„Filmdramaturgie“

– Dein dramaturgischer Baukasten –

© Netflix Pitch Workshop

„Geschichtenerzählen ist die wirkungsvollste Methode, um Ideen in die Welt zu setzen“

Robert McKee, Professor und Autor

Die Dramaturgie beschreibt, wie eine Geschichte so strukturiert werden kann, dass das Publikum in eine dramatische Erzählung eingebunden und gefesselt wird – in unserem Fall eine Filmgeschichte. Das Publikum muss die Geschichte also verstehen (die Struktur erkennen) und sich mit ihr identifizieren können (der Inhalt muss für den einzelnen Zuschauer Sinn ergeben).

Geschichten sind als kreative Konstruktionen zu verstehen, ähnlich wie ein komponiertes Musikstück, bei dem das Einzigartige aus der Mischung zwischen der ursprünglichen Idee und bekannten Elementen entsteht. Die Struktur ist somit das Gerüst, an dem du deine Geschichte aufhängen kannst, und selbst die größten Filmemacher bedienen sich meist der dramaturgischen Grundprinzipien, die wir in diesem Lehrgang durchgehen.

„Freiheit tötet die Kunst“ ist ein Mantra, das viele Künstler aktiv in ihrem kreativen Prozess verwenden. Dramaturgische Strukturen können beim ersten Blick etwas starr und restriktiv wirken, aber du solltest die Einschränkungen eher als Hilfe betrachten, um deine Geschichte auf Kurs zu halten. Innerhalb dieser Grenzen kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen, um deine eigene einzigartige und individuelle Filmgeschichte zu bauen.

Der Einfachheit halber konzentrieren wir uns in diesem Lehrgang auf kurze fiktionale Geschichten, deren Handlung von einem Konflikt vorangetrieben wird. Diese Art von Geschichte ist weit verbreitet, sodass du viele der dramaturgischen Elemente wiedererkennen wirst, wenn du selbst Filme oder Serien ansiehst. Der Lehrgang baut auf eigenen Erfahrungen, Story-Workshops unter anderem mit Netflix sowie Fachliteratur wie „Story“ von Robert McKee und „Save the Cat“ von Blake Snyder.

In den folgenden Kapiteln bekommst du einen Einblick in den Maschienenraum des filmischen Erzählens und lernst, dramaturgische Werkzeuge wie Konflikt, Wendepunkt und Call to Adventure anzuwenden. Du wirst dich unter anderem mit folgenden Themen beschäftigen:

HINWEIS: Eine alternative Arbeitsweise besteht darin, deine Geschichte so zu schreiben, wie es dir am besten gefällt, ohne dir allzu viele Gedanken über die Struktur zu machen.
Anschließend kannst du sie anhand der folgenden Modelle überprüfen und korrigieren – diese Vorgehensweise eignet sich am besten, wenn dir das Schreiben ohnehin leicht fällt.


Kapitel 1: Dramaturgische Modelle – die dramatische Struktur

“Ob zum Guten oder Schlechten, ein Ereignis bringt das Leben einer Figur aus dem Gleichgewicht und weckt in ihr das bewusste und/oder unbewusste Verlangen nach dem, was ihrer Meinung nach das Gleichgewicht wiederherstellen wird, und schickt sie auf die Suche nach ihrem Objekt des Verlangens, wobei sie sich den Kräften des Antagonismus (innerlich, persönlich, außerpersönlich) entgegenstellen muss. Sie kann ihr Ziel erreichen oder auch nicht. Das ist Geschichtenerzählen in aller Kürze.”

Robert McKee, Professor und Autor

Film ist ein relativ junges Medium für Erzählungen, weshalb sich seine Dramaturgie auch an Erzählmodellen orientiert, die seit vielen Jahrtausenden verwendet werden und die du
beispielsweise aus der Literatur bereits kennst.

Dramaturgische Modelle können uns beim Aufbau unserer Erzählungen helfen und als Leitfaden dienen, wenn wir im Entwicklungsprozess unserer Geschichten nicht weiterkommen. Du kannst mehrere Modelle gleichzeitig verwenden, da sie sich eher ergänzen als miteinander konkurrieren.

Du kennst vielleicht schon einige dramaturgische Modelle, wie das Aktantenmodell zum Beispiel. Diese Modelle sind hervorragende Modelle um fertige Geschichten zu analysieren, zum Geschichtenbauen sind diese Modelle allerdings weniger gut geeignet. Deshalb werden wir in diesem Lehrgang nicht näher darauf eingehen, aber du kannst hier mehr darüber lesen:

Darüber hinaus gibt es andere, mehr experimentelle Formen von Erzählstrukturen:

In unserem Lehrgang gehen wir jedoch von einem eher klassischen Verständnis von Dramaturgie aus, nämlich dass eine Geschichte eine bewusste Konstruktion ist mit einem Anfang, einem auslösenden Ereignis, einem Hindernis, das dem Willen oder Wunsch der Hauptfigur im Weg steht, und einem Ende, das den Konflikt oder das Problem auflöst.

Im folgenden Abschnitt gehen wir die gängigsten dramaturgischen Modelle durch, und wie du sehen wirst, haben sie viele Gemeinsamkeiten. Wir gehen die wichtigsten Story Events (wichtige Ereignisse in einer Geschichte) durch und schlagen schließlich eine einfache Struktur vor, die Elemente aus den verschiedenen Modellen kombiniert und sich gut für kürzere Filmgeschichten eignet.


Struktur & Wendepunkte:

„Die Struktur ist wie ein Glas Wasser – wichtig ist nicht das Glas, sondern was man hineinfüllt. Aber ohne das Glas kann man den Inhalt nicht festhalten. Die Struktur hält die Geschichte zusammen.“

Pia Tafdrup, Autorin

Wie du dem obigen Zitat von Pia Tafdrup entnehmen kannst, ist das Wichtigste an einer Filmgeschichte der Inhalt, also das, was du erzählen möchtest. Die Struktur ist wie ein Skelett, an der du deine Geschichte festmachen kannst – dadurch hilft dir die Struktur, deine Geschichte zu erzählen.

Dem Glas ist es egal, ob du Wasser, Kaffee oder Apfelsaft reinfüllst – es hält die Flüssigkeit auf jeden Fall fest. Genauso ist es auch mit einer guten dramatischen Struktur:
Es ist ihr „egal“, ob es sich um eine lustige oder traurige Geschichte, ein episches Drama oder einen kleinen Thriller handelt, den du erzählen möchtest. Die Struktur hilft dir dabei, die Reihenfolge der einzelnen Handlungen zu finden und die wichtigen Momente deiner Erzählung (Story Events) zu identifizieren.

Story-Events sind Ereignisse, in denen etwas Neues für die Handlung oder die wichtigsten Figuren passiert (meistens für beides) – das kann sein, dass die Hauptfigur neue Informationen erhält, die sie zum Handeln oder zu einer Strategieänderung veranlassen, oder es kann etwas Neues in unsere Welt eindringen – zum Beispiel ein UFO mit gefährlichen Außerirdischen. Oftmals geben diese Ereignisse der Geschichte eine neue Richtung – dann nennt man sie auch Wendepunkte.

Wendepunkte sind eines der wichtigsten Prinzipien einer Erzählung – wenn in einer Geschichte nichts passiert, ist sie langweilig. Wendepunkte werden überall verwendet,
sowohl im großen Erzählbogen als auch in den einzelnen Szenen, die je nach Länge der Szene einen oder mehrere Wendepunkte enthalten sollten.

Einer der bekanntesten Wendepunkte ist der sogenannte Point of no Return (Punkt ohne Wiederkehr oder Mittpunkt) – er liegt immer in der Mitte der Geschichte, wo ein entscheidendes Ereignis
für die Hauptfigur stattfindet, und wo die Handlung der Geschichte eine neue Richtung nimmt.

Sieh dir den Kurzfilm „Signs” von Patrick Hughes an und achte auf die verschiedenen Wendepunkte, an denen etwas Neues für die Hauptfigur passiert. Wenn du den Film gesehen hast, schreibe eine kurze Zusammenfassung der Handlung und beschreibe die verschiedenen Wendepunkte, wo sich die Handlung der Geschichte verändert.

Kurzfilm „Signs“:

Die großen Wendepunkte im Kurzfilm „Signs“ lassen sich anhand einer Zeitleiste veranschaulichen:

Illustration:

Neben den großen Wendepunkten gibt es im Film auch ständig kleinere Wendepunkte. Ganz am Anfang, als Jason auf einer Bank sitzt und eine junge Frau sieht, die auf ihn zukommt zum Beispiel – hier „wendet“ sich die Szene, weil die junge Frau nicht zu Jason will, sondern etwas Müll in den Mülleimer wirft. Wendepunkte können sehr groß oder sehr klein sein.

Wendepunkte machen deine Geschichte spannend und interessant, weil etwas Neues passiert, und dadurch das Publikum überrascht wird. Auf diese Weise kann man sagen, dass Wendepunkte den Rhythmus deiner Erzählung bestimmen – gibt es viele Wendepunkte in kurzer Zeit (zum Beispiel in Actionszenen), dann geht es schnell, und wenn es wenige oder keine Wendepunkte gibt, ist die Erzählung langsam und ruhig.


Die Drei-Akt-Struktur:

Diese Vereinfachung der 3-Akt-Struktur wird auch als „Zuhause-Weg-Zuhause-Modell” oder „Reise und Rückkehr“ bezeichnet und ist wahrscheinlich eine der einfachsten Strukturen, die du beim Aufbau deiner Geschichte verwenden kannst. Hier wird die gesamte Reise der Hauptfigur beschrieben, die zunächst in ihrer gewohnten/sicheren Umgebung (Zuhause) beginnt. Die Hauptperson wird dann in ihrem Alltag gestört, entweder durch etwas, das sie selbst erreichen möchte (Wille), oder durch etwas Äußeres, das sie zwingt, in die Welt hinauszuziehen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Am Ende der Geschichte kehrt die Hauptfigur wieder nach Hause zurück, in die Geborgenheit, aber sie hat dennoch etwas aus ihrer Reise gelernt (das neue Zuhause).

Die eigentliche 3-Akt-Struktur ist etwas komplizierter (gilt für längere Erzählungen):

Illustration:

© Netflix Pitch Workshop

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, wobei jeder Aktwechsel auch einen Wendepunkt (Story Event) in der Geschichte darstellt:


Die Heldenreise:

Das Konzept der Heldenreise wurde von Joseph Campbell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt, indem er beliebte Volksmärchen aus aller Welt verglich, um zu sehen, ob es Gemeinsamkeiten zwischen ihnen gibt – und die gibt es.

