer Fläche bewegten, und euer Gehirn hat dafür gesorgt, dass dies einen Sinn ergibt.
Wir schreiben den Figuren menschliche Eigenschaften und Motive zu, als wäre es eine Geschichte mit richtigen Personen. Wir Menschen neigen dazu, Geschichten zu erfinden und selbst in abstrakten Bewegungen und Figuren Absichten zu erkennen. Unser Gehirn ist darauf programmiert, in dem, was wir sehen, hören und erleben, einen Sinn zu suchen – oft in der Form von Geschichten.
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns sehr bewusst darüber sind, was wir erzählen möchten – unsere Geschichte muss in allen Elementen und Details für das Publikum sichtbar und merkbar sein.
Aber alles beginnt mit einer guten Idee, und darauf werden wir im nächsten Abschnitt fokussieren.
Trainiere deine Kreativität:
“Kreativität kann man nicht aufbrauchen. Je mehr man sie benutzt, desto mehr hat man davon.”
Dr. Maya Angelou, Schriftstellerin und Dichterin
Eine gute Idee für eine Geschichte zu finden, kann ganz schön schwierig sein, vor allem, wenn man auf Kommando kreativ sein soll. Aber zum Glück gibt es Werkzeuge, die dir dabei helfen können, eine gute Idee zu finden. Du solltest nicht unbedingt davon ausgehen, dass die erste Idee, die dir einfällt, auch die richtige ist – zunächst geht es darum, sich für Möglichkeiten zu öffnen.
Kreativität ist nicht etwas was man hat oder nicht hat, sondern etwas, das man üben kann. Wie du dem obigen Zitat von Maya Angelou entnehmen kannst, wird es umso einfacher, kreativ zu sein, je mehr man es benutzt – und genau das wollen wir jetzt tun: uns in Kreativität üben.
Übung – Zirkeltraining
Dies ist eine individuelle Aufgabe.
Lade die Vorlage mit den 28 Kreisen herunter und drucke sie aus.
Klicke auf das Bild, um sie herunterzuladen.

Fülle die Kreise so aus, dass sie zu einem Gegenstand werden – wie das Beispiel mit der Uhr unten. Es kann alles Mögliche sein – nur deine Fantasie setzt dir Grenzen.

Du hast drei Minuten Zeit – schau mal, wie viele Kreise du ausfüllen kannst.
Vergleicht eure Lösungen in der Klasse – ihr werdet wahrscheinlich staunen, wie viele Möglichkeiten es gibt.
Es gibt viele Möglichkeiten und Übungen, mit denen du deine Kreativität trainieren kannst – denk daran, dass du eine gut trainierte Kreativität in vielen Zusammenhängen einsetzen kannst, nicht nur, wenn du eine Geschichte für dein Filmprojekt entwickeln willst.
Wenn du deine Kreativität noch mehr trainieren möchtest, kannst du die folgende Übung für kreatives schreiben machen:
Übungen für Kreatives Schreiben
Es gibt noch viele andere Webseiten, die Übungen für Kreativität haben – je mehr du übst, desto leichter fällt es dir Ideen zu bekommen.
Ideenentwicklung:
„The best way to have a good idea is to have a lot of ideas.“
Linus Pauling, Chemiker und Friedensaktivist
Grundsätzlich lässt sich aus allem eine gute Geschichte machen, und es ist immer wichtig, offen für originelle und ungewöhnliche Ansätze zu sein. Du solltest dir jedoch bewusst sein, dass manche Dinge in der Regel besser funktionieren als andere – insbesondere, wenn es um Geschichten für Kurzfilme geht.
Die folgende Liste ist nicht vollständig und nicht immer für alle Arten von Geschichten relevant, sondern sollte eher als Leitfaden verstanden werden. Wenn du eine gute Idee hast, an die du glaubst, ist es wichtiger, daran festzuhalten und sie auszuprobieren, auch wenn sie nicht in die folgenden Leitlinien passt – oft sind es genau diese Filme und Geschichten, die uns am meisten Überraschen.
Wenn man eine erfundene Geschichte erzählt, muss man gut lügen können, denn das, was man erzählt, ist ja nicht wahr. Um gut lügen zu können, muss man seine Lüge ernst nehmen. Es muss so wirken, als würde man selbst daran glauben. Wenn man selbst nicht daran glaubt, kann man nicht erwarten, dass andere es tun.
„Lass niemals die Wirklichkeit einer guten Geschichte im Wege stehen.„
Frei nach Mark Twain, Autor
Du solltest dich davor hüten, dich mit dem Satz „Das würde in der Wirklichkeit doch nie passieren“ einzuschränken. Vielleicht würde es in der Realität nicht passieren, aber es ist eine Geschichte, die wir erzählen, und hier kann alles Mögliche geschehen. Wichtig ist nur, dass es für das Publikum glaubwürdig wirkt. Glaubwürdigkeit entsteht durch einen guten Zusammenhang zwischen der Hauptfigur, ihrem Problem bzw. Konflikt und der Welt der Geschichte.
Eine weitere Möglichkeit, eine Lüge glaubwürdiger zu machen, besteht darin, die Lügengeschichte mit vielen Details auszustatten. In „Harry Potter” ist es beispielsweise unrealistisch, dass wir einfach einen Holzstab aus der Tasche ziehen und damit Dinge durch die Luft fliegen lassen können. Da das „Harry Potter”-Universum jedoch sehr detailliert ist, wirkt diese Fähigkeit innerhalb seiner eigenen Welt glaubwürdig.
Übung – Zwei Wahrheiten und eine Lüge