1949 schrieb Campbell das bahnbrechende Buch „Der Held mit den tausend Gesichtern“, in dem er seine Entdeckungen in ein dramaturgisches System einordnet. Heute ist die Heldenreise eines der am häufigsten verwendeten dramaturgischen Modelle in der populären Filmproduktion. Von „Star Wars“ über Marvels Superheldenfilme bis hin zu „Harry Potter“ nutzen fast alle epischen Erzählungen die Grundprinzipien des Helden, der
sich auf eine Reise begibt.

In Campbells ursprünglichem Modell für die Heldenreise gab es 17 Story-Events, bei denen etwas Entscheidendes passiert, das Einfluss darauf hat, wie die Hauptfigur ihre Reise durch die Geschichte fortsetzt. Diese 17 Punkte wurden später auf die 12 Punkte reduziert, die wir in der heutigen Filmdramaturgie verwenden.

Illustration:

Ein Merkmal der Heldenreise ist das, was Campbell als „Crossing the Threshold” (die Schwelle überschreiten) bezeichnet, bei dem der Protagonist seine bekannte Welt
verlässt und in eine besondere Welt eintritt. In vielen Erzählungen, die auf der Heldenreise basieren, wird dieser Moment ziemlich wörtlich genommen – Luke Skywalker verlässt seinen Heimatplaneten in „Star Wars IV“, Harry Potter geht durch eine Wand am Bahnhof um den Zug nach Hogwarts zu erreichen, die Kinder gehen durch den Schrank in „Narnia“ und in „Der Herr der Ringe“ verlassen Frodo und seine Freunde das Shire mit den Worten: „Noch einen Schritt weiter, dann sind wir weiter weg von Zuhause wie noch nie.“

In einer kürzeren Erzählung wie dem Kurzfilm, gibt es in der Regel weder Bedarf noch Platz für alle Story-Events in der Heldenreise. Daher ist es sinnvoller, das Modell auf die wichtigsten Wendepunkte zu reduzieren: Auftakt/Beginn, Call to Adventure (entspricht der auslösenden Handlung oder dem inciting incident), das Überschreiten der Schwelle in die unbekannte Welt, Mittelpunkt (point of no return) und Auflösung/Ende.

Illustration:

Obwohl es Ähnlichkeiten zur 3-Akt-Struktur gibt (auslösende Handlung und Mittelpunkt), besteht der große Unterschied darin, dass die Welt der Geschichte (The Story Universe)
ein integraler Bestandteil der Heldenreise ist, während es bei der 3-Akt-Struktur ausschließlich um die Hauptfigur der Geschichte geht.

Kurze Zusammenfassung der Heldenreise:

Wenn du mehr über die Heldenreise erfahren möchtest, schau dir das folgende Video an:

DIE HELDENREISE: In 12 Stationen durch eine Geschichte


Dan Harmon’s Erzählkreis:

Der amerikanische Autor Dan Harmon (bekannt als Mitbegründer der Zeichentrickserie „Rick & Morty“) hat eine vereinfachte Version von der Heldenreise entwickelt, die als Dan Harmons Story Circle bekannt ist. Das Modell konzentriert sich insbesondere auf die innere Entwicklung der Hauptfigur und wird häufig in Fernsehserien und Filmen mit
charakterorientierten Erzählungen verwendet, da es eine klare und emotional fesselnde Struktur schafft.

Es beginnt damit, dass sich die Hauptfigur in einer vertrauten Situation befindet (1), aber etwas vermisst oder sich etwas wünscht (2). Um dies zu erreichen, muss sich die Figur ins
Unbekannte begeben (3) und sich an die neue Umgebung anpassen (4). Danach findet die Figur, was sie sucht (5), aber das hat einen Preis – oft emotional oder moralisch (6).
Die Figur kehrt zu ihrem Ausgangspunkt zurück (7), ist aber nun durch die Reise verändert (8).

Illustration:

© Netflix Pitch Workshop

Wie du in der Abbildung oben sehen kannst, hat Dan Harmon auch die bekannte 3-Akt-Struktur in sein Modell aufgenommen, einschließlich Aktwechsel und Mittelpunkt. Die bekannte und unbekannte Welt aus der Heldenreise wurde durch Ordnung und Chaos ersetzt, was dem Modell auch eine eher charakterorientierte Richtung gibt.


Blake Snyder’s Beat Sheet:

Der Vollständigkeit halber sollten wir auch Blake Snyders „Beat Sheet“ erwähnen. Blake Snyder ist ein US-amerikanischer Drehbuchautor, der vor allem für sein Buch „Save the Cat!“ („Rettet die Katze!“)bekannt ist, wo er sich mit der Dramaturgie von Mainstream-Spielfilmen befasst.

Das „Beat Sheet“ besteht aus 15 sogenannte „Beats“ – wichtigen Punkten in einer Erzählung, die die Handlung strukturieren und für Dynamik und die emotionale Beteiligung der Zuschauer sorgen. Es beginnt mit dem Eröffnungsbild, das den Ton der Geschichte angibt, gefolgt vom Set-Up, in dem die Hauptfigur und ihre Welt vorgestellt wird. Danach kommt der Catalyst (die auslösende Handlung) – ein Ereignis, das das Leben der Hauptfigur auf den Kopf stellt. In der Debatte zögert die Hauptfigur, bevor sie in Break into Two (2. Akt) in den Hauptteil der Geschichte eintritt. Der Mittelpunkt (Point of no Return) markiert einen Wendepunkt, an dem sich alles ändert, und Bad Guys Close In erzeugt Druck. All Is Lost ist der Tiefpunkt der Geschichte, gefolgt von Break into Three (3. Akt), wo sich die Lösung abzeichnet. Am Ende folgt das Finale, in dem der Konflikt gelöst wird, und das Abschlussbild, das die Veränderung zeigt.

Als Besonderheit verwendet Blake Snyder Filmbilder am Anfang und am Ende der Erzählung, wodurch die Struktur bereits mit den visuellen Elementen der Filmhandlung arbeitet. Sieh dir den folgenden Videoclip an, in dem das erste und das letzte Bild bekannter Spielfilme zusammengeschnitten wurden. Achte darauf, wie oft diese beiden Bilder zusammenpassen, da bereits in der Entwicklungsphase sowohl das Eröffnungs- als auch das Schlussbild einbezogen wurden.

Erstes und letztes Filmbild:

Wenn du mehr über Blake Snyders Beat Sheet erfahren möchtest, findest du es hier:

Das Beat-Sheet-Modell wurde für Mainstream-Hollywoodfilme entwickelt, weshalb es für uns sinnvoller ist, die 15 Story-Ereignisse auf 5 Punkte zu reduzieren, die für einen Kurzfilm wichtig sind:

Illustration:

Jetzt sind wir die wichtigsten dramaturgischen Modelle durchgegangen, die in der internationalen Filmindustrie zur Entwicklung und Produktion von Filmen und Serien – also
den Langformaten – verwendet werden. Im nächsten Abschnitt reduzieren und verdichten wir die relevanten Elemente aus den verschiedenen Modellen zu einem einfachen Modell, das für die Entwicklung von Kurzfilmgeschichten geeignet ist.


Kapitel 2: Dramaturgische Werkzeuge

Genau wie bei den langen Filmformaten, also Spielfilmen und Fernsehserien, muss ein Kurzfilm eine komplette Geschichte erzählen, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Aber wie der französische Filmregisseur Jean-Luc Godard sagen würde: „Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge“ (frei nach Godard – er war dafür bekannt, mit klassischen Erzählformen zu brechen und mit der Struktur des Films zu experimentieren – dieses Zitat spiegelt genau seine Herangehensweise wider: Filme müssen keiner linearen Chronologie folgen, um eine starke Geschichte zu erzählen.)

Im folgenden Kapitel beschäftigen wir uns mit einigen ganz konkreten Werkzeugen, die du zur Strukturierung deiner Geschichte verwenden kannst. Die Werkzeuge sind als Hilfsmittel zu verstehen und nicht als allgemeingültige Wahrheiten. Nicht alle genannten Werkzeuge sind für alle Arten von Geschichten geeignet – wenn du beispielsweise einen sehr experimentellen Kunstfilm drehen möchtest, benötigst du möglicherweise eine andere Struktur und andere Werkzeuge, um deine Erzählung aufzubauen. Diese Werkzeuge gehören jedoch zum Grundwissen der Filmdramaturgie.

Wenn du lieber erst mal deine ganze Geschichte oder nur Teile davon aufschreiben möchtest, kannst du diese Werkzeuge später nutzen, um die Struktur deiner Geschichte zu verfeinern – es gibt keine Regeln dafür, wie und in welchem Umfang du die Werkzeuge einsetzt, sie können dir aber beim Aufbau deiner Geschichte viel helfen. Es gibt jedoch eine goldene Faustregel, die in den meisten Fällen beachtet werden sollte:

Natürlich gibt es Ausnahmen von dieser Faustregel, aber in den meisten Fällen ist es sinnvoll, Zeit, Ort und die Anzahl der Personen in einem Kurzfilm zu begrenzen, damit sich die Geschichte entfalten kann. Es gibt einfach nicht genug Zeit, ständig neue Elemente einzuführen.


Die vertraute Welt – der Anfang:

Der Anfang einer Geschichte erfüllt zwei Zwecke:

  • Zunächst muss ein Anfang die vertraute Welt definieren, bevor sie gestört wird. Es wäre ja eine furchtbar langweilige Geschichte, wenn während der gesamten Handlung alles in bester Ordnung wäre. Um die Störung zu verstehen, müssen wir jedoch zunächst die Normalität/Ordnung ohne Störung erleben – also die gewöhnliche Welt, in der alles so ist, wie es sein soll –, bis das Problem/der Konflikt/der Wille (das auslösende Ereignis) auftaucht. In einer Kurzgeschichte muss diese Etablierung der normalitet kurz gehalten werden – aber es muss dennoch genügend Raum bleiben, damit sich das Publikum den Alltag der Hauptfigur vorstellen kann. Versuche hier kreativ zu sein – wie kann man so konkret und kompakt wie möglich erzählen, wie das normale Leben der Hauptfigur aussieht?
  • Der zweite Zweck des Anfangs der Geschichte besteht darin, einen Vertrag mit dem Publikum abzuschließen – das Publikum muss sich schließlich dazu entscheiden weiterzuschauen. Laut Netflix entscheidet das Publikum innerhalb der ersten 5 Sekunden unbewusst, ob es den Film sehen will oder nicht (Netflix Pitch Workshop, 2021). Das bedeutet, dass du dein Publikum von Anfang an fesseln musst, und das erreichst du, indem du diese drei Fragen so schnell wie möglich beantwortest:

Findet ein paar Eröffnungsszenen von euren Lieblingsfilmen oder -Serien und seht die gemeinsam mit der Klasse an. Findet gerne verschiedene Genres, damit ein wenig Abwechslung dabei ist. Schaut euch gerne 4-5 Szenen hintereinander an, und versucht ein Muster zu erkennen.
HINWEIS: Eine Szene wird als eine kontinuierliche Handlung definiert, die am selben Ort und zur selben Zeit stattfindet – das heißt, wenn wir entweder den Ort und/oder die Zeit wechseln, ergibt sich eine neue Szene.

Denke über die drei Fragen nach: Wer, Was, Wo? Bespreche dies gerne in der Klasse nach jeder Eröffnungsszene.

Manchmal besteht der Anfang eines Films aus einer Sequenz von Szenen und nicht nur aus einer einzelnen Szene. Eine Sequenz bedeutet, dass man eine Reihe von Szenen hat, die nacheinander kommen, aber dasselbe Thema/denselben Zweck haben – zum Beispiel die Geschichte zu beginnen. Das könnte beispielsweise der hektische Morgen sein, der im Schlafzimmer beginnt, wo der Wecker nicht geklingelt hat, dann im Badezimmer, wo keine Zahnpasta mehr da ist, und schließlich in der Küche, wo das Toastbrot angebrannt ist, während die kleine Schwester Milch überall verschüttet hat. Hier hätten wir eine Sequenz mit drei Szenen, die zusammenhängen (Schlafzimmer, Badezimmer und Küche).


Übung – Schreibe eine Eröffnungsszene


Lad die Übung auf dein Handy!


Call to Adventure – Das auslösende Ereignis:

Das auslösende Ereignis (inciting incident) ist der erste große Wendepunkt in einer Erzählung. Hier beginnt die eigentliche Geschichte, nachdem das Publikum in die normale Welt unserer Hauptfigur eingeführt wurde.

Mit dem auslösenden Ereignis wird die Normalität gestört, und die Hauptfigur muss nun handeln, um die Normalität wiederherzustellen. Man könnte auch sagen, dass durch die auslösende Handlung das Leben aus dem Gleichgewicht gerät und der Rest der Geschichte damit verbracht wird, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen – ob dies gelingt ist eine andere Frage.

Im Zuge der Entwicklung der filmischen Dramaturgie, in der die Etablierung (Eröffnungsszene/Sequenz)einer Geschichte kürzer geworden ist (insbesondere in Serienformaten), sollte das auslösende Ereignis auch so früh wie möglich stattfinden, am besten unmittelbar nachdem man dem Publikum die Normalität vermittelt hat.

Die auslösende Handlung ist somit der Katalysator für die gesamte Geschichte – ohne sie müsste unsere Hauptfigur nicht handeln, und die Geschichte würde somit nie stattfinden. Daher ist die auslösende Handlung auch eines der wichtigsten Story-Events in einer Geschichte.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für die auslösende Handlung, wie der russische Schriftsteller Leo Tolstoi bereits vor über hundert Jahren behauptete:

Illustration:

In Bezug auf die auslösende Handlung kann das obenstehende Zitat wie folgt verstanden werden:

Schau dir den kurzen Animationsfilm „For the Birds“ an – hier wird ganz deutlich, um welche der beiden Möglichkeiten es sich handelt:

Kurzfilm „For the Birds“

Zuerst sehen wir, wie die kleinen Vögel auf der Stromleitung ankommen. Sie zanken und necken sich gegenseitig, und wir bekommen den Eindruck, dass dies jeden Tag so geschieht (die bekannte Welt). Doch plötzlich hören wir ein unbekanntes Geräusch, und ein großer Vogel stört unsere Idylle (ein Fremder kommt in die Stadt) – und damit beginnt die Geschichte. Zuerst machen sich die kleinen Vögel über den großen Vogel lustig, entfernen sich aber auch ein wenig von ihm (Verweigerung des Rufs), doch dann setzt sich der große Vogel auf die Leitung und stört die bekannte Welt so sehr, dass die kleinen Vögel auf diese Störung reagieren müssen (die Schwelle überschriten) – Übergang in die besondere/unbekannte Welt.

Denk an deine Lieblingsfilme oder -Serien – welche Geschichte ist es? Ein Fremder kommt in die Stadt, oder jemand geht auf eine Reise? Beschreibe kurz das auslösende Ereignis. Teilt ein paar Beispiele in eurer Klasse und diskutiert die sie.

Denk dran: Eine starke auslösende Handlung trägt dazu bei, dass deine das wir als Publikum die Hauptfigur anhand ihrer Motivation verstehen, nämlich die Störung ihres normalen Lebens zu beheben, und damit ihren Willen zu bekommen.


Aschenputtel & Der Königsfall:

Das Aschenputtel/Königsfall-Modell basiert in all seiner Einfachheit auf der Erkenntnis, dass in einer Geschichte etwas passieren muss. Eine Geschichte ist ja eine Reise, entweder eine innere oder eine äußere Reise, meistens jedoch beides. Wenn dann auf dieser Reise etwas passiert, kann dies entweder einen positiven oder einen negativen Effekt auf die Hauptfigur oder die Handlung (der Plot) haben.

Nehmen wir zum Beispiel die Geschichte von Aschenputtel: Die Geschichte beginnt damit, dass Aschenputtel bei ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern lebt, die sie nicht besonders gut behandeln. Aschenputtel lebt zunächst im Keller (weit unten), aber im Laufe der Geschichte kommt sie aus dem Keller heraus und wird schließlich Prinzessin und lebt im Schloss (weit oben). Mit anderen Worten, die Geschichte entwickelt sich vom Schlechten zum Guten – ein Happy End.

Illustration:

Umgekehrt ist Shakespeares „Macbeth“ ein gutes Beispiel für eine Figur, die von Machtgier getrieben ist und am Ende alles verliert – sogar ihr eigenes Leben. Mit anderen Worten: Die Geschichte entwickelt sich vom Guten zum Schlechten – mit tragischem Ende.

Illustration:

Illustration:

Mit Ausgangspunkt in diesem Modell ist es ratsam, sich frühzeitig zu überlegen, wie du deine Geschichte beenden möchtest – so fällt es leichter, den Anfang zu finden. Wenn du beispielsweise weißt, dass deine Hauptfigur am Ende Prinzessin im Schloss wird, ist es sinnvoll, umgekehrt zu beginnen – beispielsweise im Keller. Auf diese Weise erreichst du eine große Entwicklung sowohl der Handlung als auch der Figur.

Eine Geschichte verläuft natürlich nicht nur positiv oder negativ, sondern wechselt ständig zwischen diesen beiden Bewegungen. Man spricht auch von einer „Achterbahnfahrt der Gefühle”, die oft die Richtung wechselt und das Publikum zum Lachen und dann zum Weinen bringt, ihm ein Gefühl der Sicherheit vermittelt und es dann wieder in Angst versetzt.

Siehe das Beispiel der Aschenputtel-Geschichte:

Illustration:

Dieses Modell kann dir dabei helfen, deiner Geschichte und den einzelnen Szenen eine Richtung zu geben – entweder von schlecht zu gut oder von gut zu schlecht. Wenn du beispielsweise in deinem Drehbuch feststellst, dass du viele „Tiefpunkte” hintereinander hast, ist es vielleicht eine gute Idee, zwischendurch einige „Höhepunkte” einzubauen.

Das Modell kann auch auf einzelne Teile der Geschichte angewendet werden, sodass in einer einzelnen Szene mit zwei Personen eine Figur eine Aschenputtel– und die andere eine Königsfall-Entwicklung durchläuft – hier findet dann ein Wechsel innerhalb der Szene statt, in dem sich diese beiden Bewegungen kreuzen. Manchmal nennen wir dies auch den Wendepunkt der Szene. Eine kurze Szene (bis zu einer Seite im Drehbuch) hat in der Regel nur einen Wendepunkt, während längere Szenen durchaus zwei oder mehr Wendepunkte haben können.

Schau dir den ganzen Kurzfilm „Signs“ an, und achte auf die Richtungswechsel im Laufe der Geschichte:

Kurzfilm „Signs“:

Kurze Analyse des Films:

Unten kannst du sehen, wie es aussieht, wenn wir ein Diagramm mit den Richtungen dieser Geschichte erstellen:

Illustration:


Punkt ohne Wiederkehr – Der Mittelpunkt:

Oft definiert man den Mittelpunkt als eine entscheidende Wahl, die der Protagonist trifft und die es ihm unmöglich macht, in die normale Welt zurückzukehren – daher kommt auch der Ausdruck „Punkt ohne Wiederkehr“ (Point of no Return).

Der Mittelpunkt muss jedoch nicht unbedingt eine aktive Entscheidung des Protagonisten sein. Nehmen wir zum Beispiel den Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: Im Mittelpunkt des Films findet die Hauptfigur heraus, dass ihr großer Feind, der Sheriff, sich das Leben genommen hat. Die Entscheidung des Sheriffs hat nichts mit der Hauptfigur zu tun, aber von diesem Zeitpunkt an und für den Rest des Films ist die Hauptfigur gezwungen, sich der Realität zu stellen, anstatt dem Sheriff die Schuld für alles zu geben.

Wie genau ein Mittelpunkt konstruiert werden soll, hängt stark von deiner Geschichte ab, und wie du sie erzählen möchtest. Es gibt jedoch eine Reihe von Elementen, die du berücksichtigen solltest, wenn du an deinem Mittelpunkt arbeitest.

Der Mittelpunkt ist also nicht nur einer von vielen Wendepunkten, sondern der Wendepunkt, der die ganze Welt für unseren Protagonisten um 180° dreht, sodass er/sie reagieren muss – und zwar möglichst stark. Wenn man das Modell der Heldenreise verwendet, könnte man auch sagen, dass die besondere Welt nach dem Mittelpunkt zur neuen besonderen Welt geworden ist. Und als Folge davon ist auch die normale Welt, in die unser Held zurückkehrt, zu einer neuen normalen Welt geworden – das heißt, nach dem Mittelpunkt kann man nicht mehr in die alte Welt zurückkehren: Punkt ohne Wiederkehr.