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Bildet Paare.
Jede/r von euch soll sich nun drei Aussagen überlegen – zwei davon müssen wahr sein und eine muss eine Lüge sein.
Eine Aussage könnte zum Beispiel lauten: „Ich mag Äpfel“ oder „Meine Großmutter hat den Atlantik in einem Schlauchboot überquert“. Versucht auch, eine kleine Geschichte mit vielen Details zu euren Aussagen zu erfinden – welche Farbe hatte das Schlauchboot? Ist es eine bestimmte Apfelsorte, die ihr mögt?
Wenn ihr beide jeweils drei Aussagen erfunden habt, setzt euch mit dem Rücken zueinander, sodass ihr euch nicht sehen könnt.
Der eine beginnt damit, die drei Aussagen zu erzählen, die er sich ausgedacht hat, und der andere muss nun herausfinden, welche Aussage die Lüge ist, indem er nachfragt. Frage nach Details und lass den anderen darauf antworten. Frage so lange nach, bis du weißt, welche Geschichte die Lüge war, und frag deinen Partner, ob du richtig geraten hast.
Wechselt nun die Rollen und wiederholt die Übung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Erzählen von Geschichten vor einem Publikum ist, die Zuhörer zu überraschen. Das lässt sich unter anderem erreichen, indem man die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet. Auf diese Weise kann selbst eine scheinbar langweilige Alltagsgeschichte neues Leben erhalten, weil sie aus einer neuen Perspektive erzählt wird und somit eine neue Dimension erhält.
Das Gleiche gilt, wenn du mit deiner Geschichte nicht weiterkommst. Oft hilft es, die Aufgabe oder das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten, also den Blickwinkel zu wechseln. Frag dich selbst: „Was wäre, wenn …?“
Es ist schwierig zu sagen, was genau eine gute und was eine schlechte Idee ist, denn das hängt sehr stark davon ab, wie die Geschichte erzählt wird. Eine gute Idee, die schlecht umgesetzt ist, wird nie zu einem guten Film. Aus einer schlechten Idee kann hingegen durchaus eine coole Geschichte entstehen.
Übung – Eine schlechte Idee


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Bildet Paare.
Schreibt drei bis fünf schlechte Ideen auf ein Blatt Papier. Eine schlechte Idee könnte zum Beispiel sein, 30 Kaugummis auf einmal zu kauen. Das darf gerne albern sein, muss es aber nicht.
Gebt nun eure Ideen an einen Teamkollegen weiter und erhaltet im Gegenzug seine/ihre Ideen. Verwandle die Ideen deines Teamkollegen in etwas Positives. Wann ist es also eine gute Idee, 30 Kaugummis auf einmal zu kauen?
Wir sind bereits mitten im Prozess des Geschichtenerfindens und haben uns mit einigen der Grundprinzipien beschäftigt, die wir dabei anwenden.
In dieser Ideenphase ist es wichtig, dass du beim Ausdenken deiner Geschichte spielerisch vorgehst und deiner Intuition folgst. Manchmal muss man einfach irgendwo anfangen, dann sprudeln die Ideen oft wie von selbst.
Übung – Eine Geschichte gemeinsam erfinden
Dies ist eine gemeinsame Aufgabe, an der alle teilnehmen.
Es ist wichtig, hier spontan zu sein. Man soll nicht nachdenken, sondern so schnell wie möglich antworten. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
Wählt eine Person als Spielleiter aus. Wenn ihr diese Übung zum ersten Mal macht, empfehlen wir, dass die Lehrkraft die Rolle des Spielleiters übernimmt.
Der Spielleiter wählt eine Person aus, die ein Element für eine Geschichte beiträgt. Das kann eine Person, eine Handlung, eine Situation oder ein Ort sein. Nehmt euch maximal fünf Sekunden Zeit, um euch etwas auszudenken.
Der Spielleiter stellt dann Fragen zur Geschichte, bis eine fertige Idee für eine Erzählung mit einer Hauptfigur vorliegt, die ein Problem in einer abgegrenzten Welt lösen muss. Alle dürfen gerne antworten.
Gute Fragen, die man stellen kann, sind:
Erinnert euch an so viele Details wie möglich, gebt eurer Hauptfigur einen Namen und beschreibt die Welt, in der die Geschichte spielt.
Nehmt euch für diese Übung nur 5 Minuten Zeit. Wiederholt die Übung gerne mehrmals, um besser und spontaner zu werden.
Jede Geschichte hat einen Erzähler. Es sind die persönliche Note und die Perspektive des Erzählers, die eine Geschichte einzigartig und für die Zuschauer relevant machen. In der folgenden Abbildung siehst du, wie das Thema des Films, die Hauptfigur, der Konflikt und das Universum des Films den Rahmen für deine Erzählung bilden.
Illustration:
Wenn du deine Geschichte entwickelst, ist es daher nicht so wichtig, ob du zunächst eine coole Hauptfigur, ein Thema, eine Situation, die dich interessiert, oder ein Universum, das dich fasziniert, erfindest. Wichtig ist nur, dass du im Laufe der Entwicklung einen Zusammenhang zwischen diesen Elementen herstellst.
In den folgenden Abschnitten geben wir dir Tipps, wie du am einfachsten eine Geschichte von Grund auf aufbauen kannst. Du kannst die Reihenfolge gerne ändern, wenn du lieber an einer anderen Stelle beginnen möchtest.
Thema & Richtung:
Wenn du eine Geschichte entwickeln möchtest, solltest du zunächst das Thema der Geschichte festlegen.
Worüber möchtest du etwas erzählen? Hier ist es wichtig, dass du dir ein grundlegendes und allgemeingültiges Thema überlegst. Das können weit gefasste Themen wie Liebe oder Einsamkeit sein, aber auch spezifischere Themen, zum Beispiel Spielsucht oder Arachnophobie (die Angst vor Spinnen).
Da die Arbeit an einem Film sehr anspruchsvoll sein kann, ist es eine gute Idee, ein Thema zu wählen, das dich interessiert oder das für dich relevant ist. Du kannst auch ein Thema wählen, zu dem du eine Meinung hast oder über das du mehr erfahren möchtest.
Betrachte das Thema als die große Überschrift für deine Erzählung – es sollte sich mit möglichst wenigen Worten beschreiben lassen.
Schau dir folgendes Beispiel an und achte dabei darauf, wie das Thema dauernd im Spiel ist.
Ist dir aufgefallen, dass sich das Thema durch die gesamte Handlung zieht? Schon von Anfang an beginnen die kleinen Vögel zu streiten, bevor der große Vogel auftaucht. Am Ende dient der grosse, tolerante Vogel als Schutz für die kleinen, intoleranten Vögel. Dein Thema sollte also der rote Faden deiner Geschichte sein.
Da du zu jedem beliebigen Thema eine Geschichte aufbauen kannst, ist es besser, sich schnell für ein Thema zu entscheiden und systematisch damit zu arbeiten, anstatt viel Zeit damit zu verbringen, das „richtige” Thema zu finden.
Wenn du Schwierigkeiten hast, ein Thema zu finden, kannst du dich hier inspirieren lassen.
Übung – Finde dein Thema