Illustration:

Sehen wir uns einige Beispiele für wirkungsvolle Mittelpunkte an:

Im Kurzfilm „Signs“ liegt der Mittelpunkt wo Stacy zugibt Jason zuerst beobachtet zu haben – dies ändert die Welt von Jason, da er jetzt versteht, das Stacy auch in ihn verliebt ist. Deswegen möchte er die Beziehung jetzt zur nächsten Ebene bringen, und Stacy fragen ob sie sich mit ihm treffen will. Aber Jason zögert…

Schaue dir die Szene noch einmal an, sie beginnt bei Minute 6:30:

Kurzfilm „Signs“:

Deutlicher wird dies im Mittelpunkt des kurzen Animationsfilms „For the Birds“, in dem sich der große Vogel auf die Stromleitung setzt und damit die Welt der kleinen Vögel verändert – sie wird dadurch zu einer besonderen Welt. Der Mittelpunkt ist dann, wenn sich der große Vogel auf den Kopf stellt (die neue besondere Welt) und die kleinen Vögel die Chance nutzen, den großen Vogel loszuwerden.

Schaue dir die Szene noch einmal an, sie beginnt bei Minute 1:20:

Kortfilmen „For the Birds“

Übung – Beschriebe einen Mittelpunkt


Lad die Übung auf dein Handy!


Das Ende:

Das Ende deines Films ist für das Publikum besonders wichtig – es ist das Gefühl, das sie mitnehmen, wenn der Film zu Ende ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass du dir etwas Zeit nimmst, um herauszufinden, wie du deine Filmgeschichte beenden möchtest. Am besten solltest du das Ende schon recht früh im Prozess der Konstruktion deiner Geschichte kennen, damit du auf das Ende hinarbeiten kannst. Wenn du das Ende kennst, zumindest in groben Zügen, gibt das deiner Geschichte eine Richtung. Wir empfehlen daher, dass das Ende eines der ersten Story-Ereignisse ist, über die du nachdenken solltest, wenn du die Geschichte für deinen Film schreibst.

Auch wenn es viele Möglichkeiten gibt, eine Geschichte zu beenden, solltest du dir bei der Konzeptierung deines Endes die folgenden Fragen stellen:

Wir alle kennen den Begriff „Happy End“, der für den typischen Mainstream- oder Hollywood-film steht, eine Geschichte zu beenden: Die Hauptfigur hat ihr Ziel erreicht, alle Bösewichte und Feinde sind aus dem Weg geräumt und es gibt keinen Widerstand mehr – Aschenputtel ist Prinzessin geworden.

Das Gegenteil davon ist das tragische Ende, bei dem die Hauptfigur gescheitert ist und alles verloren hat. Aber es gibt auch eine Mischung aus beidem – die Hauptperson hat ihr Ziel erreicht, aber dafür einen sehr hohen Preis bezahlt. Nehmen wir zum Beispiel den Film „Gladiator“ von Ridley Scott: Der Film handelt von einem Mann (Maximus), der zu seiner Familie zurückkehren möchte. In der Mitte des Films (Punkt ohne Wiederkehr)findet er heraus, dass seine Familie von seinem Erzrivalen (Commodus) ermordet wurde – am Ende rächt sich Maximus, indem er Commodus in Rom tötet, und er somit durch seinen Tod mit seiner Familie wiedervereint (spirituell gesehen). Der Preis für die Erfüllung seines Willens ist somit sein eigenes Leben.

Neben der Entscheidung, ob du deinen Film positiv oder negativ (oder eine Mischung aus beidem) beenden möchtest, kannst du auch ein offenes oder ein geschlossenes Ende gestalten.

Film ist ein visuelles Medium, und auch wenn du den Film wahrscheinlich erst schreibst, bevor du ihn drehst, ist es eine gute Idee, schon beim Schreiben des Drehbuchs über das Schlussbild nachzudenken. Denke daran, dass das Schlussbild das Letzte ist, was das Publikum von deinem Film sieht, und dass es daher wichtig für die Gefühle und das Verständnis der gesamten Geschichte ist. Vielleicht kannst du das Schlussbild sogar nutzen, um dein Startbild zu finden, oder umgekehrt? Auf diese Weise schaffst du einen Zusammenhang zwischen Anfang und Ende, der deine gesamte Geschichte zusammenhält.


Zeitleiste:

Das Aufzeichnen der einzelnen Szenen oder Sequenzen deiner Geschichte auf einer Zeitleiste kann ein hervorragendes Hilfsmittel sein, um deine Geschichte sowohl zu visualisieren als auch zu strukturieren.

Eine Sequenz wird hier als eine Reihe aufeinanderfolgender Szenen mit demselben Thema oder Absicht verstanden – eine Person, die aus einem Auto aussteigt, dann den Bahnhof betritt und auf den Bahnsteig hinuntergeht, um in einen Zug einzusteigen, wäre typischerweise eine Sequenz von 3-4 kurzen Szenen. Denk daran, dass es sich jedes Mal um eine neue Szene handelt, wenn wir die Zeit und/oder den Ort wechseln. Alle Szenen in dieser Sequenz haben die Aufgabe, die Person vom Auto zum Zug zu transportieren, und bilden somit eine Sequenz.

Es empfiehlt sich, die Zeitleiste als Hilfsmittel zu verwenden, während du deine Geschichte baust, und diese ständig aktualisierst, während du deine Erzählung weiterentwickelst.

Die folgende Abbildung zeigt, wie eine solche Zeitleiste für eine kurze Erzählung von 4–6 Minuten aussehen kann:

Illustration:

Hier sind die wichtigsten Story-Events auf einer Zeitleiste eingezeichnet, zusammen mit einer kurzen Beschreibung der Szene/Sequenz. So erhältst du einen einfachen und übersichtlichen Überblick über deine gesamte Erzählung – du kannst die Reihenfolge der Szenen/Sequenzen sehen und gleichzeitig sehen, wo in der Geschichte sie sind.

Die wichtigen Wendepunkte stehen oben, die ergänzenden Szenen unten. Gleichzeitig wird die Motivation oder der Wille der Hauptfigur deutlich hervorgehoben, sodass du jederzeit sehen kannst, ob der Inhalt der Szenen mit dem Grundthema und dem Hauptkonflikt des Films zusammenhängt.

Lasst uns den Kurzfilm „Signs“ als Beispiel nehemen.

Kurzfilm „Signs“:

Und hier die Zeitleiste für den Kurzfilm „Signs„:

Illustration:

Ein Film von 4–6 Minuten hat in der Regel 3–5 Szenen/Sequenzen, sodass nicht viel Platz für Nebengeschichten bleibt. Wenn du einen etwas anderen Film mit viel mehr Szenen oder vielleicht auch nur einer einzigen Szene machen möchtest, kannst du trotzdem eine Zeitleiste verwenden, um deine Wendepunkte zu markieren und zu sehen, ob ihre Reihenfolge in deiner Erzählung Sinn ergibt. Denke daran, dass es sich um ein Werkzeug handelt, das du an deine Bedürfnisse anpassen kannst. Der Kurzfilm „Signs“ ist auch länger als 6 Minuten, hat aber trotzdem nur wenige Szenen/Sequenzen.

Wenn du einen Film drehst, der länger als 4-6 Minuten ist, wird deine Zeitleiste entsprechend etwas komplizierter. Nehmen wir das folgende Beispiel für eine Geschichte:

Die Zeitleiste für dieses Beispiel sieht wie folgt aus (die Zeitleiste ist noch nicht fertig, aber hier kannst du den Prozess der Arbeit mit einer Zeitleiste sehen):

Illustration:

Hier gibt es mehrere Szenen/Sequenzen zwischen Anfang, Mitte und Ende, und wir haben die Motivation der Hauptfigur im Laufe der Geschichte vertieft. Außerdem haben wir die drei Akte angegeben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was bei den beiden Aktwechseln passiert, die zusammen mit dem Mittelpunkt wichtige Wendepunkte in deiner Geschichte darstellen.

Unabhängig davon, ob du eine kurze oder eine lange Geschichte baust, gilt beim Arbeiten mit der Zeitleiste als Werkzeug dasselbe Prinzip:

Hier kannst du sowohl unsere Vorlage für die Zeitleiste als auch die Beispiele als PowerPoint-Dokument herunterladen:

Übung – Zeitleiste für „Unten Durch“


Lad die Übung auf dein Handy!

Denke daran: Die Zeitleiste ist ein Werkzeug, das dir helfen soll, deine Geschichte während der Entwicklung besser überschauen zu können. Du kannst die Zeitleiste daher so einrichten, wie es zu deiner Geschichte und deiner Arbeitsweise passt – du kannst Teile nach Belieben hinzufügen oder entfernen.


Kapitel 3: Die drei Grundelemente einer Geschichte

Wenn man über sein eigenes Leben nachdenkt und darüber, welche Elemente für einen wichtig sind, würden die meisten wohl sagen, dass es die Menschen um einen herum sind, sowohl diejenigen, die man liebt, als auch diejenigen, die das eigene Leben zum Guten oder zum Schlechten beeinflussen.

Dann ist es auch wichtig, dass man die Träume und Ziele verfolgen kann, die man für sein Leben hat, sei es persönlich oder beruflich, und dabei stößt man gelegentlich auf Widerstand und Konflikte – vielleicht ist man nicht gut genug, um in die Handballmannschaft für das nächste Turnier aufgenommen zu werden, oder man kann sich die coolen Sneakers, die man gerne hätte, nicht leisten.

Und schließlich spielt auch das Umfeld eine Rolle im Leben – wenn man in einer Großstadt aufgewachsen ist, hatte man wahrscheinlich eine andere Kindheit als jemand, der auf einer kleinen Insel geboren wurde. Das Umfeld prägt einen, wie man auf seine eigene Welt reagiert.

Mit anderen Worten, es gibt drei Elemente, die für das eigene Leben wichtig sind – die Menschen um einen herum, wie man seine Träume und Ambitionen verwirklicht und das Umfeld, in dem man sich befindet.

Und genau so ist es auch mit Geschichten, auch wenn Geschichten nur einen kleinen Ausschnitt und eine vereinfachte Version der Komplexität des Menschlichen Lebens zeigen können.

Eine Filmhandlung besteht aus drei Elementen:

Verschiedene Filmemacher und Theoretiker haben unterschiedliche Wege gefunden, diese drei Elemente darzustellen. Allen Modellen gemeinsam ist jedoch, dass sie sich auf die eine oder andere Weise mit Charakteren, Konflikten/Themen und dem Universum der Geschichte befassen.