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Bildet eure Filmteams aus 4–6 Personen, falls ihr das noch nicht getan habt.
Nimm dir individuell zehn Minuten Zeit und schreibe drei bis vier Themen auf, über die du gerne einen Film drehen würdest. Denk darüber nach, warum du dich für diese Themen entschieden hast.
HINWEIS: Es muss keine tiefgründige Erklärung sein – manchmal reicht es zu sagen, dass man sich das gut vorstellen kann.
Setz dich dann mit deinem Filmteam zusammen und stell jeweils eines oder maximal zwei der Themen vor, die du aufgeschrieben hast. Auf diese Weise hast du bereits ausgewählt, welches Thema dir am besten gefällt.
Wenn ihr euch im Team auf eines der vorgestellten Themen einigen könnt, ist das gut. Wenn nicht, könnt ihr entweder in der Gruppe darüber abstimmen oder eine Münze oder einen Würfel werfen.
Das Wichtigste ist nicht, welches Thema ihr wählt, sondern dass ihr schnell damit beginnt, eure Geschichte zu entwickeln.
Nachdem ihr euer Thema gefunden habt, ist es eine gute Idee, 10 bis 15 Minuten lang darüber zu sprechen und euch dabei die folgenden Fragen zu stellen:
Nachdem du nun dein Thema gefunden hast, müssen wir deiner Geschichte eine Richtung oder Grundstimmung geben. Du bist sicherlich schon einmal auf den Begriff „Genre” gestoßen. In unserem Zusammenhang ist es jedoch sinnvoller, von Richtungen und Grundstimmungen auszugehen. Hier hast du die Wahl zwischen:
Grundlegende Gefühle:
In einer Geschichte kannst du durchaus verschiedene grundlegende Gefühle miteinander vermischen oder die Geschichte kann sich von einem Gefühl zum nächsten entwickeln. Eine sehr beliebte Mischung ist die Horrorkomödie, wie sie beispielsweise in „Fluch der Karibik“ oder „Scream“ zu sehen ist. Dabei solltest du jedoch darauf achten, das Publikum nicht zu verwirren.
Richtung:
Es ist von großem Vorteil, das Ende bereits früh im Entwicklungsprozess zu kennen, da es deiner Geschichte eine Richtung vorgibt, auf die du hinarbeiten kannst.
Wenn du mehr wissen willst, kannst du hier unser Kapitel über die Richtung lesen:
Je früher du diese Entscheidungen triffst, desto schneller kannst du mit dem Bau der eigentlichen Geschichte beginnen. Diese Entscheidungen geben dir einen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung deiner Geschichte.
Hinweis: Du kannst deine Entscheidungen während des Entwicklungsprozesses jederzeit ändern, wenn du feststellst, dass eine andere Option besser ist. Das ist in einem organischen Prozess völlig normal.
Du kannst Thema, Grundstimmung und Richtung frei kombinieren. Es macht Sinn, das du unterwegs verschiedene Szenarien ausprobierst.
Übung – Szenarienspiel


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Arbeitet zusammen in eurem Filmteam.
Sucht euch eines der folgenden Themen aus:
Nun sollt ihr zu dem von euch gewählten Thema verschiedene Szenarien entwerfen. Wie könnte die Geschichte aussehen, wenn sie ernst, lustig oder gruselig wäre? Und wie würde sie enden?
Geht alle sechs Szenarien in der Gruppe durch und besprecht, mit welchem Szenario es am besten passte, mit welchem es schwierig war zu arbeiten und welches am interessantesten war.
Hinweis: Nicht immer ist das Szenario, das sich auf den ersten Blick am natürlichsten anfühlt, dasjenige, das die Geschichte am interessantesten macht. Im Gegenteil: Es kann etwas zu offensichtlich und langweilig wirken. Versucht, das Publikum zu überraschen.
Macht nun dasselbe für das Thema, das ihr in der Übung „Finde dein Thema“ ausgewählt habt. Schreibt jedes Szenario in drei bis vier Zeilen auf.
The Story Questions – Die dramatischen Fragen:
Antworten auf diese dramatischen Fragen zu finden, hilft dir dabei, deine Geschichte aufzubauen. Sie zwingen dich nämlich dazu, ganz konkret zu werden: Was passiert wann, und warum?
Bei einer längeren Erzählung, wie beispielsweise einer Fernsehserie, würden mehr Fragen gestellt, es gäbe mehr Konflikte/Probleme und mehrere Figuren. In unserem Fall können wir uns jedoch darauf beschränken, die folgenden dramatischen Fragen zu stellen:
Zunächst sollten wir uns den zentralen Konflikt der Geschichte ansehen. Das Problem, das der Protagonist lösen muss, sollte mit dem von dir gewählten Thema zusammenhängen. Gleichzeitig ist es ratsam, dass das Problem bzw. der Konflikt für das Publikum klar und deutlich erkennbar ist.
Während das Thema allgemein und universell sein sollte, muss der Konflikt lokal und konkret sein.
Der Konflikt ist somit eine von vielen möglichen Manifestationen des Themas. Oft hängt er mit dem Willen oder Wunsch der Hauptfigur zusammen – er verhindert, dass sie ihren Willen durchsetzen kann.
Als Nächstes müssen wir uns Gedanken über unsere Hauptfigur machen. Dabei ist es wichtig, dass wir einen interessanten und vielschichtigen Protagonisten schaffen, der auf seine Umwelt reagiert und sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln kann.
“I choose to run towards my problems, and not away from them. Because that’s what heroes do.”
Chris Hemsworth, Thor (2011)
Bedenke, dass wir die Geschichte durch die Augen der Hauptfigur erleben. Nimm dir deshalb Zeit, um die richtige Hauptfigur zu finden. Es ist oft eine gute Idee, der Hauptfigur eine Hintergrundgeschichte zu geben. Diese muss nicht Teil der Erzählung sein, kann dir aber dabei helfen, die Motivation der Figur zu verstehen.
Manche Filmgeschichten nutzen Rückblenden, um die Beweggründe der Figuren zu erklären: Etwas ist in der Vergangenheit der Figur geschehen, wodurch sie nun so handelt, wie sie es tut. Auch wenn dies wie eine einfache Möglichkeit erscheint, die Motivation der Figur zu erklären, solltest du dir bewusst sein, dass dir in einem Kurzfilm nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht. Ein Rückblick verlangt vom Publikum, dass es sich in eine neue Mini-Geschichte und ein neues Universum einarbeitet, was durchaus Zeit in Anspruch nehmen kann. Überlege dir daher, ob du nicht einen anderen Weg finden kannst, um die Motivation der Figur zu vermitteln.
Neben der Hauptfigur hast du sicherlich auch andere Figuren in deiner Geschichte. Mit diesen musst du natürlich ebenfalls arbeiten, aber immer im Verhältnis zur Hauptfigur.
Das letzte Element, das du benötigst, um deine Geschichte aufzubauen, ist das Universum des Films – also Zeit und Ort, an dem die Geschichte spielt. Es ist eine gute Idee, deine Welt so weit wie möglich einzugrenzen, da sich das Publikum darin leichter zurechtfindet. Versuche, einige deiner Schauplätze im Film wiederzuverwenden, anstatt jede Szene an einem neuen Ort spielen zu lassen, es sei denn, es ist notwendig.

Der Zeitpunkt, zu dem eine Geschichte spielt, ist ebenfalls Teil des Universums. Mit „Zeit” sind nicht nur Jahreszahlen oder Daten gemeint, sondern auch Jahreszeiten. Wenn eine Geschichte beispielsweise in der Weihnachtszeit spielt, hat das Einfluss auf die Geschichte, da das Publikum bestimmte Erwartungen daran hat, wie die Weihnachtszeit aussieht. Es ist oft von Vorteil, wenn du die Zeit als aktiven Bestandteil deiner Geschichte nutzen kannst, da dies dem Publikum die Orientierung erleichtert. Bedenke jedoch, dass dies konsequent umgesetzt werden muss. Wenn deine Geschichte beispielsweise in der Weihnachtszeit spielt, muss es Weihnachtsdekoration an deinen Schauplätzen geben.

Zur Welt des Films gehören auch die geltenden Regeln: Wenn deine Geschichte beispielsweise an einer Schule spielt, musst du genau schildern, wie diese funktioniert. Wer hat das Sagen? Wer nicht? Was ist das Besondere an dieser Schule? Erstelle nur Regeln, die für deine Geschichte relevant sind.
Hier kannst du mehr darüber lesen oder noch einmal nachlesen:
HUSK AT LAVE LINKS
Übung – Hauptperson, Konflikt & Welt der Geschichte


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Setzt euch mit eurem Filmteam zusammen.
Besprecht nun gemeinsam in der Gruppe, welches Problem oder welcher Konflikt euer Thema widerspiegeln und gleichzeitig zu der Grundstimmung passen könnte, die ihr für euren Film gewählt habt. Es muss kein großes Problem sein; im Gegenteil, oft ist es eine gute Idee, wenn das Problem klar abgegrenzt ist.
Stellt euch folgende Fragen:
Als Nächstes müsst ihr eine Hauptfigur für eure Geschichte finden. Nutzt dazu das von euch ausgewählte Thema, die Grundstimmung und den Konflikt und stellt euch in Bezug auf eure Hauptfigur folgende Fragen:
Zuletzt musst du entscheiden, wo und wann deine Geschichte spielen soll. Am einfachsten ist es, wenn die Geschichte in der Gegenwart spielt, da es kostspielig und aufwendig ist, die Vergangenheit oder Zukunft zu inszenieren. Die Entscheidung liegt jedoch ganz bei dir.
Wenn du das Universum des Films erschaffst, solltest du dir folgende Fragen stellen:
Es ist oft hilfreich, verschiedene Szenarien durchzuspielen, wie wir es bei der letzten Übung „Szenarienspiel“ getan haben.
HINWEIS: Du kannst die Reihenfolge gerne ändern, sodass du mit dem Universum des Films beginnst, wenn du einen besonderen oder interessanten Drehort hast oder eine spannende Hauptfigur, über die du gerne einen Film drehen möchtest.
Besprecht gegebenenfalls einige Beispiele in der Klasse.
Pitch Deck:
Jetzt hast du alle Elemente, die du brauchst, um deine Geschichte aufzubauen: Du hast ein Thema und einen dazugehörigen Konflikt bzw. eine Problemstellung, die deine Hauptfigur in der Welt der Geschichte lösen muss.
Der nächste Schritt besteht darin, darüber nachzudenken, was in deiner Geschichte eigentlich passieren wird – also den eigentlichen Handlungsverlauf deines Films.
Hier sind einige gute Tipps, wie du die Handlung deines Films gestalten kannst:
Ein wirklich gutes Hilfsmittel zur Entwicklung der Handlung ist die Erstellung einer Zeitleiste, auf der du die einzelnen Szenen in eine Reihenfolge bringst, um einen Überblick über deine Geschichte zu erhalten.
Wenn du unser Kapitel über die Zeitleiste lesen oder noch einmal lesen möchtest, kannst du das hier tun:
HUSK LINK
HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Etappen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente problemlos ändern könnt, sobald ihr neue Ideen habt und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.
Je gründlicher eure Zeitleiste ausgearbeitet ist, desto einfacher wird es, das eigentliche Drehbuch für den Film zu schreiben.
Übung – Zeitleiste