Wenn dein Film fertig ist, sollten diese drei Elemente möglichst als eine Einheit erscheinen, in der ein natürlicher Zusammenhang zwischen den Figuren der Geschichte, ihren großen und kleinen Problemen und der Welt, in der sie sich befinden, besteht. Du solltest jedoch die Freiheit haben, mit diesen Elementen während der Konstruktion deiner Geschichte spielerisch und kreativ umzugehen. 

In Ridley Scotts Film „Gladiator“ geht es zum Beispiel um einen Mann (protagonist), der nach Hause will (sein Wille) und der vor etwa 2000 Jahren im alten Römischen Reich spielt (die Welt der Geschichte). Aber was wäre, wenn man das Universum ändern würde? Wenn die Geschichte plötzlich in Hamburg des 19. Jahrhunderts spielen würde? Oder wenn es eine Frau statt eines Mannes wäre? Das würde zweifellos die gesamte Erzählung verändern und zu einem ganz anderen Film führen – indem wir mit den drei Säulen einer Erzählung spielen, können wir unendlich viele Variationen von Geschichten über uns als Menschen und die Welt, in der wir leben, schaffen.

Wenn du eine Idee für eine Geschichte hast, basiert diese in der Regel auf einem der drei Elemente – vielleicht möchtest du eine Geschichte darüber erzählen, wie schwierig es sein kann, neue Freunde zu finden? Oder möchtest du von einer starken Hauptfigur erzählen, die für ihre Rechte kämpft? Oder findest du deinen örtlichen Reitverein unglaublich faszinierend und möchtest einen Film drehen, der dort spielt? Ob du von einer Figur, einem Problem/Thema oder einer Welt ausgehst, ist nicht so wichtig – aber du musst die anderen Elemente so integrieren, dass die Geschichte zusammenhängend ist und sich natürlich anfühlt.


Die Figuren:

© Netflix Pitch Workshop

Es sind in der Regel die Figuren in deiner Geschichte, zu denen das Publikum eine emotionale Verbindung aufbaut. Grundsätzlich sollten alle Figuren in deinem Film eine Funktion in der Geschichte erfüllen, sonst gibt es keinen Grund, sie einzubauen – insbesondere in kürzeren Erzählungen sollte man darauf achten, nicht zu viele Figuren einzubauen, zu denen das Publikum eine Beziehung aufbauen muss.

Die absolut wichtigste Figur in deiner Erzählung ist die Hauptperson (Protagonist). Das ist die Person, durch die wir die Erzählung in der Regel erleben und mit der wir uns identifizieren.

Es gibt Erzählformen, die mehr als eine Hauptfigur haben, beispielsweise Ensemblefilme oder sogenannte „Buddy-Filme“ („Thelma & Louise„), aber in Kurzfilmen ist dies eher die Ausnahme – es bleibt einfach nicht genug Zeit, um mehr als eine Hauptfigur kennen zulernen. Dennoch kann es durchaus bedeutende Nebenfiguren in einem Kurzfilm geben.

Es gibt zwei Arten von Hauptfiguren – die aktive Hauptperson, die die Geschichte durch ihre Gefühle, ihren Willen und die Entscheidungen, die sie trifft, vorantreibt (Charakterorientierung), und eine eher passive Hauptfigur, die eher auf das reagiert, was um sie herum geschieht, als selbst die Entwicklung voranzutreiben (handlungsorientiert). Typischerweise sind Dramen und Liebeskomödien eher charakterorientiert, während Actionfilme und Horrorfilme eher handlungsorientiert sind. Die Hauptfigur kann im Laufe der Geschichte auch von einem passiven zu einem aktiven Charakter werden (umgekehrt ist dies selten der Fall).

Unabhängig davon, ob du mit einer aktiven oder einer passiven Hauptfigur arbeitest, solltest du die folgenden Fragen beantworten: 

Ob die Hauptperson ihr Ziel erreicht, ist natürlich wichtig, aber laut dem Drehbuchtheoretiker John Truby ist es für den Zuschauer am wichtigsten, zu sehen, wie der Hauptcharakter seine innere Schwäche (great internal weakness) überwindet.

Ein Beispiel für einen Kurzfilm, der zeigt, wie eine Hauptfigur ihre innere Schwäche überwindet, ist der Kurzfilm „A Thousand Words” von Ted Cheung.

Kurzfilm: „A Thousand Words“

In gewisser Weise handelt „A Thousand Words“ von einem jungen Mann, der versucht, den Besitzer einer in einem Zug vergessenen Kamera zu finden. Auf einer tieferen Ebene erzählt der Film jedoch eher die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Schüchternheit (great internal weakness) überwindet, indem er Kontakt zu einer jungen Frau aufnimmt, die er im Zug gesehen hat. Und genau dieser Versuch des Hauptcharakters, dieses vertraute Gefühl der Schüchternheit zu überwinden, sorgt dafür, dass sich der Zuschauer mit ihm identifizieren kann und von ihm fasziniert ist.

Es ist wichtig, dass der Zuschauer schon früh im Film etwas über die grundlegende Schwäche der Hauptfigur erfährt. In „A Thousand Words“ wird die Schüchternheit in der ersten Szene des Films gezeigt, in der die Hauptfigur beim Treffen mit der jungen Frau den Blick senkt. Ein Blickkontakt. So einfach lässt sich die Aufmerksamkeit des Zuschauers fesseln.


Neben der Hauptfigur gibt es in den meisten Geschichten auch sogenannte Nebenfiguren.
HINWEIS: Nebenfiguren müssen nicht immer Menschen sein – in einer Gruselgeschichte kann beispielsweise auch das Spukhaus eine Art Figur in der Erzählung sein. Das Gleiche gilt für Tiere. Wenn man mit Gegenständen oder Tieren als Figuren arbeitet, ist es wichtig, ihnen menschliche Eigenschaften zu verleihen.

Grundsätzlich sollten alle Nebenfiguren eine Funktion in der Erzählung haben, insbesondere in Kurzfilmen. Die genaue Funktion der einzelnen Figuren hängt von der jeweiligen Geschichte ab, jedoch lassen sich Nebenfiguren in zwei Kategorien einteilen – entweder stehen sie auf der Seite der Hauptfigur oder sie sind gegen sie (es gibt auch neutrale Figuren, die vielleicht nur einem bestimmten Zweck dienen – aber für diese ist in einem Kurzfilm selten Platz):
HINWEIS: Nicht alle Nebenfiguren kommen in allen Geschichten vor – manchmal kann man sogar ganz auf Nebenfiguren verzichten.

Seht den Kurzfilm „Signs“ zusammen in der Klasse an.

Kurzfilm „Signs“:

Beginnen wir mit der Hauptfigur Jason und beantworten wir die Fragen zur Hauptfigur:

Schauen wir uns nun die Nebenfiguren an:

Übung – Die Hauptfigur


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Der zentrale Konflikt:

Der zentrale Konflikt (central conflict) ist der Kern der Erzählung – es ist das Spannungsfeld, in dem das Ziel oder der Wille der Hauptfigur auf ein Hindernis oder Widerstand stößt.

Dieses Hindernis kann ein Gegner (ein Mensch), ein System (Nazismus in Kriegsfilmen), die Natur (Katastrophenfilme) oder ein innerer Konflikt (Zweifel, Angst, Scham) sein. Oft handelt es sich um eine Kombination – ein Kriegsfilm über Nazi-Deutschland beispielsweise personifiziert das System häufig durch einen Menschen, beispielsweise den General einer Militäreinheit.

Der zentrale Konflikt ist das, was Spannung, Entwicklung und schließlich eine Auflösung erzeugt. Ohne ihn gibt es keine Geschichte, nur eine Situation. Mit anderen Worten:

Der zentrale Konflikt ist der Motor der Geschichte, der die Erzählung vorantreibt – ohne Motor gibt es keine Entwicklung.

In einem Kurzfilm ist die Zeit begrenzt, daher muss der Konflikt von Anfang an klar, konkret und emotional fesselnd sein – der Rest der Geschichte dient dann dazu, den Konflikt auf die eine oder andere Weise zu lösen. Deshalb ist es wichtig, dass die Lösung nicht sofort eintritt: Die Hauptfigur muss sich die Lösung erarbeiten; je schwieriger dies für sie ist, desto besser.

Der zentrale Konflikt muss mit dem Willen oder Ziel der Hauptfigur zusammenhängen. Daher ist es wichtig, das Ziel der Hauptfigur klar und deutlich zu definieren, damit du herausfinden kannst, wie du diesem Ziel am besten entgegenwirken kannst.

Der zentrale Konflikt muss aber auch für das Publikum nachvollziehbar sein – hier sind einige gute Tipps, worauf du achten solltest, wenn du mit dem zentralen Konflikt in deiner Geschichte arbeitest:

Übung – Hindernisse & Lösungen


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Die Story World – Das Universum des Films:

Die Story World ist die Welt, in der unsere Geschichte spielt – das kann ein sehr kleines Universum sein, wie beispielsweise ein in der Erde vergrabener Sarg, wie im Film „Buried“ aus dem Jahr 2010, in dem der gesamte Film nur an einem einzigen kleinen Ort spielt. Es kann jedoch auch eine ganze Galaxie sein, wie in Star Wars. Aber alle Geschichten spielen in einer klar definierten Welt – die Fernsehserie „ER“ spielt in einem Krankenhaus, „Friends“ in einem Wohnblock und der Animationsfilm „For the Birds“ auf einer Stromleitung.

Neben der geografischen Welt etabliert die Story World die Geschichte auch zeitlich. Wann spielt die Geschichte? Hier können Kleidung und Requisiten eine gute Möglichkeit sein, die Zeit zu vermitteln – wenn wir eine Person in Kleidung aus dem letzten Jahrhundert sehen, platzieren wir die gesamte Geschichte in dieser Zeit. Das Gleiche gilt für neue Technologien, die es noch gar nicht gibt – dann befinden wir uns in der Zukunft. Nutze gerne visuelle Elemente, um die Geografie und die Zeit deiner Geschichte zu definieren.

Das Universum des Films enthält auch die Regeln und Möglichkeiten, die in der Story World existieren – in der Welt von „Harry Potter“ ist es ganz normal, dass man mit einem Zauberstab zaubern kann, aber es ist den Schülern verboten, nachts in den Gängen von Hogwarts herumzulaufen.

Je klarer und besser definiert der Rahmen ist, in dem die Geschichte spielt, desto leichter fällt es dem Publikum, sich im Universum des Films zurechtzufinden.

In einem Kurzfilm muss das Publikum schnell verstehen, wo und wann die Geschichte spielt und welche Regeln gelten. Das muss nicht komplex sein – wichtig ist vor allem, dass es glaubwürdig wirkt. Wir müssen beispielsweise sofort wissen, ob wir uns in einem realistischen Alltag, einer futuristischen Dystopie oder einem übernatürlichen Horrorfilm befinden.