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Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Lade hier unsere Vorlage für die Zeitleiste herunter (PowerPoint-Datei):
Erstellt nun gemeinsam in der Gruppe die Zeitleiste für euren eigenen Film unter Verwendung der Elemente, die ihr euch bisher ausgedacht habt. Wir empfehlen euch, dabei in folgender Reihenfolge vorzugehen:
In dem länglichen grauen Feld unterhalb der Zeitleiste sollt ihr eintragen, was das Ziel der Hauptfigur während des gesamten Films ist – dies sollte den zentralen Konflikt und das Thema des Films widerspiegeln.
Wenn ihr die einzelnen Szenen ausfüllt, ist es eine gute Idee, mit dem Ende zu beginnen – ihr habt ja bereits entschieden, ob eure Geschichte glücklich oder tragisch enden soll. Während ihr euch eure Schlussszene ausdenkt, denkt über folgende Fragen nach:
Schreibt eure Idee für eine Schlussszene in das letzte blaue Feld auf eurer Zeitleiste (nur ein kurzer und präziser Satz).
Lest gegebenenfalls noch einmal das Kapitel über die letzte Szene:
Als Nächstes solltet ihr euch überlegen, wie euer Film beginnen soll – dabei kann es von Vorteil sein, wenn euer Film im Gegensatz zum Ende (diametral) oder auf die gleiche Weise (zirkulär) beginnt. Beide Formen verbinden eure Geschichte zu einem Ganzen. Folgende Elemente solltet ihr berücksichtigen, wenn ihr über eure Eröffnungsszene nachdenkt:
Schreibt noch einmal einen sehr kurzen und präzisen Satz in das blaue Feld am Anfang eurer Zeitleiste.
Lest gegebenenfalls noch einmal das Kapitel über den Anfang:
Als Nächstes müsst ihr herausfinden, was die ganze Geschichte in Gang setzt (das rote Kästchen nach der Eröffnungsszene). Es muss ja etwas passieren, sonst wird es langweilig, und das Erste, was unserem Protagonisten widerfährt und ihn/sie zum Handeln treibt, wird daher auch als auslösendes Ereignis (inciting incident oder call to adventure) bezeichnet.
Denkt über die folgenden Fragen nach, wenn ihr mit dem „inciting incident“ arbeitet:
Lest gegebenenfalls noch einmal das Kapitel über das auslösende Ereignis:
Ihr habt sicher schon einmal den Ausdruck „Punkt ohne Wiederkehr“ (Point of no Return) gehört – diesen müsst ihr nun finden. Es handelt sich um einen Moment in der Geschichte, in dem etwas Drastisches geschieht, das die gesamte Geschichte für unsere Hauptfigur um 180° wendet – es ist immer eine große Veränderung, und sie findet immer in der Mitte der Geschichte statt, weshalb man sie auch als Mittelpunkt bezeichnet.
Wenn ihr mit dem Mittelpunkt arbeitet, solltet ihr Folgendes beachten:
Lest gegebenenfalls noch einmal das Kapitel über den Mittelpunkt:
Zuletzt sollt ihr die Szenen/Sequenzen finden, die zwischen Anfang, Mitte und Ende liegen. Diese Szenen/Sequenzen sollen dem Publikum einen tieferen Einblick in die Figuren und ihre Beziehungen untereinander geben und/oder das Thema und den Konflikt vertiefen.
Bei der Arbeit an den Zwischenszenen/Sequenzen solltet ihr Folgendes beachten:
Wenn du nicht mindestens einen dieser Punkte mit „Ja“ beantworten kannst, solltest du dir überlegen, ob diese Szene/Sequenz in deinen Film aufgenommen werden soll.
Trage die dazwischenliegenden Szenen/Sequenzen in die entsprechenden Felder unterhalb der Zeitleiste ein – nun hast du einen Überblick über alle Szenen/Sequenzen deiner Filmgeschichte.
Bisher haben wir alles in Worten formuliert, aber Film ist ein visuelles Medium, und deshalb müssen wir uns Gedanken über den visuellen Stil und den ästhetischen Ausdruck unseres Films machen. In diesem Zusammenhang ist es eine gute Idee, ein sogenanntes Pitch Deck (eine visuelle Präsentation für unser Filmprojekt) zu erstellen. Da wir einen Kurzfilm drehen, reicht es aus, ein Mini-Pitch-Deck zu erstellen.
Neben Text nutzt ein Pitch Deck auch visuelle Elemente, um sein Konzept zu vermitteln, was es besonders geeignet macht, visuelle Projekte wie Filme zu präsentieren.
Es gibt aber noch einen weiteren guten Grund, ein Pitch Deck für deinen Film zu erstellen – nämlich, dass du auf diese Weise deine Filmidee für dich selbst präzisierst, da du dich mit allen wichtigen Elementen auseinandersetzen musst, die deinen Film ausmachen: von der Geschichte über die Figuren bis hin zum Universum, in dem die Geschichte spielt. Und genau mit diesem Ziel vor Augen solltest du ein Pitch Deck für dein Filmprojekt erstellen.
Ein Pitch Deck besteht aus folgenden Abschnitten:
Titelseite:
Gibt den Titel des Films an und vermittelt einen ersten visuellen Eindruck vom Film.
Log Line:
Eine kurze und präzise Beschreibung des Themas und der Problematik des Films.
Zusammenfassung:
Ein kurzer Überblick über den Handlungsverlauf des Films.
Zeitleiste:
Eine visuelle Darstellung der Schlüsselmomente sowie der Abfolge der wichtigsten Szenen/Sequenzen.
Charakterbeschreibung:
Eine kurze Beschreibung des Aussehens und der Charaktereigenschaften der wichtigsten Figuren.
Moodboard:
Beispiele für den visuellen Stil des Films sowie Beispiele für Drehorte.
Der Ton des Films:
Eine kurze Beschreibung des Stils und der Stimmung des Films.
Zielgruppe & Marketing:
Eine kurze Beschreibung der Zielgruppe, an die sich der Film richtet, und wie man diese Zielgruppe erreichen will.
HINWEIS: Falls diese Folie für dich nicht relevant ist, kannst du sie einfach ignorieren.
Kontakt:
Kontaktdaten der Filmemacher.
Es handelt sich um ein recht umfangreiches Dokument, aber wenn es gut gemacht ist, kann es dir und deinem Team einen sehr genauen Eindruck davon vermitteln, welchen Film ihr drehen wollt.
Eines der bekanntesten Beispiele in der Filmindustrie ist das Pitch Deck, mit dem die beliebte TV-Serie „Stranger Things“ an Netflix verkauft wurde.
Damals hieß das Projekt „Montauk“ – du kannst es dir hier ansehen:
Pitch Deck für „Montauk“ („Stranger Things“):
Wie du sehen kannst, spürt man bereits auf der ersten Seite die gesamte Atmosphäre und den Ton – es ist unheimlich, es hat einen 80er-Jahre-Charakter und es handelt sich um eine Serie.
Mit anderen Worten: Ein gutes Pitch-Deck vermittelt viel mehr als nur Informationen – es verschafft einen Eindruck von allen Aspekten des Projekts.
Auch wenn das Pitch Deck für „Stranger Things“ im Hochformat produziert wurde, sind die allermeisten modernen Pitch Decks für Filme und Serien im Querformat gestaltet, was wir dir ebenfalls empfehlen.
Nachfolgend findest du weitere Beispiele für Pitch Decks:
Pitch Deck Beispiele oder such selbst im Internet.
Grundsätzlich solltest du bei der Erstellung deines Pitch Decks Folgendes beachten:
Um dir ein Beispiel dafür zu geben, wie ein Pitch-Deck für einen Kurzfilm aussehen könnte, kannst du dir unser Pitch-Deck zu „Das letzte Stück“ ansehen:
Pitch Deck – „Das letzte Stück“:

HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Durchgängen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente jederzeit ändern könnt, sobald euch neue Ideen kommen und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.
Ihr könnt die verschiedenen Aufgaben gerne aufteilen, sodass einige von euch an bestimmten Folien arbeiten und die anderen an anderen Folien.
Übung – Pitch Deck


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Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Lade dir unsere Vorlage für ein Pitch Deck herunter (PowerPoint-Datei):
In der Gruppe sollt ihr nun euer Pitch Deck für euren eigenen Film ausarbeiten und dabei die Elemente einbeziehen, die ihr euch bisher ausgedacht habt. Ihr könnt gerne organisch vorgehen, das heißt, ihr müsst nicht mit der ersten Folie beginnen – fangt mit den Folien an, über die ihr bereits etwas wisst.
Bei der Arbeit an eurem Pitch Deck solltet ihr Folgendes beachten:
Kapitel 5: Schreibe dein Drehbuch
Das Drehbuch ist das „Rezept“ für deinen Film – es enthält alle notwendigen Zutaten (Charaktere, Requisiten, Drehorte usw.) und gibt dir eine Anleitung, wie du diese Zutaten miteinander verweben solltest (Dialoge, Regieanweisungen, Szenenabfolge usw.).
Je besser du das Drehbuch schreibst, desto besser und vor allem einfacher werden deine Dreharbeiten – es lohnt sich also, etwas Zeit in das Schreiben des Drehbuchs zu investieren.
Das Step-Outline:
Wenn du deine Szenen im Drehbuch ausarbeitest, ist es ratsam, sich über die Reihenfolge, die Funktion und die Handlung der Szenen klar zu werden. Ein gutes Hilfsmittel dafür ist ein sogenanntes Step-Outline, also eine Beschreibung aller Szenen deines Films zusammen mit den wichtigsten Informationen zu jeder Szene in chronologischer Reihenfolge.
HINWEIS: Anstelle eines Step-Outline kann man auch ein sogenanntes Treatment erstellen, bei dem man zu jeder Szene einen kurzen Absatz schreibt. Ein Step-Outline eignet sich jedoch besser für den Unterricht, da man neben der Handlung der Szene noch weitere Informationen erhält.
In unserem Lehrgang konzentrieren wir uns auf unsere eigene Version eines Step-Outline, die auf der Zeitleiste basiert, die du schon für dein Pitch Deck erstellt hast.
Dein Step-Outline sollte Folgendes beinhalten:
1. Titelzeile:
Wird in GROSSBUCHSTABEN geschrieben. Hier finden sich einige praktische Informationen, die unter anderem im Zusammenhang mit der Produktion nützlich sind.
2. Vorherige Szene:
Hier findest du eine kurze Zusammenfassung dessen, was in der vorherigen Szene passiert ist und wie diese Szene endete. Diese Informationen sind hilfreich für den Übergang von der vorherigen zur aktuellen Szene. Vielleicht ist am Ende der letzten Szene etwas passiert, das du nutzen kannst, um die neue Szene einzuleiten? Vielleicht knallt eine Tür zu, sodass du die neue Szene mit einer sich öffnenden Tür beginnen kannst?
3. Die Figuren der Szene:
Hier steht, welche Figuren in der Szene vorkommen. Es sollen hier nur die Figuren genannt werden, die Einfluss auf den Verlauf der Szene haben.
4. Die Funktion der Szene:
Hier wird beschrieben, welche Funktion die Szene innerhalb der Gesamtgeschichte hat – wie treibt die Szene die Handlung voran? Welche neuen Informationen erhält die Hauptfigur/das Publikum in dieser Szene? Wie entwickelt sich die Hauptfigur im Laufe der Szene?
HINWEIS: Wenn du nicht auf mindestens eine dieser Fragen eine Antwort hast, solltest du dir überlegen, ob die Szene in deinem Film vorkommen sollte.
5. Die erste und letzte Einstellung der Szene:
Indem du das erste und das letzte Bild der Szene beschreibst, beginnst du, visuell zu denken – als natürlichen Bestandteil der Szene. Außerdem ist es beim Schreiben deines Drehbuchs von Vorteil, wenn du weißt, wie du in eine Szene einsteigst und wie du sie wieder verlässt.
6. Die Richtung der Szene:
Indem du festlegst, ob eine Szene eine positive (Aschenputtel) oder eine negative (Königsfall) Ausrichtung hat, kannst du schnell erkennen, ob zu viele positive oder negative Szenen aufeinanderfolgen. Außerdem hilft dir eine klar definierte Ausrichtung beim Schreiben der Szene im Drehbuch.
7. Der Konflikt der Szene:
Hier solltest du den zentralen Konflikt oder die Problemstellung der Szene kurz und präzise formulieren.
HINWEIS: Es gibt Szenen ohne Konflikt oder Problem – das können reine Übergangsszenen, Montage-Szenen oder Szenen sein, die der Stimmungsuntermalung dienen. Du solltest dir jedoch bewusst sein, dass in einem Kurzfilm nur begrenzt Platz für solche Szenen ist.
8. Beschreibung der Szene:
Hier fügst du eine kurze Beschreibung des Handlungsablaufs der Szene ein. Schreibe sie in der Gegenwartsform und in der Reihenfolge, in der die Handlungen stattfinden. Sie soll als kurze Zusammenfassung der Szene lesbar sein und mindestens den Anfang, den Mittelpunkt und das Ende der Szene enthalten.
Wenn du alle diese Punkte in deinem Step-Outline durchgehst, bekommst du mehr Klarheit über deine Erzählung und hast sie so im Griff, wenn du das eigentliche Drehbuch schreibst.
Auch wenn dein Step-Outline auf der Zeitleiste basiert, die du zuvor erstellt hast, solltest du offen für neue Ideen sein, die in dieser Phase auftauchen. Während du an deiner Geschichte arbeitest, wird sie sich ständig verändern und weiterentwickeln, und du solltest keine Angst haben, unterwegs Veränderungen vorzunehmen.
Übung – Schreibe dein Step-Outline