Im Zuge der technologischen Entwicklung und des stetig wachsenden Einflusses von Computerspielen auf Filmgeschichten, hat die Story World mehr Aufmerksamkeit erhalten – sowohl vom Publikum als auch von den Filmemachern selbst. Wir sehen immer mehr Filmproduktionen, die Welt-getrieben sind und sich darauf konzentrieren, wie ein einzigartiges und komplexes Universum mit seinen eigenen Regeln, Konflikten und Strukturen den Verlauf der Geschichte und das Schicksal der Figuren prägt. Dies wird im Star Wars-Universum deutlich, das seine Fantasie-Welt für fast endlose Spin-Offs und neue Erzählungen nutzt.

In einem Kurzfilm hast du jedoch in der Regel nicht die gleichen Möglichkeiten, ein allzu komplexes Universum für deine Geschichte zu entwickeln – hier solltest du Folgendes beachten:


Kapitel 4: Idee & Entwicklung

© Netflix Pitch Workshop

Bisher haben wir uns mit der dramaturgischen Struktur und den Elementen einer Geschichte befasst – also mit der Form. Nun wollen wir uns damit beschäftigen, was in diese Form gefüllt werden soll – der Inhalt, also die Geschichte die wir erzählen wollen.

Die Geschichte ist der Ausgangspunkt für deinen Film. Egal, ob es sich um eine fiktive Geschichte, einen Dokumentarfilm, einen Werbe- oder Kampagnen-film handelt, der Empfänger, also das Publikum, wird immer versuchen, das, was es sieht und hört, zu verstehen. Mit anderen Worten: Das Publikum konstruiert aus den Teilen, die wir ihm präsentieren, eine sinnvolle Erzählung.

Seht euch das folgende Experiment von Heider und Simmel aus dem Jahr 1944 an und sprecht anschließend darüber, was ihr gesehen habt:

Das Heider-Simmel-Experiment:

Die meisten von euch werden wohl behaupten, dass ihr eine Geschichte über ein großes Dreieck gesehen habt, das einen Kreis bedroht oder gemobbt hat, und dass das kleinere Dreieck den Kreis gerettet hat. In Wirklichkeit habt ihr nur einige geometrische Formen gesehen, die sich ein wenig auf einer Fläche bewegten, und euer Gehirn hat dafür gesorgt, dass dies einen Sinn ergibt.

Wir schreiben den Figuren menschliche Eigenschaften und Motive zu, als wäre es eine Geschichte mit richtigen Personen. Wir Menschen neigen dazu, Geschichten zu erfinden und selbst in abstrakten Bewegungen und Figuren Absichten zu erkennen. Unser Gehirn ist darauf programmiert, in dem, was wir sehen, hören und erleben, einen Sinn zu suchen – oft in der Form von Geschichten.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns sehr bewusst darüber sind, was wir erzählen möchten – unsere Geschichte muss in allen Elementen und Details für das Publikum sichtbar und merkbar sein.

Aber alles beginnt mit einer guten Idee, und darauf werden wir im nächsten Abschnitt fokussieren.


Trainiere deine Kreativität:

“Kreativität kann man nicht aufbrauchen.  Je mehr man sie benutzt, desto mehr hat man davon.”

Dr. Maya Angelou, Schriftstellerin und Dichterin

Eine gute Idee für eine Geschichte zu finden, kann ganz schön schwierig sein, vor allem, wenn man auf Kommando kreativ sein soll. Aber zum Glück gibt es Werkzeuge, die dir dabei helfen können, eine gute Idee zu finden. Du solltest nicht unbedingt davon ausgehen, dass die erste Idee, die dir einfällt, auch die richtige ist – zunächst geht es darum, sich für Möglichkeiten zu öffnen.

Kreativität ist nicht etwas was man hat oder nicht hat, sondern etwas, das man üben kann. Wie du dem obigen Zitat von Maya Angelou entnehmen kannst, wird es umso einfacher, kreativ zu sein, je mehr man es benutzt – und genau das wollen wir jetzt tun: uns in Kreativität üben.

Übung – Zirkeltraining

Es gibt viele Möglichkeiten und Übungen, mit denen du deine Kreativität trainieren kannst – denk daran, dass du eine gut trainierte Kreativität in vielen Zusammenhängen einsetzen kannst, nicht nur, wenn du eine Geschichte für dein Filmprojekt entwickeln willst.

Wenn du deine Kreativität noch mehr trainieren möchtest, kannst du die folgende Übung für kreatives schreiben machen:

Es gibt noch viele andere Webseiten, die Übungen für Kreativität haben – je mehr du übst, desto leichter fällt es dir Ideen zu bekommen.


Ideenentwicklung:

„The best way to have a good idea is to have a lot of ideas.“

Linus Pauling, Chemiker und Friedensaktivist

Grundsätzlich lässt sich aus allem eine gute Geschichte machen, und es ist immer wichtig, offen für originelle und ungewöhnliche Ansätze zu sein. Du solltest dir jedoch bewusst sein, dass manche Dinge in der Regel besser funktionieren als andere – insbesondere, wenn es um Geschichten für Kurzfilme geht.

Die folgende Liste ist nicht vollständig und nicht immer für alle Arten von Geschichten relevant, sondern sollte eher als Leitfaden verstanden werden. Wenn du eine gute Idee hast, an die du glaubst, ist es wichtiger, daran festzuhalten und sie auszuprobieren, auch wenn sie nicht in die folgenden Leitlinien passt – oft sind es genau diese Filme und Geschichten, die uns am meisten Überraschen.

Wenn man eine erfundene Geschichte erzählt, muss man gut lügen können, denn das, was man erzählt, ist ja nicht wahr. Um gut lügen zu können, muss man seine Lüge ernst nehmen. Es muss so wirken, als würde man selbst daran glauben. Wenn man selbst nicht daran glaubt, kann man nicht erwarten, dass andere es tun.

Lass niemals die Wirklichkeit einer guten Geschichte im Wege stehen.

Frei nach Mark Twain, Autor

Du solltest dich davor hüten, dich mit dem Satz „Das würde in der Wirklichkeit doch nie passieren“ einzuschränken. Vielleicht würde es in der Realität nicht passieren, aber es ist eine Geschichte, die wir erzählen, und hier kann alles Mögliche geschehen. Wichtig ist nur, dass es für das Publikum glaubwürdig wirkt. Glaubwürdigkeit entsteht durch einen guten Zusammenhang zwischen der Hauptfigur, ihrem Problem bzw. Konflikt und der Welt der Geschichte.

Eine weitere Möglichkeit, eine Lüge glaubwürdiger zu machen, besteht darin, die Lügengeschichte mit vielen Details auszustatten. In „Harry Potter” ist es beispielsweise unrealistisch, dass wir einfach einen Holzstab aus der Tasche ziehen und damit Dinge durch die Luft fliegen lassen können. Da das „Harry Potter”-Universum jedoch sehr detailliert ist, wirkt diese Fähigkeit innerhalb seiner eigenen Welt glaubwürdig.

Übung – Zwei Wahrheiten und eine Lüge


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Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Erzählen von Geschichten vor einem Publikum ist, die Zuhörer zu überraschen. Das lässt sich unter anderem erreichen, indem man die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet. Auf diese Weise kann selbst eine scheinbar langweilige Alltagsgeschichte neues Leben erhalten, weil sie aus einer neuen Perspektive erzählt wird und somit eine neue Dimension erhält.

Das Gleiche gilt, wenn du mit deiner Geschichte nicht weiterkommst. Oft hilft es, die Aufgabe oder das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten, also den Blickwinkel zu wechseln. Frag dich selbst: „Was wäre, wenn …?“

Es ist schwierig zu sagen, was genau eine gute und was eine schlechte Idee ist, denn das hängt sehr stark davon ab, wie die Geschichte erzählt wird. Eine gute Idee, die schlecht umgesetzt ist, wird nie zu einem guten Film. Aus einer schlechten Idee kann hingegen durchaus eine coole Geschichte entstehen.

Übung – Eine schlechte Idee


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Wir sind bereits mitten im Prozess des Geschichtenerfindens und haben uns mit einigen der Grundprinzipien beschäftigt, die wir dabei anwenden.

In dieser Ideenphase ist es wichtig, dass du beim Ausdenken deiner Geschichte spielerisch vorgehst und deiner Intuition folgst. Manchmal muss man einfach irgendwo anfangen, dann sprudeln die Ideen oft wie von selbst.

Übung – Eine Geschichte gemeinsam erfinden

Jede Geschichte hat einen Erzähler. Es sind die persönliche Note und die Perspektive des Erzählers, die eine Geschichte einzigartig und für die Zuschauer relevant machen. In der folgenden Abbildung siehst du, wie das Thema des Films, die Hauptfigur, der Konflikt und das Universum des Films den Rahmen für deine Erzählung bilden.

Illustration:

Wenn du deine Geschichte entwickelst, ist es daher nicht so wichtig, ob du zunächst eine coole Hauptfigur, ein Thema, eine Situation, die dich interessiert, oder ein Universum, das dich fasziniert, erfindest. Wichtig ist nur, dass du im Laufe der Entwicklung einen Zusammenhang zwischen diesen Elementen herstellst.

In den folgenden Abschnitten geben wir dir Tipps, wie du am einfachsten eine Geschichte von Grund auf aufbauen kannst. Du kannst die Reihenfolge gerne ändern, wenn du lieber an einer anderen Stelle beginnen möchtest.


Thema & Richtung:

Wenn du eine Geschichte entwickeln möchtest, solltest du zunächst das Thema der Geschichte festlegen.

Worüber möchtest du etwas erzählen? Hier ist es wichtig, dass du dir ein grundlegendes und allgemeingültiges Thema überlegst. Das können weit gefasste Themen wie Liebe oder Einsamkeit sein, aber auch spezifischere Themen, zum Beispiel Spielsucht oder Arachnophobie (die Angst vor Spinnen).

Da die Arbeit an einem Film sehr anspruchsvoll sein kann, ist es eine gute Idee, ein Thema zu wählen, das dich interessiert oder das für dich relevant ist. Du kannst auch ein Thema wählen, zu dem du eine Meinung hast oder über das du mehr erfahren möchtest.

Betrachte das Thema als die große Überschrift für deine Erzählung – es sollte sich mit möglichst wenigen Worten beschreiben lassen.

Schau dir folgendes Beispiel an und achte dabei darauf, wie das Thema dauernd im Spiel ist.