Lad die Übung auf dein Handy!
Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Lade dir unsere Vorlage für ein Step-Outline herunter (PowerPoint-Datei):
Füllt nun gemeinsam in der Gruppe euer Step-Outline aus.
Erstellt für jede Szene eures Films eine neue Folie, auch wenn es sich nur um eine kurze Szene handelt.
TIPP: Wenn ihr mit allen Szenen fertig seid, könnt ihr alle Szenenbeschreibungen in der richtigen Reihenfolge in ein Textverarbeitungsprogramm kopieren und durchlesen, um zu prüfen, ob die Geschichte einen guten Fluss hat. Auf diese Weise habt ihr gleichzeitig auch ein Mini-Treatment für eure Geschichte erstellt.
Die Dramatische Szene:
Das Drehbuch ist in Szenen unterteilt. Jedes Mal, wenn man den Handlungsort und/oder den Zeitpunkt für die Handlung wechselt, beginnt eine neue Szene. Wir könnten zum Beispiel eine Szene schreiben, in der ein Auto vor einem Hotel vorfährt, das wir von außen sehen. Dann schneiden wir in das Auto hinein, um zu hören, was die Darsteller sagen – das ist dann eine neue Szene, weil wir uns im Inneren des Autos befinden. Wenn wir dann wieder außerhalb des Autos schneiden, um zu sehen, wie die Personen aus dem Auto steigen, ist das eine neue Szene – also insgesamt 3 Szenen.
Wenn du eine Szene für deinen Kurzfilm schreibst, solltest du die Szene als eine kleine Geschichte für sich betrachten – das heißt, die Szene muss eigenständig funktionieren, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, genau wie die große Geschichte.
Neben Dialogszenen gibt es auch andere Szenen, wie zum Beispiel Actionszenen und insbesondere Transportszenen (Szenen, in denen sich eine Person von A nach B bewegt) – hier gilt genau dasselbe:
Eine Szene muss sich entwickeln, das heißt, es muss etwas Wichtiges in der Szene passieren – sonst ist sie langweilig und gehört nicht in den Film.
Überlege dir daher, ob wir wirklich sehen müssen, wie LISELOTTE vom Bahnhof zu LUCAS’ Wohnung geht – es sei denn, sie sieht, wie seine Freundin weinend aus seinem Haus rennt?
Wenn man eine Szene schreibt, verwendet man eine bestimmte Formatierung, damit man sofort einen Überblick darüber bekommt, wo und wann die Szene spielt, was die Schauspieler tun sollen und welche Dialoge sie führen sollen.
Alles in einer Szene wird in der Gegenwartsform geschrieben – genau wie im Film soll die Geschichte im Drehbuch hier und jetzt erlebt werden.
Die Formatierung einer Szene besteht aus drei Teilen:
1. Titelzeile:
Wird in GROßBUCHSTABEN geschrieben. Hier findest du einige praktische Informationen, die unter anderem im Produktionskontext nützlich sind:
SZENENNUMMER:
Gibt jeder Szene eine fortlaufende Nummer, beginnend mit 1.
EXT. oder INT. (INNEN/AUSSEN):
Gibt an, ob die Szene im Außenbereich (EXT.) oder im Innenbereich (INT.) spielt.
Diese Information ist unter anderem wichtig, um zu entscheiden, ob das Wetter bei den Dreharbeiten eine Rolle spielt oder nicht.
SCHAUPLATZ:
Der Ort, an dem die Szene in der Geschichte spielt. Wie detailliert diese Angabe sein soll, hängt davon ab, was für dein Drehbuch sinnvoll ist – finden beispielsweise mehrere Szenen in einem Haus in verschiedenen Räumen statt, dann gib hier die verschiedenen Räume an:
LISELOTTES HAUS – KÜCHE
TAG oder NACHT:
Gibt an, ob die Szene am Tag oder in der Nacht spielt. Wenn es wirklich wichtig ist, kann man zusätzlich zu „TAG“ oder „NACHT“ weitere Angaben machen, wie zum Beispiel: „FRÜH AM MORGEN“ oder „SONNENSCHEIN“
2. Regieanweisung:
Hier wird die Handlungen der Figuren erklärt oder was sonst gerade in dieser Szene passiert (man schreibt NICHT, was gleich passieren wird – das schreibt man erst, wenn es tatsächlich geschieht).
Wenn man eine Figur in der Regieanweisung erwähnt, schreibt man den Namen in GROSSBUCHSTABEN. Wenn man eine Person zum ersten Mal in einer Regieanweisung erwähnt, schreibt man ihr Alter in Klammern – LISELOTTE (23).
Es ist verboten, Gefühle oder Gedanken in eine Regieanweisung zu schreiben – wir können nur Personen und ihre Handlungen filmen, nicht was sie denken oder fühlen. Anstatt zu schreiben, dass die Person traurig ist, kannst du schreiben, dass sie Tränen in den Augen hat. Als Faustregel gilt: Alles, was in der Regieanweisung steht, muss zu sehen oder zu hören sein.
Sei konkret in Bezug auf das Geschehen. Anstelle von: „LISELOTTE sucht etwas“ kann man schreiben: „LISELOTTE öffnet die Schublade des Schreibtisches und wirft deren Inhalt wütend auf den Boden“. Je konkreter du die Regieanweisung formulierst, desto besser kann der Schauspieler die Szene spielen.
Regieanweisungen können Anweisungen an Schauspieler geben, ein Ereignis beschreiben („vor dem Fenster ist ein lauter Knall zu hören“) oder einen Hinweis auf die Stimmung geben („schwaches Mondlicht wirft einen bläulichen Schimmer auf die Gestalt am Fenster“).
3. Dialog:
Dialoge sind die Worte, die die Schauspieler in einer Szene sprechen. Vor dem Dialog steht der Name der Figur, die den Dialog spricht. Der Name wird in GROSSBUCHSTABEN geschrieben, und Name und Dialog stehen in der Mitter auf der Seite:
LISELOTTE
Kommst du heute Abend zur Party?
Dialoge sollten in Umgangssprache geschrieben werden und zur Figur passen. Versuche, so wenige Dialogzeilen wie möglich zu schreiben, und frage dich, ob du etwas zeigen könntest, anstatt es zu sagen.
Anstatt zu schreiben:
LISELOTTE
Ich liebe dich!
könntest du in der Regieanweisung schreiben:
Liselotte schaut ihm tief in die Augen und lächelt, während sie seine Hand in ihre nimmt.
Illustration:
Wie du in der Illustration oben sehen kannst, gibt es eine gute Abwechslung zwischen Regieanweisungen und Dialogen. Wenn du nur Dialoge ohne Regieanweisungen schreibst, ist es für die Schauspieler schwierig, die Szene zu spielen, denn sie sehen zwar, was sie sagen sollen, erhalten aber keine Informationen darüber, wie sie die Szene spielen sollen.
Als Faustregel gilt, dass pro drei Dialoge eine Regieanweisung stehen sollte, um sicher zu sein, das auch genügend Handlung zwischen den Repliken passieren.
Schau dir die erste Szene vom dem Kurzfilm „Unten Durch“ an (bis das kleine Mädchen seine Mutter ruft):
Wie du sehen kannst, passieren zwischen den einzelnen Repliken die von den Schauspielern gesprochen werden kleine Mini-Geschichten, die uns etwas über die Figuren und deren reaktion auf das was passiert erzählen. Diese kleinen Augenblicke in einem Film nennt man auch „Beats“.
Beats: Handlungsmomente innerhalb einer Szene, in denen etwas passiert, das die Handlung, die Emotion oder die Dynamik zwischen Figuren verändert.
Schau dir die Szene noch einmal an und achte darauf, wie viele Beats es in der Szene gibt:
Wie du siehst, passiert in der Szene ständig etwas, das die Beziehungen zwischen den Figuren verändert und die Handlung vorantreibt. Das bedeutet nicht, dass es keine Pausen oder langsame Momente geben darf, im Gegenteil – allerdings müssen sowohl die Pausen als auch das langsame Tempo einen Zweck in der Erzählung erfüllen, sonst kommt die Geschichte zum Stillstand.
Versuche, dir die Szene im Kopf vorzustellen, während du sie schreibst. Wenn du dir deine Szene visualisierst, fällt es dir leichter herauszufinden, wo sich viel abspielen soll und wann die Erzählung etwas mehr Raum zum Atmen braucht.
Eine Szene wird auf eine besondere Weise geschrieben, und auch wenn du die richtige Formatierung der Szene in einem Textverarbeitungsprogramm machen kannst, ist es viel einfacher, dein Drehbuch in einem Drehbuchprogramm zu schreiben. Es gibt eine Reihe verschiedener Möglichkeiten, wir empfehlen jedoch Celtx, ein Online-Drehbuchprogramm:
Du musst zunächst ein Benutzerkonto erstellen und kannst anschließend dein Filmprojekt einrichten. Du kannst das Projekt mit deinen Teamkollegen teilen, die ebenfalls daran mitarbeiten können; allerdings kannst du in der kostenlosen Version nur ein einziges aktives Projekt einrichten.
Haftungsausschluss: Wir stehen in keiner Verbindung zu Celtx oder einem seiner Partner und ziehen keinerlei finanziellen oder sonstigen Vorteil daraus, Celtx zu empfehlen.
Übung – Regieanweisungen