Kurzfilmen „For the Birds“ – Thema: Toleranz

Ist dir aufgefallen, dass sich das Thema durch die gesamte Handlung zieht? Schon von Anfang an beginnen die kleinen Vögel zu streiten, bevor der große Vogel auftaucht. Am Ende dient der grosse, tolerante Vogel als Schutz für die kleinen, intoleranten Vögel. Dein Thema sollte also der rote Faden deiner Geschichte sein.

Da du zu jedem beliebigen Thema eine Geschichte aufbauen kannst, ist es besser, sich schnell für ein Thema zu entscheiden und systematisch damit zu arbeiten, anstatt viel Zeit damit zu verbringen, das „richtige” Thema zu finden.

Wenn du Schwierigkeiten hast, ein Thema zu finden, kannst du dich hier inspirieren lassen.

Übung – Finde dein Thema


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Nachdem du nun dein Thema gefunden hast, müssen wir deiner Geschichte eine Richtung oder Grundstimmung geben. Du bist sicherlich schon einmal auf den Begriff „Genre” gestoßen. In unserem Zusammenhang ist es jedoch sinnvoller, von Richtungen und Grundstimmungen auszugehen. Hier hast du die Wahl zwischen:

Je früher du diese Entscheidungen triffst, desto schneller kannst du mit dem Bau der eigentlichen Geschichte beginnen. Diese Entscheidungen geben dir einen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung deiner Geschichte.
Hinweis: Du kannst deine Entscheidungen während des Entwicklungsprozesses jederzeit ändern, wenn du feststellst, dass eine andere Option besser ist. Das ist in einem organischen Prozess völlig normal.

Du kannst Thema, Grundstimmung und Richtung frei kombinieren. Es macht Sinn, das du unterwegs verschiedene Szenarien ausprobierst.

Übung – Szenarienspiel


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The Story QuestionsDie dramatischen Fragen:

© Netflix Pitch Workshop

Antworten auf diese dramatischen Fragen zu finden, hilft dir dabei, deine Geschichte aufzubauen. Sie zwingen dich nämlich dazu, ganz konkret zu werden: Was passiert wann, und warum?

Bei einer längeren Erzählung, wie beispielsweise einer Fernsehserie, würden mehr Fragen gestellt, es gäbe mehr Konflikte/Probleme und mehrere Figuren. In unserem Fall können wir uns jedoch darauf beschränken, die folgenden dramatischen Fragen zu stellen:

Zunächst sollten wir uns den zentralen Konflikt der Geschichte ansehen. Das Problem, das der Protagonist lösen muss, sollte mit dem von dir gewählten Thema zusammenhängen. Gleichzeitig ist es ratsam, dass das Problem bzw. der Konflikt für das Publikum klar und deutlich erkennbar ist.

Der Konflikt ist somit eine von vielen möglichen Manifestationen des Themas. Oft hängt er mit dem Willen oder Wunsch der Hauptfigur zusammen – er verhindert, dass sie ihren Willen durchsetzen kann.


Als Nächstes müssen wir uns Gedanken über unsere Hauptfigur machen. Dabei ist es wichtig, dass wir einen interessanten und vielschichtigen Protagonisten schaffen, der auf seine Umwelt reagiert und sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln kann.

“I choose to run towards my problems, and not away from them. Because that’s what heroes do.”

Chris Hemsworth, Thor (2011)

Bedenke, dass wir die Geschichte durch die Augen der Hauptfigur erleben. Nimm dir deshalb Zeit, um die richtige Hauptfigur zu finden. Es ist oft eine gute Idee, der Hauptfigur eine Hintergrundgeschichte zu geben. Diese muss nicht Teil der Erzählung sein, kann dir aber dabei helfen, die Motivation der Figur zu verstehen.

Manche Filmgeschichten nutzen Rückblenden, um die Beweggründe der Figuren zu erklären: Etwas ist in der Vergangenheit der Figur geschehen, wodurch sie nun so handelt, wie sie es tut. Auch wenn dies wie eine einfache Möglichkeit erscheint, die Motivation der Figur zu erklären, solltest du dir bewusst sein, dass dir in einem Kurzfilm nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht. Ein Rückblick verlangt vom Publikum, dass es sich in eine neue Mini-Geschichte und ein neues Universum einarbeitet, was durchaus Zeit in Anspruch nehmen kann. Überlege dir daher, ob du nicht einen anderen Weg finden kannst, um die Motivation der Figur zu vermitteln.

Neben der Hauptfigur hast du sicherlich auch andere Figuren in deiner Geschichte. Mit diesen musst du natürlich ebenfalls arbeiten, aber immer im Verhältnis zur Hauptfigur.


Das letzte Element, das du benötigst, um deine Geschichte aufzubauen, ist das Universum des Films – also Zeit und Ort, an dem die Geschichte spielt. Es ist eine gute Idee, deine Welt so weit wie möglich einzugrenzen, da sich das Publikum darin leichter zurechtfindet. Versuche, einige deiner Schauplätze im Film wiederzuverwenden, anstatt jede Szene an einem neuen Ort spielen zu lassen, es sei denn, es ist notwendig.

Der Zeitpunkt, zu dem eine Geschichte spielt, ist ebenfalls Teil des Universums. Mit „Zeit” sind nicht nur Jahreszahlen oder Daten gemeint, sondern auch Jahreszeiten. Wenn eine Geschichte beispielsweise in der Weihnachtszeit spielt, hat das Einfluss auf die Geschichte, da das Publikum bestimmte Erwartungen daran hat, wie die Weihnachtszeit aussieht. Es ist oft von Vorteil, wenn du die Zeit als aktiven Bestandteil deiner Geschichte nutzen kannst, da dies dem Publikum die Orientierung erleichtert. Bedenke jedoch, dass dies konsequent umgesetzt werden muss. Wenn deine Geschichte beispielsweise in der Weihnachtszeit spielt, muss es Weihnachtsdekoration an deinen Schauplätzen geben.

Zur Welt des Films gehören auch die geltenden Regeln: Wenn deine Geschichte beispielsweise an einer Schule spielt, musst du genau schildern, wie diese funktioniert. Wer hat das Sagen? Wer nicht? Was ist das Besondere an dieser Schule? Erstelle nur Regeln, die für deine Geschichte relevant sind.

Hier kannst du mehr darüber lesen oder noch einmal nachlesen:

Übung – Hauptperson, Konflikt & Welt der Geschichte


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Pitch Deck:

Jetzt hast du alle Elemente, die du brauchst, um deine Geschichte aufzubauen: Du hast ein Thema und einen dazugehörigen Konflikt bzw. eine Problemstellung, die deine Hauptfigur in der Welt der Geschichte lösen muss.

Der nächste Schritt besteht darin, darüber nachzudenken, was in deiner Geschichte eigentlich passieren wird – also den eigentlichen Handlungsverlauf deines Films.

Hier sind einige gute Tipps, wie du die Handlung deines Films gestalten kannst:

Ein wirklich gutes Hilfsmittel zur Entwicklung der Handlung ist die Erstellung einer Zeitleiste, auf der du die einzelnen Szenen in eine Reihenfolge bringst, um einen Überblick über deine Geschichte zu erhalten.

Wenn du unser Kapitel über die Zeitleiste lesen oder noch einmal lesen möchtest, kannst du das hier tun:

Tidslinjen

HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Etappen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente problemlos ändern könnt, sobald ihr neue Ideen habt und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.

Je gründlicher eure Zeitleiste ausgearbeitet ist, desto einfacher wird es, das eigentliche Drehbuch für den Film zu schreiben.

Übung – Zeitleiste


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Bisher haben wir alles in Worten formuliert, aber Film ist ein visuelles Medium, und deshalb müssen wir uns Gedanken über den visuellen Stil und den ästhetischen Ausdruck unseres Films machen. In diesem Zusammenhang ist es eine gute Idee, ein sogenanntes Pitch Deck (eine visuelle Präsentation für unser Filmprojekt) zu erstellen. Da wir einen Kurzfilm drehen, reicht es aus, ein Mini-Pitch-Deck zu erstellen.

Neben Text nutzt ein Pitch Deck auch visuelle Elemente, um sein Konzept zu vermitteln, was es besonders geeignet macht, visuelle Projekte wie Filme zu präsentieren.

Es gibt aber noch einen weiteren guten Grund, ein Pitch Deck für deinen Film zu erstellen – nämlich, dass du auf diese Weise deine Filmidee für dich selbst präzisierst, da du dich mit allen wichtigen Elementen auseinandersetzen musst, die deinen Film ausmachen: von der Geschichte über die Figuren bis hin zum Universum, in dem die Geschichte spielt. Und genau mit diesem Ziel vor Augen solltest du ein Pitch Deck für dein Filmprojekt erstellen.

Es handelt sich um ein recht umfangreiches Dokument, aber wenn es gut gemacht ist, kann es dir und deinem Team einen sehr genauen Eindruck davon vermitteln, welchen Film ihr drehen wollt.

Eines der bekanntesten Beispiele in der Filmindustrie ist das Pitch Deck, mit dem die beliebte TV-Serie „Stranger Things“ an Netflix verkauft wurde.

Damals hieß das Projekt „Montauk“ – du kannst es dir hier ansehen:

Pitch Deck für „Montauk“ („Stranger Things“):

Wie du sehen kannst, spürt man bereits auf der ersten Seite die gesamte Atmosphäre und den Ton – es ist unheimlich, es hat einen 80er-Jahre-Charakter und es handelt sich um eine Serie.

Mit anderen Worten: Ein gutes Pitch-Deck vermittelt viel mehr als nur Informationen – es verschafft einen Eindruck von allen Aspekten des Projekts.

Auch wenn das Pitch Deck für „Stranger Things“ im Hochformat produziert wurde, sind die allermeisten modernen Pitch Decks für Filme und Serien im Querformat gestaltet, was wir dir ebenfalls empfehlen.

Nachfolgend findest du weitere Beispiele für Pitch Decks:

Pitch Deck Beispiele oder such selbst im Internet.

Grundsätzlich solltest du bei der Erstellung deines Pitch Decks Folgendes beachten:

Um dir ein Beispiel dafür zu geben, wie ein Pitch-Deck für einen Kurzfilm aussehen könnte, kannst du dir unser Pitch-Deck zu „Das letzte Stück“ ansehen:

Pitch Deck – „Das letzte Stück“:

HINWEIS: Die folgende Übung kann etwas Zeit in Anspruch nehmen und kann gegebenenfalls in mehreren Durchgängen durchgeführt werden. Es handelt sich um ein organisches Dokument, was bedeutet, dass ihr die bereits ausgefüllten Elemente jederzeit ändern könnt, sobald euch neue Ideen kommen und die Geschichte langsam Gestalt annimmt.

Ihr könnt die verschiedenen Aufgaben gerne aufteilen, sodass einige von euch an bestimmten Folien arbeiten und die anderen an anderen Folien.

Übung – Pitch Deck


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Kapitel 5: Schreibe dein Drehbuch

Das Drehbuch ist das „Rezept“ für deinen Film – es enthält alle notwendigen Zutaten (Charaktere, Requisiten, Drehorte usw.) und gibt dir eine Anleitung, wie du diese Zutaten miteinander verweben solltest (Dialoge, Regieanweisungen, Szenenabfolge usw.).

Je besser du das Drehbuch schreibst, desto besser und vor allem einfacher werden deine Dreharbeiten – es lohnt sich also, etwas Zeit in das Schreiben des Drehbuchs zu investieren.


Das Step-Outline:

Wenn du deine Szenen im Drehbuch ausarbeitest, ist es ratsam, sich über die Reihenfolge, die Funktion und die Handlung der Szenen klar zu werden. Ein gutes Hilfsmittel dafür ist ein sogenanntes Step-Outline, also eine Beschreibung aller Szenen deines Films zusammen mit den wichtigsten Informationen zu jeder Szene in chronologischer Reihenfolge.
HINWEIS: Anstelle eines Step-Outline kann man auch ein sogenanntes Treatment erstellen, bei dem man zu jeder Szene einen kurzen Absatz schreibt. Ein Step-Outline eignet sich jedoch besser für den Unterricht, da man neben der Handlung der Szene noch weitere Informationen erhält.

In unserem Lehrgang konzentrieren wir uns auf unsere eigene Version eines Step-Outline, die auf der Zeitleiste basiert, die du schon für dein Pitch Deck erstellt hast.

Wenn du alle diese Punkte in deinem Step-Outline durchgehst, bekommst du mehr Klarheit über deine Erzählung und hast sie so im Griff, wenn du das eigentliche Drehbuch schreibst.

Auch wenn dein Step-Outline auf der Zeitleiste basiert, die du zuvor erstellt hast, solltest du offen für neue Ideen sein, die in dieser Phase auftauchen. Während du an deiner Geschichte arbeitest, wird sie sich ständig verändern und weiterentwickeln, und du solltest keine Angst haben, unterwegs Veränderungen vorzunehmen.

Übung – Schreibe dein Step-Outline


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Die Dramatische Szene:

Das Drehbuch ist in Szenen unterteilt. Jedes Mal, wenn man den Handlungsort und/oder den Zeitpunkt für die Handlung wechselt, beginnt eine neue Szene. Wir könnten zum Beispiel eine Szene schreiben, in der ein Auto vor einem Hotel vorfährt, das wir von außen sehen. Dann schneiden wir in das Auto hinein, um zu hören, was die Darsteller sagen – das ist dann eine neue Szene, weil wir uns im Inneren des Autos befinden. Wenn wir dann wieder außerhalb des Autos schneiden, um zu sehen, wie die Personen aus dem Auto steigen, ist das eine neue Szene – also insgesamt 3 Szenen.

Wenn du eine Szene für deinen Kurzfilm schreibst, solltest du die Szene als eine kleine Geschichte für sich betrachten – das heißt, die Szene muss eigenständig funktionieren, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, genau wie die große Geschichte.

Neben Dialogszenen gibt es auch andere Szenen, wie zum Beispiel Actionszenen und insbesondere Transportszenen (Szenen, in denen sich eine Person von A nach B bewegt) – hier gilt genau dasselbe:

Überlege dir daher, ob wir wirklich sehen müssen, wie LISELOTTE vom Bahnhof zu LUCAS’ Wohnung geht – es sei denn, sie sieht, wie seine Freundin weinend aus seinem Haus rennt?

Wenn man eine Szene schreibt, verwendet man eine bestimmte Formatierung, damit man sofort einen Überblick darüber bekommt, wo und wann die Szene spielt, was die Schauspieler tun sollen und welche Dialoge sie führen sollen.

Illustration:

Wie du in der Illustration oben sehen kannst, gibt es eine gute Abwechslung zwischen Regieanweisungen und Dialogen. Wenn du nur Dialoge ohne Regieanweisungen schreibst, ist es für die Schauspieler schwierig, die Szene zu spielen, denn sie sehen zwar, was sie sagen sollen, erhalten aber keine Informationen darüber, wie sie die Szene spielen sollen.

Als Faustregel gilt, dass pro drei Dialoge eine Regieanweisung stehen sollte, um sicher zu sein, das auch genügend Handlung zwischen den Repliken passieren.

Schau dir die erste Szene vom dem Kurzfilm „Unten Durch“ an (bis das kleine Mädchen seine Mutter ruft):

Kurzfilm „Unten Durch“

Wie du sehen kannst, passieren zwischen den einzelnen Repliken die von den Schauspielern gesprochen werden kleine Mini-Geschichten, die uns etwas über die Figuren und deren reaktion auf das was passiert erzählen. Diese kleinen Augenblicke in einem Film nennt man auch „Beats“.

Beats: Handlungsmomente innerhalb einer Szene, in denen etwas passiert, das die Handlung, die Emotion oder die Dynamik zwischen Figuren verändert.

Schau dir die Szene noch einmal an und achte darauf, wie viele Beats es in der Szene gibt:

  • Der Mann wird von einem kleinen Mädchen am Eingang zum Park aufgehalten, weil er unter einem Ast durchgehen soll.
  • Der Mann wundert sich, und in dem Augenblick kommt ein anderer Mann, der das Spiel mitmacht. Das kleine Mädchen freut sich.
  • Nachdem unsere Hauptperson nochmal vom kleinen Mädchen aufgefordert wird unter dem Ast duchzugehen, verweigert er mitzumachen.
  • Das kleine Mädchen beleidigt den Mann – die Stimmung ändert sich und der Mann wird sauer.
  • Der Mann und das kleine Mädchen tauschen Blicke aus.
  • Der Mann zerbricht den Ast und wirft ihn vor das kleine Mädchen auf den Boden.
  • Das kleine Mädchen ruft nach ihrer Mutter, die angelaufen kommt.
  • Und so weiter…

Wie du siehst, passiert in der Szene ständig etwas, das die Beziehungen zwischen den Figuren verändert und die Handlung vorantreibt. Das bedeutet nicht, dass es keine Pausen oder langsame Momente geben darf, im Gegenteil – allerdings müssen sowohl die Pausen als auch das langsame Tempo einen Zweck in der Erzählung erfüllen, sonst kommt die Geschichte zum Stillstand.

Versuche, dir die Szene im Kopf vorzustellen, während du sie schreibst. Wenn du dir deine Szene visualisierst, fällt es dir leichter herauszufinden, wo sich viel abspielen soll und wann die Erzählung etwas mehr Raum zum Atmen braucht.

Eine Szene wird auf eine besondere Weise geschrieben, und auch wenn du die richtige Formatierung der Szene in einem Textverarbeitungsprogramm machen kannst, ist es viel einfacher, dein Drehbuch in einem Drehbuchprogramm zu schreiben. Es gibt eine Reihe verschiedener Möglichkeiten, wir empfehlen jedoch Celtx, ein Online-Drehbuchprogramm:

Du musst zunächst ein Benutzerkonto erstellen und kannst anschließend dein Filmprojekt einrichten. Du kannst das Projekt mit deinen Teamkollegen teilen, die ebenfalls daran mitarbeiten können; allerdings kannst du in der kostenlosen Version nur ein einziges aktives Projekt einrichten.

Haftungsausschluss: Wir stehen in keiner Verbindung zu Celtx oder einem seiner Partner und ziehen keinerlei finanziellen oder sonstigen Vorteil daraus, Celtx zu empfehlen.

Übung – Regieanweisungen


Lad die Übung auf dein Handy!


Vom ersten Entwurf zum fertigen Drehbuch:

Wenn du dein Drehbuch schreibst, solltest du bei jeder Szene so vorgehen, wie im vorherigen Kapitel beschrieben. Denk aber auch daran, den Übergang von einer Szene zur nächsten zu berücksichtigen, damit wir als Zuschauer den Wechsel von Zeit und Ort spüren können. Es kann im Schnitt auch manchmal schwierig sein, direkt von einer Person zu schneiden, die sich an einem Ort befindet, und dann zu derselben Person zu schneiden, die einige Stunden später an einem anderen Ort ist. Versuche, dazwischen etwas einzufügen, das Sinn ergibt und vielleicht bestimmte Gefühle und Stimmungen unterstreichen kann.
HINWEIS: Sogenannte Transportszenen wirken oft langweilig, speziell wenn auf dem Wege nichts passiert – versuche etwas in solche Szenen einzubauen, was relevant für die Geschichte oder die Figuren ist.

Als Faustregel kannst du davon ausgehen, dass eine Seite deines Drehbuchs etwa einer Minute in deinem fertigen Film entspricht – vorausgesetzt, du verwendest die richtige Formatierung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel kann eine Montageszene im Drehbuch nur ein paar Zeilen umfassen, im fertigen Film aber 30 Sekunden oder länger dauern. Als Ausgangspunkt kann man jedoch sagen: Wenn du einen Film von 4–6 Minuten Länge drehen willst, sollte dein Drehbuch etwa 4–6 Seiten umfassen.

In der Regel erstellt man mehrere Entwürfe des Drehbuchs, um die Entwicklung der Geschichte nachvollziehen zu können. Der erste Entwurf wird als „First Draft“ bezeichnet.

“The first draft of anything is 💩”

Ernest Hemingway, Autor

Wie du dem obigen Zitat des berühmten Schriftstellers Ernest Hemingway entnehmen kannst, solltest du nicht davon ausgehen, dass dein erster Entwurf bereits gut genug ist, um als fertiges Drehbuch (auch Shooting Script oder Final Draft genannt) zu dienen.

Wie viele Überarbeitungen du vornehmen musst, hängt von deinem Projekt und der Komplexität der Geschichte ab. In der Regel wird dein erster Entwurf etwas zu lang sein, und die Dialoge werden noch nicht ganz natürlich wirken – konzentriere dich daher bei jeder Überarbeitung darauf, deinem Drehbuch mehr und mehr Fluss zu verleihen, bis du das Gefühl hast, dass du es nicht mehr verbessern kannst. Und dann hast du dein fertiges Drehbuch.

Übung – Schreibe dein Drehbuch


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