Lad die Übung auf dein Handy!
Dies ist eine individuelle Aufgabe.
Erstelle einen Benutzer bei Celtx (oder einem anderen Drehbuchprogramm):
Lese das folgende kurze Drehbuch:
PERSON A
Kannst du mir vergeben?
PERSON B
Was meinst du damit?
PERSON A
Kannst du mir vergeben, wenn ich verspreche, dass ich es nie wieder tun werde?
PERSON B
Vielleicht.
PERSON A
Vielleicht?
PERSON B
Vielleicht!
Erstelle ein neues Drehbuchprojekt in deinem Drehbuchprogramm und füge die Dialoge aus dem kleinen Drehbuch in das Projekt ein.
Lege fest, wo und wann diese Szene spielt, indem du dies in die Titelzeile einträgst.
Nun sollst du Regieanweisungen hinzufügen, die der Szene Rhythmus verleihen – was sollen die Schauspieler ZWISCHEN den Dialogen tun? Sollen sie herumlaufen? Wann und wie sollen sie einander ansehen? Was können sie sonst noch tun? Sei kreativ.
Du sollst zwischen jeder Dialogzeile sowie am Anfang und am Ende der Szene eine Regieanweisung schreiben.
Wenn ihr fertig seid, könnt ihr euch gegenseitig einige Beispiele vorlesen und sehen, wie sich die Szenen unterscheiden.
Vom ersten Entwurf zum fertigen Drehbuch:
Wenn du dein Drehbuch schreibst, solltest du bei jeder Szene so vorgehen, wie im vorherigen Kapitel beschrieben. Denk aber auch daran, den Übergang von einer Szene zur nächsten zu berücksichtigen, damit wir als Zuschauer den Wechsel von Zeit und Ort spüren können. Es kann im Schnitt auch manchmal schwierig sein, direkt von einer Person zu schneiden, die sich an einem Ort befindet, und dann zu derselben Person zu schneiden, die einige Stunden später an einem anderen Ort ist. Versuche, dazwischen etwas einzufügen, das Sinn ergibt und vielleicht bestimmte Gefühle und Stimmungen unterstreichen kann.
HINWEIS: Sogenannte Transportszenen wirken oft langweilig, speziell wenn auf dem Wege nichts passiert – versuche etwas in solche Szenen einzubauen, was relevant für die Geschichte oder die Figuren ist.
Als Faustregel kannst du davon ausgehen, dass eine Seite deines Drehbuchs etwa einer Minute in deinem fertigen Film entspricht – vorausgesetzt, du verwendest die richtige Formatierung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel kann eine Montageszene im Drehbuch nur ein paar Zeilen umfassen, im fertigen Film aber 30 Sekunden oder länger dauern. Als Ausgangspunkt kann man jedoch sagen: Wenn du einen Film von 4–6 Minuten Länge drehen willst, sollte dein Drehbuch etwa 4–6 Seiten umfassen.
In der Regel erstellt man mehrere Entwürfe des Drehbuchs, um die Entwicklung der Geschichte nachvollziehen zu können. Der erste Entwurf wird als „First Draft“ bezeichnet.
“The first draft of anything is 💩”
Ernest Hemingway, Autor
Wie du dem obigen Zitat des berühmten Schriftstellers Ernest Hemingway entnehmen kannst, solltest du nicht davon ausgehen, dass dein erster Entwurf bereits gut genug ist, um als fertiges Drehbuch (auch Shooting Script oder Final Draft genannt) zu dienen.
Wie viele Überarbeitungen du vornehmen musst, hängt von deinem Projekt und der Komplexität der Geschichte ab. In der Regel wird dein erster Entwurf etwas zu lang sein, und die Dialoge werden noch nicht ganz natürlich wirken – konzentriere dich daher bei jeder Überarbeitung darauf, deinem Drehbuch mehr und mehr Fluss zu verleihen, bis du das Gefühl hast, dass du es nicht mehr verbessern kannst. Und dann hast du dein fertiges Drehbuch.
Übung – Schreibe dein Drehbuch


Lad die Übung auf dein Handy!
HINWEIS: Diese Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und sollte in mehreren Etappen durchgeführt werden.
Arbeite mit deinem Filmteam zusammen.
Erstelle für jede Person im Filmteam einen Benutzer bei Celtx (oder einem anderen Drehbuchprogramm):
Schreibt nun gemeinsam in der Gruppe euer Drehbuch. Nutzt dabei gerne alle Informationen aus eurer Zeitleiste und eurem Pitch-Deck.

































